Ausgabe 
3.10.1901
 
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hätte man da nun Schlimmes thun können? Einen Kuß erhaschen? aber es wird in Japan überhaupt nicht geküßt. Tas ist unanständig, und ganz unstatthaft. Ein japani­scher Freund versicherte mich, er hätte sogar seine Frau niemals geküßt! Ich mochte nicht weiter forschen! wenn eine solche Versicherung nun auch nicht unbedingt in sich schließt, daß er überhaupt nicht wisse, was Küssen heißt.

Daß aber immerhin ein solch allabendliches Zusam­mensein dieser jungen Mädchen mit Männern, die aus alle mögliche Weise zu unterhalten, sie angelernt werden, einem moralischen Lebenswandel gewiß nicht zuträglich ist, versteht sich von selbst.

Also ist das Geischa-Wesen nur eine um so raffinier­tere Lasterhaftigkeit! Nun, brauchen wir das deutsche Wort: eine verfeinerte!

Aber es giebt auch eine krassere Form derselben. Das thut uns ein Besuch in derJoschiwara", denFreud en- -seldern", dar, einem ausgedehnten Stadtteile, wo ein sür hiesige Verhältnisse großes, prächtiges Haus sich an das andere reiht, alle ihrer ganzen Länge nach offen, nur durchs ein leichtes Gitterwerk von der Straße abgeschlossen. Und in den Prächtig ausgestatteten, goldstrotzenden Räumen sitzen in langen Reihen, in bunten Gruppen, ansgeputzte Mädchen, das Haar ungewöhnlich hoch, und eigenartig auf­getürmt, und von besonderen dicken, langen Nadeln fest­gehalten: das Abzeichen dessen, was sie sind. Das sind schon keine Geischa niehr. Sie sind es vielleicht einmal gewesen. Und die Männerwelt zieht musternd vorüber und jedes Haus hat seinen Preis.

Der Anblick dieser goldenen Käfige mit den bemit­leidenswerten Häuflein darin ist um so trübseliger, wenn ,totr bedenken, daß dieselben weniger aus eigenem Antrieb hineingeflogen, als in früher Jugend durch die eigenen Eltern hineinverkauft worden sind. Und unbedingter Ge­horsam gegen die Eltern ist Kindespslicht. So lehrt es .Konfucius. Diese Mädchen werden daher mehr bedauert 'als verachtet. Aber eben deshalb, weil der Begriff von Schande weniger vorherrscht, ihr Los in diesem Punkte weniger schrecklich ist, als es nach unseren Begriffen sein ,müßte, weil man die ganze Sache nicht mit unseren Augen ! ansieht, wird es rückwirkend auch wieder den eigentlichen Uebelthätern, den Eltern, nicht in dem Maße, wie wir denken sollten, zur ewigen Schwach und Schande ange­rechnet, wenn sie, in Armut lebend, ihre Kinder opfern. ! Ach, es ist ein wunder Punkt in dem nationalen Leben 'dieses Landes, die barbarische Mißachtung, die schändliche .Unterdrückung des Edelsten und Besten, was das Land ! aufzuweisen hat der Frau!

Hierfür ist auch! die japanische Ehe bezeichnend. Ich meine jetzt nicht diezeitweilige Ehe", die Ehe auf Kün­digung, Verhältnisse, die auch wohl von europäischen Jung­gesellen mit den Töchtern des Landes aus beliebig lange Zeit eingegangen, und unter ihnen auch wohl alsja­panische Ehen" bezeichnet werden. In Anbetracht der ge­ringen Anzahl heiratsfähiger Europäerinnen in Japan, so­wie der bei den Japanern selbst herrschenden laxen Moral in solchen Dingen werden derartige Verhältnisse auch unter den Europäern hier wohl weniger streng beurteilt, als es bei uns geschehen würde. DieseEhefrauen" werden ge­wöhnlich durch erwerbsmäßige Kuppler erlangt, oder den Theehäusern entnommen, wenn nicht gar der Joschiwara, und sollen in den meisten Fällen sich treu und ergeben erweisen; aber es ist natürlich! ein großer Irrtum, zu behaupten, daß Töchter einigermaßen achtbarer Eltern sich zu solchen Ehen hergeben würden.

