Ausgabe 
4.8.1901
 
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weißer Seide gefüttert und mit der Firma eines Pariser Juweliers! Wenn Sie diesen Schmuck nun doch bei mir fänden, Herr Fahrig was würden Sie dann sagen?" Nun, ich würde sagen, daß die Diebin es verteufelt schlau angefangen haben muß, das Ding gerade bei Ihnen anzubringen", entgegnete der Beamte gelassen.Einen ge­wissenhafteren und vorsichtigeren Mann giebt es ja nicht auf der ganzen Welt. Aber lassen Sie doch 'mal sehen."

(Fortsetzung folgt.)

Unser Garten im August.

Nachdruck verboten.

Mit dem August kommen wir immer mehr in die Ernte- Zeit. Das Ernten und Verwerten der Früchte bildet daher eine wesentliche Beschäftigung. Wesentlich im August ist auch die letzte Arbeit, die letzte Fürsorge gewissermaßen, die wir unserer diesjährigen Obsternte angedeihen lassen können. Noch einmal wird kräftige Düngung, entweder Jauche oder Dünger von künstlichen Stoffen, aus Hornmehl, Knochen­mehl, Superphosphat, den reich beladenen Bäumen ge­geben, damit die Entwickelung noch zum Schluß einen kräftigen Ruck erhalte. Von 9Jc(tie August ab soll jede Düngung aufhören, weil sie das Ausreisen der Triebe ver­hindert und weil sie die Winterfestigkeit der Bäume schmälert.

Im August beginnen zum Teil Vorarbeiten für das nächste Jahr. Es werden Erdbeerbeete angelegt; dort, wo Früherbsen, Frühkartoffeln, Kohlrabi, Salat gestanden haben, kann man mit Vorteil Erdbeerbeete anlegen, wenn das Land zwei Spatenstich tief gegraben und dabei kräftig gedüngt wird. Man soll es aber vermeiden, alte Erdbeer­beete von neuem mit jungen Pflanzen zu besetzen, das bringt keine Freude. Für schweren Boden ist Garten-In­spektor Koch, König Albert, Kaisers Sämling eine kleine aber passende Wahl; für leichten Boden wäre statt Garten­inspektor Koch Noble zu verwenden. Die immertragende St. Josephs-Erdbeere und die rankenden Monats-Erdbeeren sollten im Liebhabergarten niemals vergessen werden.

Man sät Perl-Zwiebeln, Spinat, Johannislauch^ Winter­endivien, Rapünzchen, frühe Karotten zum Herbstverbrauch, Kerbelrüben, Kohlarten zur Herbstpflanzung, auch noch Salat, man pflanzt noch Kohlrabi, man pflanzt Grünkohl, man nimmt die Frühkartoffeln heraus und bewahrt sie an einem trockenen Ort auf, damit sie nicht von neuem treiben.

Das Okulieren der Rosen nimmt seinen Fortgang. Bei Rosen, die auf treibendes Auge veredelt sind, muß alles Wilde entfernt werden. Rosenwildlinge, die man auf schlafendes Auge veredelt hat, sind dagegen nur mäßig zu entspitzen. Das Edelauge soll ja nicht austreiben.

Die Veredelung von Apfel- und Birnwildlingen bildet eine Hauptarbeit. Dort, wo die Wildlinge nicht lösen wollen, ist tüchtig zu gießen.

Stiefmütterchen, Vergißmeinnicht, Veilchen, Akelei, Glockenblume, Karthäusernelke, orientalischer Mohn, Christ­rose, Rittersporn und viele andere Sachen werden ausgesät. Die Aussaat darf nicht direkt ins Freie geschehen. Man benutzt dazu kleine Handkästen, 60 bis 80 Ctm. lang, 20 bis 30 Ctm. breit und 12 bis 15 Ctm. hoch!, und füllt diese mit leichter, sandiger Erde. Für die besäten Kästen ist ein schattiger Standort und regelmäßige Feuchtigkeit notwendig.

Buchsbaum, Nadelhölzer, japanische Quitte, Lorbeer und Ilex sowie andere immergrüne Pflanzen sind zu beschnei­den. Das Teilen, Vermehren und Verpflanzen vieler Stau­den beginnt. Von Sträuchern, wie Deutzien, Weigelien, Pfeifenstrauch, Heckenkirsche, Erbsenbaum, macht man krautige Stecklinge, die im Mistbeetkasten halbschattig ge­steckt, bei regelmäßiger milder Feuchtigkeit schnell und gut Wurzeln machen.

Auch von vielen Zimmerpflanzen, wie Fuchsien, Pe­largonien, Myrten und Gummibäumen, werden noch Steck­linge gemacht. Zum letzentmal in diesem Jahre verpflannzt man die krautigen Zimmerpflanzen, die Fuchsien, Pelar­gonien und dergleichen. Nur Chrysanthemum machen eine Ausnahme, weil sie sich gerade bis zum Herbst noch! außer­ordentlich entwickeln sollen.

