Ausgabe 
4.7.1901
 
Einzelbild herunterladen

Von dem großen Packhause wurden Salzfässer und Ballen heraus- und hereingeschleppt. Tie Tonnen hoben sich dunkel ab gegen den sandigen Grund, über welchen die weißen Gänseblumen und grünen Gräser ihren bunten Teppich woben. Dazwischen lagen große FelsMcke, um welche die wilden Rosen und Himbeersträucher ihr üppiges Ge­flecht rankten. Und über das Ganze wölbte sich! ein sommer­licher Himmel mit leichtem, grauem Gewölk, durch welches das schimmernde Blau wie von feinem Flor überzogen hervorblickte.

Eine hübsche Einöde", sagte der Pastor mit gut- mütigem Spott, ehe er sich anschickte, behutsam die steile Brücke hinaufzuklettern.

Gestatten Hochwürden!" Eine braune, kräftige Hand streckte sich dem alten Herrn entgegen, gerade über mir sah ich die markigen Züge und die klaren Augen Sigurds.

(Fortsetzung folgt.)

Unser Garten im Juli.

(Nachdruck verboten.)

Aus den in Nr. 13 und 14 desErfurter Führers im Gartenbau" veröffentlichten Ernteberichten geht hervor, daß unsere Obsternte, insonderheit die Apfel- und Birnenernte, nicht ganz so günstig ausfallen wird wie im vergangenen Jahre. Tie Berichte zeigen aber, daß wir mit unserer Ernte noch zufrieden sein können, und sicher werden da und dort Obstbaumbesitzer gezwungen sein, die schwer be­ladenen A'este zu stützen, damit sie nicht brechen. Dem Stützen vorausgehen soll in solchen Fällen ein Ausdünnen der Früchte, damit wir marktfähiges Obst bekommen und nicht Obst vierter Güte. Auf die Güte des Obstes hak auch die Düngung der Bäume jetzt einen erheblichen Einfluß; denn diese Düngung, die in flüssiger Weise durchgeführt werdeu muß, kommt wesentlich den Früchten zu gute. Ter Formobstzüchter wird außerdem die Güte und Schön­heit seiner Früchte noch erhöhen, indem er sie in den Sac de Franee einhüllt; denn dieser wirkt veredelnd auf die Farbe sowohl, als auch auf den Geschmack derselben.

Abgefallene Früchte sind überall anfzulesen und zu vernichten, damit wir die Ursache des Madigwerdens ver­mindern. Madige Früchte an Formbäumen, die noch fest­sitzen, kann man durch Einspritzen von etwas Spiritus in die Madenlöcher vielleicht noch retten. Den Weinstock bestäubt man mit gemahlener Schwefelblüte gegen den echten Mehltau, man bespritzt ihn mit Kupferkalkbrühe gegen den falschen Mehltau. Der Sommerschnitt wird im Juli am Weinstock und am Obstbaum dringend gefördert. Wir müssen mit ihm fertig werden, da späterer Schnitt sehr häufig ungünstige Wirkungen hat.

Tas Abbrennen der in diesem Sommer massenhaft auf­tretenden Birnengespinstmotte ist dringend durchzuführen; auch ist der Fang des anderen Ungeziefers bei den Obst-' bäumen durch das Anbringen von Jnsektenfanggürteln in die Wege zu leiten.

Im Gemüsegarten werden Winter-Endivien ausgesät, krause von Meaux, vollherzige Grüne und die gelbe Es- cariol. Man sät zuerst die krausblätterigen Endivien, da sie sich nicht so gut halten und deshalb am schnellsten verbraucht werden müssen. Von Herbstrüben werden gesät: lange weiße, rotköpfige für die Küche und die grün-l köpfigen Sorten zu Futterzwecken. Man sät Winterrettich, runden und langen schwarzen sowie weißen Münchener Bierrettich. Von Spinat bewähren sich zur jetzigen Aus-; saat rundblätteriger mit rundem Korn und langblätteriger mit scharfem Korn am besten. Man beginnt mit der letzten Aussaat von Staudenbohnen und nimmt dazu, weil die Ernte schon in die kalten Tage hinein kommt, widerstands­fähige Sorten, zartfleischige Brech, sowie rote Flageolet sind solche. Auch von den Erbsen macht man die letzte Aussaat und verivendet dazu Kneifelerbse Frühe Mai. St'a=. rotten zum Herbstgebrauch wären ebenfalls auszusäeu, und von Rapünzchen ist die erste Aussaat zu machen. Wo Steck­zwiebeln und Knoblauch gelbe Blätter haben und abge­storben sind, nimmt man sie heraus. Das Laub von ge­säten Zwiebeln wird erst dann umgebogen und niederge­drückt, wenn die Zwiebeln sich bereits gut ausgebildet haben, aber niemals früher. Wo man mit madigen Zwie­beln zu thun hat, da ist das Land zur Zwiebelkultur

379

schlecht ausgewählt. Es beginnt das Bleichen der Bleich­sellerie, das Pflanzen des Winterkohls und Rosenkohls, das Düngen der Gurken mit Dungwasser. Das Entranken der Erdbeeren ist fertigzustellen und vor allem darauf zu achten, daß ibliß Raupen heim Kohl nicht das Ueber- gewicht bekommen und die Kohlernte in^Frage stellen.

