Ausgabe 
3.12.1901
 
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Nachbar mit einem Bollgeschoß aus seiner Exprcßbüchse 450, Welche die Bärin an der rechten Schulter streifte, empfangen. Rasend stürzte die Bärin auf ihren Angreifer, der noch, da er einen zweiten Schuß nicht mehr abgeben könnte, Geistesgegenwart genug behielt, den Kolben der wüteirden Bestie so tief als möglich in den Rachen zu stoßen, zwischen dessen Gebiß das zähe und harte Holz krachte wie Splitter- teig. Der unglückliche Schütze ließ unbegreiflicherweise den Lauf nicht los und wurde so Wohl 20 Schritt von der Bärin über das freie Feld geschleift, ehe ein Schuß durchs Herz sie streckte, was natürlich ebenfalls nicht ohne Lebensgefahr für den Geschleiften abging. Die verwaisten Jungen wur­den, an derr Pranken gebunden, in Säcke gesteckt und nach Wien spediert, wo sie dem Bestände des kaiserlichen Tier­gartens in Schönbrunn einverleibt wurden.

Oft gelingt es der flüchtenden Bärin, eines oder mehrere der Jungen abzufangen, was eine willkommene Gelegen­heit ist, auch die Mutter zu erlegen, da sie dann nie weit flüchtet und, getrieben vom Gefühle der Mutterliebe, zu dem Ort zurückkehrt, wo sie die Jungen verloren hat. Baut man dort auf einem geeigneten Baume einen Hochstand, so wird sie mit größter Wahrscheinlichkeit noch am selben Tage erscheinen und Gelegenheit zu einem glücklichen Schuß bieten, besonders, wenn man ein Junges im Sack gefesselt mitnimmt, deren verzweifelte Laute ein unwiderstehliches Anlockungsmittel für die Mutterliebe ist.

Allerdings darf man es dann nicht so ungeschickt machen, wie ein tatarischer Jäger bei Wladikawkas. Bei einer Treib­jagd waren dort von uns zwei Bärenjunge gefangen worden, während die Alte unverletzt mit einem dritten entkam. Zwingender Umstände halber mußte die Jagd um Mittag herum von uns abgebrochen werden, worauf der Tatar beschloß, in der eben genannten Weise die Alte zu erlegen. Stunden waren vergangen, bis am Spätnachmittag die be­sorgte Mutter erschien. Zum Unglück entfiel dem nachlässigen Burschen, der vielleicht momentan mehr an seine Milicza dachte, das Gewehr just in dem Augenblick als die Bärin auf dem Plan erschien. Der Jäger war nun der Gefangene und mußte sich endlich, da die 9ttte. Ernst machte, den; Baum zu ersteigen, wohl oder übel dazu bequemen, den Sack, in dem die Jungen gefangen waren, zu öffnen und die letzteren den Stamm herabkollern zu lassen, worauf die wieder vereinte Familie schleunigst verschwand.

In Rußland, wo der Bär meistens vom November bis April gejagt wird, ist die Ehre und das Vergnügen, einen Bären zu erlegen, für jeden, dessen Hand nicht in Angst! im kritischen Momente erzittert, nur eine Geldfrage. Bauern und Jäger haben sein Winterlager meistens schon Wochen vorher ausgekundschaftet, ehe der Herrenjäger kommt. Wenn ihm dann über die weite Schneefläche zu Leibe gerückt wird, macht es manchmal sogar nicht geringe Mühe, ihn hochzu­machen; denn das lange Fasten hat ihn heruntergebracht und seinen Mut vermindert,'so daß er scheu durchzubrechen versucht. Wenn er aber von der Kugel auch nur gestreift wird, ist er freilich auch dann noch- ein furchtbarer Gegner. Wehe dem unglücklichen Jäger, der ihn nur weidwund geschossen hat, und über den er mit erschütterndem Gebrüll herstürzt. Es ist dann weniger das respektable Gebiß als die krallenbewehrten schweren Pranken, mit denen er seinem Opfer das Fleisch von den Knochen herunterstreift oder in wuchtigem Schlage die Glieder bricht. Auf diese fürchter­liche Weise mußte ich im Jahre 1883 einen meiner besten Jagdfreunde auf einer Winterjagd bei Wjerchturje, einem kleinen Städtchen am östlichen Abhang des Urals, nördlich der Bahnlinie Perm-Jekaterinenburg, rettungslos zu Grunde gehen .sehen, welchem eine aus dem Winterlager hoch­gemachte Bärin nach einem Fehlschuß mit einem einzigen Tatzenhiebe das Rückgrat brach, während sie einem unvor­sichtig herbeieilenden Treiber regelrecht die Schädelhaut abriß.

