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- Druck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckcrei (Pietsch Erben) in Gießen.
Redaktion: E. Burkhardt. -
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fällt und schmückt, fließt.
stelzt und fliegt, wird gefeiert.
Kopfbedeckung, die einem umgestülpten Dopfdeckel oder mehr noch dem Kopf eines Pilzes ähnlich ist. An den Füßen haben sie Sandalen oder gar nichts, und im übrigen ein trikotähnlich ganz eng anliegendes Beinkleid, d. h. im Winter. In wärmerer Jahreszeit fällt da vieles fort. Es fiele wohl, wie noch vor etlichen Jahren, so ziemlich alles fort, wenn nicht neuerdings die hohe Polizei da gar strenge Verordnungen erlassen hätte.
Auch bei den Frauen ist das Kimono das eigentliche Gewand, ganz ähnlich wie bei den Männern. Sie tragen dann aber um die Taille noch eine breite dicke Binde, das „Obi", welches auf dem Rücken in einen Zierat ausläuft, das sich ausnimmt wie ein Rückenkissen. Das gilt für besonders schön. Nun, schlank macht es nicht. Wenn die Damen dann aber über das „Kissen" noch das Havri ziehen, so ist der künstliche Höcker da, aber mitten aus dem Rücken. Es macht einen gar närrischen Eindruck, aber doch auch nicht närrischer als etwa die Wirkung von Tournüre und Puffenärmel, wie wir sie seinerzeit in Europa kennen gelernt.
Uebrigens sind auch die Trachten der Japanerinnen der Mode unterworfen, die sich in Einzelheiten des Zuschnittes der Gewänder, im Besatz, in der Weite der allerdings stets recht weiten offenen Aermel kundgiebt, und zumal auch an der Größe der daran baumelnden Anhängsel, die wie zwei große, schwere Reisesäcke von den Unterarmen bis beinahe aus die Erde herabhängen, und in der That als Taschen zur Aufbewahrung der papiernen Taschentüchleins, des nie ermangelnden Pudermaterials und, was weih ich sonst, benutzt werden. Ueber das Haupt hat die Japanerin im Winter wohl ein großes Tuch geschlungen, das den Nacken, sowie den ganzen Kops, bis auf die Augen umhüllt.
Sonst aber trägt sie aus dem Kopfe nichts als ihr — oder anderer Leute — Haar, dessen kunstvoller Hochbau schtvierig und zeitraubend ist, so daß das Haar nur einmal oder zweimal in der Woche frisiert wird. Damit aber der Aufputz während der nächtlichen Ruhe nicht in Unordnung gerät, stützt sie ihr Häuptlein mit dem Hals während der Nacht nur auf ein Holzgestell, die Mahura. So bleibt der Kopf frei, die Frisur unbeschädigt. An den Füßen tragen auch die Frauen die entsetzlichen Stöckel- pantosfeln, die beim Eintritt in die Häuser indessen sofort abgelegt werden. Hier gehen die stets aus Reinlichkeit bedachten Japaner nur in Strümpfen oder doch in der Fußbekleidung aus weißer Leinwand oder Baumwolle.
Schön kann man nun die Frauen dieses Landes jedenfalls auch nicht nennen, doch haben sie unzweifelhaft etwas Anmutiges, Herziges, Graziöses, das uns bei genauerer Bekanntschaft wohl für sie einnimmt. Mein erster Eindruck aber war nach allem, was ich früher über sie vernommen, unbedingt enttäuschend. Als sie mir so in Nagasaki mit umhülltem Haupt, mit dem künstlichen Höcker, im Schlafrock unb den schwerfälligen Reisetaschen entgegentraten, an den Füßen die klappernden, unflätigen Stelzenpantofseln, da war ich gewiß nicht bezaubert! —
noch nicht!----
Nagasaki als Stadt bietet sehr wenig, und kommt für den Reisenden eben besonders wegen seiner Naturschönheiten in Betracht. Es lassen sich denn auch herrliche Ausflüge von hier unternehmen, nach dem hübschen Wasserfall von Kwannonno-taki, über die Berge nach Mugi sowie nach der Insel Tahaboko, von den protestantischen Holländern früherer Zeiten „Papenberg" genannt, Werl hrer in den Tagen der Christenverfolgungen im 17. Jahrhundert Tausende der Anhänger des Papstes, die vom Christentum nicht lassen wollten, die hohen, steilen Klippen hinabgeworfen wurden. Doch ist dies in neuerer Zeit nicht ohne Grund vielfach angezweifelt worden.