Tie Tomaten erhalten den richtigen Schnitt, die Würz- kräuter Beisuß, Wermut, Mop, Salbei, Thymian,' Majoran und Bohnenkraut sind in voller Blüte abzuschneiden und zum Trocknen in eine Helle Kammer aufzuhängen, niemals aber in die Sonne, weil die Sonne die Gewürzöle heraus­ziehen würde.

Ter 24. Juni gilt als Scbluß des Spargelstechens bei jedem gewiegten Spargelzüchter. Mit diesem Zeitpunkt be­ginnt eine energische Düngung der Spargelbeete durch Jauche oder durch künstliche Düngung, ganz besonders durch Chilisalpeter. Auch die jungen Spargelanlagen, die noch nicht gestochen werden, sind für solche Behandlung im Sommer überaus dankbar.

Im Rosengarten fangen wir an zu okulieren. Wo die Stämme noch nicht lösen, wird durch Anplatten veredelt. Rosenstecklinge sind zu machen. Stecklinge von Fuchsien, von Pelargonien, von Verbenen, von Alternantheren und Gnaphalien und wie sie alle heißen mögen, wachsen im Juli gesteckt vorzüglich. Man kann sogar die Pelargonien­stecklinge auf die durch das Spargellaub überdeckten Beete stecken.

Von Blumen werden ausgesät Myosotis, Stiefmütter­chen, Silenen, Topfprimeln, Alpenveilchen, Reseda. Das Jäten der Wege und Beete bildet eine dauernde Arbeit. Besonders lästig ist das Reiuhalten der Wege. Um die Wege dauernd oder doch fakt ganz unkrautfrei zu halten, giebt es ein Mittel, welches wir demnächst veröffentlichen werden. I. C. Schmidt, Erfurt.

Grohvater-Uhrm.

(Nachdruck verboten.)

Tie alte Stadt Gloucester in der englischen Grafschaft gleichen Namens war früher Mittelpunkt der englischen Uhrenindustrie, hat aber in neuer Zeit in dieser Hinsicht jede Bedeutung verloren. Es ist eine alte Beobachtung, daß die Industrien wandern und ihr Heim wechseln, an einem Orte niedergehen und an einem anderen neu emporblühen, je nachdem es äußere Umstände, die sehr mannigfacher Art sein können, bedingen.

Berühmte Uhrmacher in Gloueester ivaren Washbourn, Peytou, Thackwell, Miles, Higgins und Weight; man findet ihre Namen noch auf alten englischen Standuhren, welche man treffend alsGroßvater-Ühren" zu bezeichnen pflegt. Henry Weight fertigte auch mehr als hundert. Uhren für Kirchen und öffentliche Gebäude, und man erzählte sich, daß er das Glockengeläute der St. Nikolas-Kirche in Glou­eester nach Vollendung des für diesen Zweck komponierten Tonstückes, eines Werkes des Hilssorganisten der Kathedrale, binnen 40 Minuten zusammengesetzt habe.

Auch die Finemores in Birmingham, eine Uhrmacher­familie, .welche die Herstellung künstlich bemalter Ziffer­blätter als Spezialität betrieb, stammte aus der Grafschaft Gloucester. Diese Zifferblätter werden noch jetzt als Kunst­werke geschätzt, und man bezahlte dieselben in den letzten Jahren mit 300 Mark, auch wenn dieselben Darstellungen vielfach wiederkehrten. Es wurden, je nach dem Preise, welcher erzielt werden sollte, Zifferblätter mit einfacher und reicherer Malerei hergestellt, und es scheint, daß sich diese Arbeiten der Finemores einer außerordentlichen Beliebt­heit und Verbreitung erfreut haben.

Eins der einfachsten aber sehr begehrten Muster zeigte Blumen nnd einen fliegenden Vogel auf bläulich-weißem Grunde. Ein anderes Zifferblatt trug einen Adler und war mit dem MottoTempus fugit" versehen, wieder ein anderes zeigte Merkur auf einer Halbkugel. Ein kostbares quadratisches Zifferblatt enthielt auf den vier Ecken Tar- ftetlungen der Jahreszeiten; der Frühling war durch, einen Hirten oder eine Hirtin vertreten, der Sommer durch eine Darstellung der Heuernte, der Herbst durch die Schafschur oder durch ein Sportbildchen, der Winter durch einen holzbe- ladenen Knecht, der seine Last durch den Schneesturm einer in der Ferne sichtbaren Hätte zuträgt. Ein anderes Meister-