Donnerstag den 3. Dktober.
Nr. 141.
1901.
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Goethe.
Sul^cnn bti dich selber machst zum Knecht, Bedauert dich niemand, geht's dir schlecht; Machst dn dich aber selbst zum Herrn. Die Leute seh'n es auch nicht gern; Und bleibst du endlich, wie du bist, So sagen sie, daß nichts an dir ist.
(Nachdruck verboten.)
Der Erbe von Petershagen.
Roman von O. Elster.
(Fortsetzung.)
VIII.
Als Eitel Fritz auf dem heimatlichen Bahnhof das Abteil verließ, trat ihm der Inspektor Breymann entgegen.
Eitel Fritz erschrak leicht bei dem Anblick des alten Mannes. Tie ganze Fahrt hindurch hatte er seinen Geist mit dem Gedanken zermartert, wie er Else Breymann 'gegenüber treten sollte. In der letzten Zeit hatte er wenig tat Else gedacht, ihr Bild wohl mit Gewalt zu verscheuchen gesucht, heute aber auf der einsamen Fahrt, heute, wo der Kuß Irmas auf seinen Lippen brannte, heute ließ sich .Elsens Bild nicht verscheuchen, und wich auch selbst nicht den ernsten- Gedanken an den kranken Vater.
Und jetzt, da er den Boden der Heimat wieder betrat, war der erste der Vater Elses, der ihn mit ehrlichem Handschlag begrüßte!
' War Breymann geschickt, um ihm das Schlimmste mitzuteilen?
„Herr Breymann — Sie hier? Wie steht es mit Papa?"
Ter Inspektor las in Eitel Fritz' Augen die bange .Ahnung.
.. „Beruhigen Sie sich, Herr Leutnant", entgegnete er. >,Tie Hoffnung besteht noch, daß Ihr Herr Papa wieher gesundet. Freilich — ganz der Alte wird er wohl nicht wieder werden."
„Ein Schlaganfall?"
„Ja — der Herr Baron neigte ja stets dazu — und dann der gute, schwere Rotwein — na, wie gesagt, Herr 'Leutnant, man muß das Beste hoffen. Frau Baronin bat mich, Sie abzuholen, da die Damen den Herrn Papa nicht perlassen wollten. — Der Kranke wünschte auch Sie um sich Zu sehen, ebenso'wie Herrn von Sannow."
„Herr von Sannow ist im Schloß?"
' Ein leichtes Lächeln huschte über die ernsten Zuge des Inspektors.
„Seit gestern schon, Herr Leutnant = nun, Sie wissen es. ja auch, weshalb Herr von Sannow so oft kommt.
Tie Herrschaften machen ja auch kein Geheimnis daraus^ und Ihr Herr Papa hat offen mit mir über die Verlobung gesprochen, die in den nächsten Tagen veröffentlicht werden', sollte. Tas ist freilich, jetzt ein trauriges Verlobungsfest."'
Man hatte unterdessen den Wagen bestiegen, dessen) Pferde der Inspektor selbst lenkte, während der Kutscher- den hinteren Sitz einnahm.
Schweigend saß Eitel Fritz neben dem Inspektor. Der^ Weg führte durch die abgeernteten Felder, die herbstlich öde dalagen. Ein feuchter- Nebel hüllte die Gegend ein, und verlieh ihr einen düsteren Eindruck, der durch hie' tiefer und tiefer sinkende Dämmerung_ noch verstärkt wurde. Kaum erkannte Eitel Fritz die Heimat wieder, so schien sie sich verändert zu haben. In seiner Erinnerung stand der sonnige Frühsommertag, die goldene Flut der Mehren, die im leichten Sommerwinde träumerisch auf und nieder wogten, er hörte noch den jubilierenden Schlag der Lerche in hoher Luft, und der Duft des reifenden Korns, der abgemähten Wiesen schien ihn wieder zu umwallen.
Tort hinten ragte der einsame Baum im Felde empor, unter dem er mit Else gesessen! Kahl und fast blätterleer streckte er seine Aeste gen Himmel, auf seiner höchsten Spitze schaukelte sich eine Krähe; jetzt breitete sie die! schwarzen Schwingen aus, schlug einigemale mit den; Flügeln, stieß ein rauhes Krächze:: aus, und strich schwer-! fälligen Fluges durch den feuchten Nebel dem fernen) Walde zu.
Und tiefer sanken Nebel und Dämmerung nieder, und; schwerer ward dem jungen Offizier das Herz.
Petershagen tauchte auf, die Lehmhütten des Dorfes,! einzelne stattliche Bauernhäuser, dann die langgestreckten! Wirtschaftsgebäude des Gutshofes, und oberhalb desselben; das alte Herrenhaus, dessen Fenster bereits erleuchtet waren.!
Als sie an dem Thore des Wirtschaftshofes vorüberfuhren, warf Eitel Fritz einen raschen, scheuen Blick nach dem Jnspektorhaus; es war ihm, als stände Else in derf Thür, doch konnte er ihre Gestalt nicht deutlich erkennen —ü und dann hielten sie vor der Rampe des Schlosses.
Herr von Sannow und Ruscha traten aus dem Porta!,; und begrüßten Eitel Fritz herzlich. Ruschas Augen zeigten Thränenspuren, und doch schwebte um ihre Lippen ein halb schmerzliches, halb glückliches Lächeln.
Fest drückte Arno Sannow die Hand des Jugend^ freundes.
„Wir sind Brüder, Eitel Fritz", sagte er mit bewegter Stimme. „Ruscha ist meine liebe Braut . . . heute =- am Krankenbett des Vaters haben wir uns verlobt."
„Ich wußte es — Inspektor Breymann sagte es mir ee NUN Glück und Segen Eurem Bunde. . , aber — was macht Papa?" . v rp
„Es geht ihm leidlich. T-er Arzt grebt Hoffnung £) doch! nun komm, Papa erwartet Dich-."
In dem alten Herrenhause herrschte tiefe Stille. Die


