Ausgabe 
3.11.1901
 
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Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Logogriphscherze in vor. Nr.: 1. Graf, Gram, grau, Grab. 2. Geste, Gaste, Guste. 3. Main, Mato, Mais. 4. Stern, Stein. 5. Stumme, Stamme, Stimme.

iün am 4. Oktober 1859 von den schweren Brustkrämpfen erlöste die seine letzten Lebenstage leidensvoll gestalteten, ibn aber doch nicht daran hindern konnten, mtt voller Umsicht seine letztwilligen Verfügungen zu treffen und die Fortführung der Reisehandbücher in fernem Smne nach seinem Ableben sicher zu stellen.

Baedekers Hauptverdienst ist es, daß er den wertaus größten Teil des von ihm verwerteten Materrals auf eigenen Reisen sammelte, die er weder zum eigenen Ver­gnügen noch aus angeborenem Wandertriebe, sondern lediglich im Interesse der Sache selbst alljährlich im Sommer unternahm. Unermüdlich bereiste der kleme, brert- schulterige, wohlbeleibte Mann ganz Mitteleuropa, um eine Bücher stets auf der Höhe der Zeit zu erhalten. Was er in der schönen Jahreszeit in tausend Notizen ge­sammelt, und aus zahllosen Zuschriften des Reisepublikums zusammengetragen, das an seinen Publikationen naturltch auf das lebhafteste als Mitarbeiter thätig war, das alles wurde dann im Winter in unermüdlicher Arbeit für die Neuauflagen verwendet, in denen, wie bekannt, nicht nur die Sehenswürdigkeiten samt dem bequemsten und kür­zesten Wege, sie zu besuchen, sondern auch die Gasthauser und Restaurationen mit der Qualität ihrer Leistungen, ihren Preisen und sogar den in ihnen üblichen Trmk- geldern Aufnahme fanden.

Es ist kein Wunder, daß er unter diesen Umstanoen gar bald der Gegenstand der Sagenbildung wurde. Wiederholt wollte man ihn an verschiedenen, weit von einander entfernten Orten gesehen haben. Gar mancher Reisende, der entweder eine entfernte Aehnltchkett mit ihm besaß oder die Kühnheit hatte, sich mit einem falschen Stamm in das Fremdenbuch des Hotels einzutragen, zog aus dem Baedekers Namen umgebenden Nimbus Vorteile, indem sich der unverschämteste Oberkellner sofort in einen schweifwedelnden Pinscher verwandelte, und der .Hotelier, der sonst sein Geschäft als Raubritter nur allzu vortreff­lich verstand, mit Glanzleistungen seiner Küche und seines Kellers ' gegen äußerst müßige Bezahlung aufwartete.

Inzwischen wandelte der echte Baedeker in unauf­fälligem Touristenanzuge, den Regenschirm in das oberste Knopfloch seines Rockes eingehängt, eine Reisemütze mtt breitem Schirm auf dem Kopfe, ganz wo anders herum, nicht zum Entzücken der Wirte, unter denen er furchtbare Musterung hielt. Der Stern, welcher noch heute neben denjenigen Hoteladressen bcigedruckt ist, welche dem Reisen­den" als ganz besonders empfehlenswert bezeichnet werden kömren, galt als eine Auszeichnung von so hohem Werte, daß wiederholt Wirte, welchen er diesen aus allerdings sehr triftigen Gründen entzogen hatte, sich an ihn in den kläglichsten Briefen, und unter den heiligsten Be­teuerungen der Besserung wendeten, um der Auszeichnung wieder teilhaftig zu werden, deren Verlust in der That auch oft genug den schwersten Schaden für sie bedeittete. Baedeker blieb jedoch gegen alle diese Bitten ebenso un­beugsam, wie gegen die zahllosen Bestechungsversuche in Gestalt von Geld, Weinsendungen, Zigarren und Delika­tessen, mit welchen sich der eine oder andere Wirt in seine Gunst einschleichen zu können glaubte.

