Ausgabe 
4.4.1901
 
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, Hetzt hielt sich Johannes mäuschenstill, nicht eirnnc^ »en Bnck wagte er vom Boden zu erheben.

Hundertfünfzigtausend", klang wieder Polentz' un- barmherzige Stimme.Es steht ja bei Ihnen, wiv zwingen Sie ja nicht."

Wieder Stille. Dann erhob sich der Händler plötzlich und streckte Polentz mit einem verbindlichen Lächeln, als habe ihm dieser die größte Gefälligkeit erwiesen, die Hand entgegen.Also abgemacht, hundertfünfzigtausend

Johannes traute seinen Augen nicht, dann ergriff er selbst die über den Tisch gereichte Hand des Händlers.

Danken Sw dem Herrn da, Sie hätten keinen besseren Anwalt finden können. Mit Ihnen wäre es mir etwas lerchter geworden", meinte der Händler.

Der Vertrag wurde von beiden Parteien unterzeichnet. Tann empfahl sich der Händler schleunigst. Er konnte semen Verdruß über den Ausgang des Geschäftis doch mcht verbergen. Mit einem nicht sehr freundschaftlichen Lächeln empfahl er sich bei Herrn Polentz.

Ich werde nicht verfehlen, bei gegebener Gelegenheit mich zu revanchieren", meinte er. Vater und Sohn würdigte er kaum mehr eines kurzen Grußes.

Kaum war er fort, änderte sich die Szene. Polentz hupfte, die Hände in den Hosentaschen, wie ein Verrückter in der Stube umher, schlug sich auf die Schenkel, lachte hell auf, und Matthes fiel ihm um den Hals, und tanzte fetzen^EE fühlte sich völlig ermattet. ^Er mußte sich ^,,."Nun, lästern Sie noch auf die Nonnen?" begann plötzlich Polentz, vor ihm stehend bleibend.Da kann man wirklich sagen, das Glück-kam Ihnen über Nacht in das Haus geflogen. Wissen Sie denn auch, was das heißt, hundertfünfzigtausend Mark? Das sind siebentausend

jährliche Zinsen, wenn man die Hände in den Schoß legt dabei, zehn- bis zwanzigtausend, wenn man sie nicht rn den Schoß legt, sondern .das Geld gehörig arbeiten laßt. Wenn Sie meinen Rat befolgen, thun Sie das. Ich dächte, Sie hätten ein Pröbchen davon erlebt was mein Rat wert ist."

Den Bauern verwirrte diese finanzielle Erllärung Mmer mehr. Er verdiente trotz all seines konservativen Bauernsinnes doch auch gerne ein Stück Geld. Aber wenn er daran dachte, was ihm der ganze Wald bis jetzt ein­getragen, so war die Summe einfach lächerliche gering gegen die, welche dieser Mann eben nannte.

Matthes verdroß das Benehmen des Vaters. Am Ende war er selbst doch der Veranlasser des glänzenden Handels, ohne ihn wäre Herr Polentz nie in das Haus gekommen. Außerdem war jetzt endlich das letzte Hindernis seiner Verbindung mit Wanda gefallen, von welcher der Vater den ganzen Winter kein Wort gesprochen, als sei die Verlobung damals nicht ernst zu nehmen gewesen. Jetzt war die beste Zeit, alles auf einmal zu ordnen

Aber Du brauchst lang, bis Di z'recht find'st, Vater", begann Matthes.I mein do, auf das, was sich qrad begeb n hat, gab's kein Zweif'l mehr, wer's am besten meint mit Dir. Oder soll'n wir am End mit dem narret'n Gew da weiter wirtschaft'n? Das kann do Dein Ernst Net sein." 1

U auch sein Ernst nicht, ist viel zu klug dazu, der Herr Vater", memte Polentz geschmeidig.

Der Bauer brauste diesmal nicht auf. Diese zwei Männer, die jetzt Schulter an Schulter ihm gegenüber standen, schreckten ihn. Er fühlte eine verzweifelte Ohn­macht, seinen starren Willen schmählich gebrochen.

Ja, was soll denn eigentli g'scheh'n? Wia wia denkt ihr euch denn das?" fragte er in einem mitleid- erregenden Tone, der Matthes gegenüber schlecht anae. bracht war. 0

No, das is do sehr einfach", erwiderte dieser barsch Wenn t a den ganz'n Wint'r nix g'red't hab' davon -- aber jetzt, natürli heirat'n thua i halt. Auf was folln wir no wart'»?"