Indessen auch die wirkliche Ehe umschließt ein gar lockeres Band. Sie kann sehr leicht eingegangen werden, beinahe ebenso leicht, wie sie sich lösen läßt. Der Trau- ungsakt besteht darin, daß die Brautleute und deren -Eltern und Freunde unter einigen zeremoniösen Verbeug­ungen etliche Becher Sakee mit einander leeren. Nach! Exners 'trefflichem Buch über Japan kommen aber auf 10 000 Ehen 3927 Scheidungen, während in Deutschland dieselbe Zahl von Ehen ca. 60 Scheidungen im Gefolge hat. Es kann in­dessen nur als ein Beweis der Musterhaftigkeit japanischer Ehefrauen angesehen werden, daß sie nicht noch häufiger don dem Manne verstoßen werden. Denn nach! Konfucius gelten schon solche Lasterhaftigkeiten wie Ungehorsam gegen

die Schwiegermutter, Eifersucht und Schwatzhaftigkeit für Grund genug, sich, von der Frau scheiden zu lassen. Der Mann dagegen kann thun was er will, für ihn giebt es keine Scheidung.

Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik.

Unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner heraus­gegeben von Prof. Tr. Fr. Um lau ft. 24. Jahrg. 1901/02. (A. Hartlebens Verlag in Wien, jährl. 12 Hefte zu je M. 1.15. Vorauszahlung einschl. Franko-Zusendung Mk. 13.50.)

Die nahezu, seit einem Vierteljahrhundert erscheinende Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik" erfreut sich in den weitesten Kreisen des besten Ruses, da sie jeder­mann, der an der Erdkunde Interesse nimmt, eine Fülle von geographischen Mitteilungen aller Art bietet. Dazu sind die größeren Aufsätze von trefflichen, durchgehends nach Photographien angefertigten Illustrationen begleitet, und jedem Hefte liegt eine wertvolle, vorzüglich ausgeführte Karte bei. Die Reichhaltigkeit dieser Zeitschrift ersieht man auch wieder aus dem eben erschienenen ersten Hefte, dem Anfangsheste des XXIV. Jahrganges:

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Ter äußerst mäßige Bezugspreis derDeutschen Rundschau für Geographie und Statistik" ermöglicht ihr eine weite Verbreitung.

Gemeinnütziges.

ließet das Ei nm ach en der Kürbisse. Die Zeit ist da, in der die geschäftige Hausfrau alle Hände voll zu thun hat mit dem Einmachen und Kochen der Früchte^ für den Winterbedarf. Da wird dann das Kochbuch eifrig zu Rate gezogen, und emsig studiert, welches Rezept zum Einmachen dieser oder jener Früchte am besten sich! eignet, auch der Rat weiser Nachbarinnen gehört, die schon über längst erprobte und bewährte Rezepte verfügen.Was", sagt dabei die eine,was Frau Nachbarin, Kürbisse wollen Sie gar einmachen? Nein, nein, das ist nichts; deren Geschmack ist doch mehr oder weniger herb, wild und sauer, nichts Feines; das sagt mein Mann auch, und der verstehts." Die also angeredete Hausfrau aber lächelt still in sich hinein, denn sie weiß aus demErfurter Führer im Gartenbau" ein Geheimrezept, nach dem die Kürbisse einfach! großartig geraten müssen. In Nr. 25 dieses des Nützlichen viel bringenden Blattes steht das Geheimrezept, das wir unseren Leserinnen !auch deshalb nicht verraten wollen. Wenden sie sich! aber per Postkarte nach Erfurt, so wird ihnen die betreffende Nummer kostenlos zugeschickt.

A u s M a r m o r entfernt man Fettflecken, indem man einen Brei aus Magnesia und Benzin mengt, denselben ziemliche stark aus die betreffenden Flecken aufträgt, und die Masse 24 Stunden unberührt liegen läßt- Man wieder­holt dieses Verfahren, wenn die Flecken nach dem ersten Male noch nicht ganz verschwunden sind.

Praktischer Wegweiser". Würzburg,

Ergänzungsräts d.

Nachdruck verboten.

C . . . o . k, .a. d.. g . . . M . n . . r s . . n . r G .. ch . ch .. . . ch . h . . hh . l ., . s . w . . e.. M .. s.., d . . r . , e . l . er . v . . l . ug . . t. (. u , rb . ch.)

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Logogriphs in vor. Nr.: Belustigung Belästigung.

Redaktion: E. Burkhardt. Rotationsdruck und Verlag der Brühl-schen Univerfitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.