Bezeichnend für seinen makellosen Charakter sind die Begleitumstände einer von ihm errichteten Stiftung. Seine eigenen, zahlreichen, militärischen Hebungen und die seiner Söhne hatten ihm auch einen Einblick in das Elend ge­stattet, in welchem so mancher Landwehrmann, seine Fa­milie inzwischen zurückließ. Er zeigte daher eines Tages dem Kriegsministerium an, daß er eine Stiftung errichtet habe, aus deren Erträgen die Familien armer Landwehr­leute während der Uebung unterstützt werden, sollten. Hinterber kam ihm der Gedanke, daß man ihn dasür vielleicht von oben mit einem Orden oder einer Titel­verleihung bedenken förtite. Er setzte sich deswegen als­bald zu einem zweiten Briefe hin, in welchem er vorweg jede Ehrung für feinen Wohlthätigkeitsakt ablehnte, und sogar mtt Zurückziehung desselben drohte, wenn man etwa wirllich eine Dekorationserteilung beabsichtige.

Die nüchterne, telegraphisch kurze Schreibweise seiner Reisehandbücher machen diese nicht zu einer Lektüre, aus der man sich im Lehnstuhl am warmen Ofen ein farben­prächtiges Bild einer Gegend aufbauen kann; das ist aber auch nicht der Zweck derselben, obwohl sie an An­

Rednklion: E. Burkhardt. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schcn Universitäts-Buch- und Steindruckerci (Pietsch Erben) in Gießen.

schaulichkeit das erdenllichste leisten, und hier und da wie in BaedekersRheinlanden" sogar ent poetischer Schwung ihnen eignet. In ihrer ganzen Art und Weise sind sie aber vorbildlich geworden für alle späteren, großen Werke dieser Richtung, und sie erheben sich turmhoch über jene zahlreichen Reisebücher, die von provinziellem Lokal­patriotismus angefüllt sind, in welchen der Reisende aber nicht das findet, was er gerade am allerwichtigsten braucht, nämlich zuverlässige thatsächliche Angaben, während das Unkraut der schönen Redensarten den Weizen der prak­tischen Sachlichkeit überwuchert.

Schöpfungen der Jngenieurtechnik der Neuzeit.

Von Bauinspektor Curt Merckel. Mit zahlreichen Abi bildungen. Geh. Mark 1, geschmackvoll geb. Mark 1.25.

Verlag von B. G- Teubner, Leipzig.

DieSchöpfungen der Jngenieurtechnik der Neuzeit"- dürsen heute auf ein weites Interesse rechnen. Das vor­liegende Bändchen führt in acht Kapiteln unter Einschalt­ung einer größeren Anzahl Abbildungen eine Reihe von Ingenieurbauten aus dem Gebiete des Verkehrs vor, welche unter den zahllosen im neunzehnten Jahrhundert ent-t standenen Leistungen einen hervorragenden Platz einnehmen. In fünf Kapiteln gelangen die Gebirgsbahnen, bte Bergbahnen, die transkaspische und trans­sibirische Eisenbahn, sowie die chinesischen Eisenbahnen zur Besprechung. Die Vorläufer der Gebirgsbahnen, die bedeutenden Gebirgsstraßen der Schweiz und Tirols, die großen in Asien beretts entstandenen oder in der Ausführung begriffenen undi projektierten Eisenbahnverbindungen, welche zweifellos in absehbarer Zeit berufen sein dürften, nicht nur in verkehrlicher, sondern besonders auch in politischer Beziehung eine große, Rolle zu spielen, werden eingehend geschildert. Das siebente Ka­pitel behandelt in kurzen Zügen die modernen Ka­nalbauten mit den bereits zur Ausführung gekommenen Neuerungen oder den im Entwicklungsstadinm befind­lichen Umgestaltungen, wie den elektrischen Schiffszug, bte schiefe Ebene rc. Das Schlußkapitel beschäftigt sich mtt den Hafenbauten und läßt erkennen, welche manntg- faltigm Forderungen die moderne Seeschiffahrt bei der ständig wachsenden Bedeutung derselben an diese An­lagen stellt. , .

Wir wünschen dem Bändchen, das uns ttt trefflicher und ganz gemeinverständlicher Darstellung über die neuesten Schöpfungen der Technik unterrichtet, bei dem billigen Preise und der geschmackvollen, gediegenen Aus­stattung eine recht weite Verbreitung.

GeMernnütziges.

EinMittelgegendas Ausfallender Haars besteht darin, daß man sich die Haare einmal wöchentlich! ganz schneiden läßt, den Kops täglich einmal mtt warmem Wasser und weißer Seife wäscht und denselben mit folgen- I der Lösung tüchtig einreibt: 100 Gramm Kampherspiritus, 25 Gramm Terpentinöl, 5 Gramm Salmiak. P. u.

Praktischer Wegweiser", Wurzburg.

Bilderrätsel.

(Nachbildung verboten).

Fluss