Ja so, heirat'n" Johannes schien völlig verwirrt Und das bedingt doch baß Matches in die Stadt

zieht", BMuztL Wllwtz in einer ausfallend sriergifchsn Werse.

Und was soll er da in der Stadt, der Matthes?" fragte Johannes wieder, die Hand aus die Brust drückend, als schmerze ihn da drinnen etwas.

Arbeiten soll er in der Stadt", erklärte Polentz. Zehnmal mehr, als er hier je arbeiten kann. Zu was brrngen soll er es in der Stadt."

Zu was bringen", wiederholte Johannes gebrochen.

Ja ja Und t i bleib auf dem Hof."

Unsinn! Sie gehen mit! Das ist doch selbstverständ­lich. Was sollen Sie denn noch auf dem Hof, wenn der Wald weg isst? Sie und Ihre Frau o, ich habe auch für Sie Arbeit, Sie sollen nicht feiern. Verlassen Sie sich darauf."

Und der Hof? Was soll denn nachher mit dem Hof werden?" Johannes warf einen ängstlichen, fast bittenden Blick auf den Sohn, welcher ungeduldig im Zimmer auf und ab ging, oder an den Fensterscheiben trommelte.

(Fortsetzung folgt.)

Henrik Scharlings Erzählungen, Volksausgabe.

Zur Neujahrszeit im Pastorat zu Nöddebo. Erzählung von Nicolai (Henrik Scharling). Deutsche Volksausgabe. Vom Verfasser autorisierte Uebersetzung aus dem Dänischen von P. I. Willatzen. Preis geh. Mk. 1.50, geb. Mk. 2. 1901.

Meine Frau und ich Erzählung von Nicolai (Henrik Scharling). Deutsche Volksausgabe. Vom Verfasser autorisierte Uebersetzung aus dem Dänischen von P. I. Willatzen. Preis geh. Mk. 1.50, geb. Wk. 2.

Verlag M. Heinsius Nachfolger, Leipzig.

Als frischgebackener Sekundaner weidete ich mich zum erstenmal an den trefflichen Schilderungen Nicolais, als angehender Hausvater las ich sie mit mehrerem Gewinn zum zweiten Male, und nun ich selbst schon einen wohl­bestandenen Abiturienten aufzuweisen habe, vertiefe ich mich mit ungeschmälerter Freude in die jetzt zu wohlfeilem Preise als Volksausgabe vorliegenden Bände.

Ter urwüchsige, schalkhafte, überaus feine Humor des 1 Verfassers schaut aller Enden aus den von Willatzen meister­haft ins Deutsche übertragenen Erzählungen hervor, und eine Fülle kerniger Lebensweisheit ist zwischen den Zeilen zu finden.

Daß die Volksausgabe ein Bedürfnis war, beweisen die Auflageziffern.Meine Frau und ich" ist in 6000 Exem­plaren,Zur Neujahrszeit" in 10000 Exemplaren bisher verbreitet.

Wir würden es mit Freude begrüßen, wenn unser Hinweis dazu beitragen würde, der bi­derben Muse Scharlings recht viele neue Freunde zuzusühren. Bdt.

Diamanträtsel.

Nachdruck verboten.

In die Felder neben­stehender Figur sind die Buch­staben^ 3 A, 7 E, 3 F, 2 I, 2 L, 2 N, 3 0, 3 E, 7 8 und 9 T derart einzutragcn, daß die mittelste wagerechte und senkrechte Reih« gleichlautend ist und die wagerechten Reihen Folgendes bedeuten: 1. Aus- ruf; 2. Teil des Baumes; 3. Blume; 4. Kleidungsstück; 5. Christliches Fest; 6. Geistes- cigenschaft; 7. Himmelskörper; 8. Himmelsrichtung; 9. Römi­sches Zahlzeichen.

Auflösung in nächster Rümmer.

Auflösung des Merkrätsels in voriger Nummer:

Gründonnerstag.

Rrttftian; Z. Bvrkhar»«. * Nr«« «nd »erles der «rühl'schrn Uui»erfität»-»«ch. und «NtonMtaei (Pietsch «rdeiy i»«irtz«.