Von Teppichbeetpflanzen, Begonien, Alternantheren, Eresinen rc., sind neue Pflanzen heranzuziehen, um zur Ueberwinterung passende Pflanzen zu haben. Tazetten- und

Lilienbeete, die nicht blühen wollen, werden umgelegt, so giebt es überall zu thun. Im August arbeiten wir nicht allein für unsere diesjährige Ernte und unseren dies­jährigen Blumenschmuck, wir sorgen schon vielfach für das kommende Jahr. Das ist ein Grund mehr, die Arbeiten interessant zu gestalten.

I. C. Schmidt, Erfurt.

Abhärtung.

(Nachdruck verboten.)

In seinenJugenderinnerungen", in welchen sich mehrfach wertvolle hygienische Notizen eingeflochten finden, kommt der bekannte Kliniker Professor Kußmaul auch auf die so viel erörterte Frage der Abhärtung zu sprechen. Er empfiehlt zu diesem Zwecke jahrelang fortgesetztes tägliches Eintauchen der Füße in kaltes Wasser und Abwaschen der Beine mit dem Schwamm bis zu den Knien hinauf, mit rasch nachfolgendem Wiedererwärmen im Bett kurz vor dem Aufstehen. Dieses einfache Verfahren, wie es Kuß­maul beschreibt und wie es ihm selbst den größten Nutzen gebracht hat, läßt sich zu jeder Jahreszeit leicht aus­führen und verlangt keine großen Vorkehrungen. Jedes zur Ausnahme beider Füße hinreichend große, tiefe und starke Wasserbecken eignet sich dazu. Am besten wird das Becken schon am Abend vorher mit Wasser so hoch gefüllt, daß die Füße darin bis über die Knöchel eintauchen, und an das Bett gestellt; daneben Trockentücher. Befolgt man gewisse Vorsichtsmaßregeln, so lernt die verzärtelte Haut das kalte Wasser ertragen. Man darf nur nichl gleich mit zu niedrigen Temperaturen beginnen; man fängt, je nach der Reaktion, mit 20, 22 und 24 Grad R. an und geht dann allmählich im Laufe von Wochen auf 16 Grad R., nur ausnahmsweise tiefer, herab. Unter allen Umständen muß man dem kurzen, nur wenige Sekunden währenden Fußbade ein rasches Erwärmen der Beine folgen lassen. Dies geschieht in wenigen Minuten, wenn man sie nach flüchtigem Abtrocknen in das warme Bett zurückbringt; ein Abreiben ist unnötig; je rascher sie in das Bett zurück­gebracht werden, desto besser wird das Fußbad ertragen; nur bei zu niedrigen Temperaturen kann es länger als zehn Minuten dauern, bis sie gut warm werden. Ge­schwächte und alte Personen sollen zu niedere Tempe­raturen meiden und bei 16 bis 20 Grad R. bleiben.; Zur Abhärtung der Haut des ganzen Körpers empfiehlt Kußmaul für empfindliche Personen das folgende Ver­fahren: Man nimmt zuerst das Abwaschen des Körpers bis herab zu den Knien vor, am besten stehend oder knieend über das Wasserbecken gebeugt, und läßt das Wasser aus dem Schwamm namentlich über Nacken und Hals kräftig strömen, dann trocknet man sich rasch ab, hüllt den Leib ein, setzt sich auf den Bettrand und taucht jetzt die Füße in das Becken, das am Bett steht, wäscht die Beine bis zu den Knieen herauf, trocknet sie flüchtig und zieht sie zuletzt unter die warme Bettdecke zurück. Waschung und Fußbad beanspruchen wenige Minuten, in zehn bis weiteren fünfzehn Minuten längstens wird der ganze Körper im Bett warm. Man steht dann sofort auf. Knßmaul schließt diese Ratschläge mit den Worten:Wohl denen, die solcher vor­sichtiger Methoden der Abhärtung nicht bedürfen, und schon in der Kindheit daran gewöhnt wurden, morgens gleich, beim Aufstehen ein flüchtiges kaltes Wannenbad, eine kälte Brause oder eine Abwaschung des ganzen Körpers im kalten Sitzbad zu gebrauchen."

Aennchen von Tharau.

Das innige VolksliedAennchen von Tharau" ist eines der wenigen Volkslieder, deren Verfasser man kennt. Es ist bekanntlich von Simon Dach, welcher zu Memel am 29. Juli 1605 geboren war, und am 15. April 1659 zu Königsberg als Professor der Poesie starb. Vor einigen Jahren brachte dieIllustrierte Welt" genaue Mitteilungen über die Entstehung des Liedes, und das historische Aenn­chen von Tharau, die wohl verdienen, der Vergessenheit entrissen zu werdeu.

Das Sieb' findet sich zuerst in einem Separatabdruck vom Jahre 1644 unter der UeberschriftTrewe Lieb ist jederzeit zu gehorsamen bereit" mit einer beigefügten