Bärinnen, besonders mit Jungen, sind immer viel ge­fährlicher, da sie sich meist rücksichtslos auf den Jäger stürzen, auch ohne verwundet zu sein. Im Grunde genommen ist aber der Bär für den Menschen nie ein raubgieriger Angreifer, was vielleicht zum Teil seinem schlechten Gehör und Gesicht oder seiner Bequemlichkeit, wenn er gut bei Fett ist, zugeschrieben werden kann, gewiß aber auch ebenso sehr in seinem Temperament im allgemeinen liegt. Auch die Erzählung, daß der Bär den sich scheintot stellenden Jäger

nach einigem Hin- und Herwenden mit den freilich! auch dann noch übel zurichteudeu Pranken losläßt, ist kein Märchen, sondern buchstäbliche Wahrheit. Ein Verlaß darauf ist freilich nicht; denn manchmal fällt die Untersuchung durch Meister Petz so gründlich aus, daß der Jäger wochen­lang über die Prankenhiebe und die stürmische Umarmung ans seinem Schmerzenslager nachdenken kann.

Kunstgewerbe für's Hans.

Das November-Heit der beliebten ZeitschriftKunst- gewerbe für's Haus", herausgegeben von C. von Sivers, Verlag von Otto Lienekampf, Berlin W. 35, Lützowstraße 9, ist durch seinen reichhaltigen Inhalt recht dazu angethan, für das. kommende Weihnachtsfest allen ausübenden Liebhabern willkommene Anregung zu geschmackvollen, gefälligen Arbeiten zu geben. Um von dem vielen Gebotenen Einiges hervorzuheben, fei ein ganz be­sonders, hübscher Schreibtisch mit Holzbrandverzierungen er­wähnt, ebenfalls ein sehr hübsches/Wandbort, eine ganz eigenartige Ofenbank mit passendem Stuhl, sehr schöne Applikations- und Point-lace-Arbeiten, viele geschmackvolle Vorlagen zur Porzellanmalerei und Anleitung dazu,Etwas! für lange Abende", Muster zu Naturholzarbeiten, eine sehr schöne farbige HolzbrandvorlageSchneebeeren" usw. Auch alle nicht ausübenden Dilettanten finden durch einige Auf­sätze von berufener Feder und durch eine RundschauBer­liner Kunst-Ausstellungen" interessante Lektüre. Die beiden Musterbogen mit den originalgroßen Aufzeichnungen allev Vorlagen find diesmal ganz besonders ergiebig.

GsMsrnzMtzrges.

Ein guter W i n t e r b l ü h e r ist die immerblühende Begouia (Begonia femperflorens), die ja genügend bekannt ist. Ihres ununterbrochenen Blütenretchtums willen wird sie im Sommer zum Schmucke der Gartenbeete verwendet.. Wenn auch die Blumen klein sind, so macht doch die unerschöpfliche Fülle derselben, und die gefällige Form der ganzen Pflanze Eindruck. Deshalb zieht man sie auch in Töpfen, zumal sie eine sehr dankbare Zimmerpflanze ist, die selbst im Winter willig und andauernd blüht. Sie fühlt sich im warmen Zimmer am Fenster stehend sehr wohl, und bedarf weiter keiner Pflege als der vorsichtigen Gießens. S.

Um die Schwaben zu vertreiben, vermischt man 100 Gramm Borax mit 150 Gr. gestoßenem Zucker und 150 Gr. Hafermehl. Diese Mischung streut man in alle Ritzen und Spalten des Herdes, der Mauer, Wänden, über­haupt in alle verborgenen Winkel der Küche. Man kann auch zwei Liter geschabte Kartoffeln kochen und zerstoßen, indem inan sie mit frischer Milch verdünnt, um einen hellen Brei herzustellen. Man mischt einen Löffel voll Weizen und Kornmehl und für 2025 Pfg. Borax bei und rührt das Ganze gut durcheinander. Man wendet dieses Mittel, wie oben erwähnt, an, rind zwar zwei bis drei Abende hintereinander, und die Schwaben werden sicher verschwun­den sein.

vPraktischer Wegweiser", Würzburg.

Telegraphenrätsel.

Nachdruck verboten.

Die Striche und Punkte entsprechen den einzelnen Buchstaben der nachstehend in anderer Reihenfolge aufgefiihrtcn Wörter. Diese Wörter sind so zu ordnen, daß die auf die Punkte fallenden Buchstaben im Zu­sammenhang gelesen einen Sinnspruch ergeben.

Bank, Grobian, Leier, Meissen, Nelke, Rinde, Saft, Schein, Stern, Tenne, Thal, Wunsch.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung der Schachaufgabe in vor. Nr.: (Dreizüger von Dr. E. Palkoska.)

W. Kal, Tc6, h6, Le7, h5, Bbö, c2, e6, f8.

Schw. Kd5, Se2, Lc4, Ba5, e3, ei, g3.

1. Lh5-g6, Kc6:; 2. 12. 1 Ke5; 2. Th5 +. - 1 S£4; 2. Le4: +. - 1 Kd4; 2. Lf6 +. 1 beliebig; 2. Th5 +.

Redaktioni E. Burkhar dt. Rotationsdruck und Bcrlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.