Bon Nagasaki fuhren wir dann werter, ernen ganzen Tag lang durch die herrlichen Binnenseen mit Tausenden von Inseln und Inselchen, und die berühmte Schimonoseki- Straße, welche die Großartigkeit eines norwegrschen Ffvrdv mit der Lieblichkeit der italienischen Seen verbindet, und gelangten dann nach dem gleichfalls sehr hübsch gelegenen Vertragshafen Kobe unmittelbar neben der alten Stadt Hiogo, von wo aus die interessanten Städte Osaka und
Nara sich leicht besuchen lassen. Noch weiter mit der Eisenbahn in das Innere des Landes fahrend, nach der alten Hauptstadt des Reiches Kioto, erblicken wir überall die typischen, hübschen Landschaftsbilder Japans: zerklüftete Gebirgsmassen vulkanischen Ursprungs, nur auf der Spitze bewaldet; an den Abhängen und in den Niederungen terrassenförmig übereinander angelegt die Reisfelder, denen ein überall sorgsam ausgebautes Bewässerungssystem die ihnen so erforderliche Nässe zuführt. Jedes Fleckchen Erde scheint ausgenutzt, alles mit Fleiß und Ordnungssinn bestellt. Die einzelnen Felder sind so ihrer natürlichen Lage nach von geringerem Umfang. Aber das ist wieder charakteristisch für Japan. Hier herrscht überall eine diminutive Form vor. Neben den Feldlein und den Häuslein werden selbst manche Bäume in den Gärtlein vielfach mit Absicht und beträchtlichem Aufwand von Mühe, zumal durch ein stetes Beschneiden der Wurzelausschüsse in einem zwergartigen Zustande erhalten. Das gilt für besonders schön, und ist eine besondere Kunst der japanischen Gärtnerei. Alles das steht indessen ja nur im Einklang mit dem japanischen Menschengeschlecht. Dieses ist ja schließlich auch nur von kleiner Statur. Aber wer weiß, zu welch' großen Dingen sich aufzuschwingen ihm noch geschieden!
Ueber Blumenschmuck des Zimmers. Wenn man durch die Straßen schlendert und hier und da einen Blick in die Fenster schweifen läßt, so erstaunt man manchmal über die Geschmacklosigkeit und das Unverständnis, welches beim Arrangement von Sträußen an den Tag gelegt wird. Alle möglichen Blumen sind in wildem Durcheinander zu einem Knäuel zusammengeschnürt und dieser „Strauß" dann in ein Geleeglas oder eine Bierflasche gesteckt. Einen erquickenden, die Freude an der Natur anregenden Anblick gewährt solch ein Gegenstand , natürlich nicht, und sollte er auch noch nicht einmal mit seinem Duft das Zimmer füllen, wäre es besser, ihn überhaupt nicht aufgestellt zu haben. Man glaube doch nicht, daß ein Strauß oder eine lose in eine Vase gesteckte Blumenzusammenstellung um so schöner sei, je mehr Blumen und Blumenarten sie enthalte. Im Gegenteil. Nur eine- Blumenarrt lose in eine zu ihr passende Vase gesteckt, ist das Wahre. Er ermöglicht die Schönheit, jede einzelne Blüte bewundern zu können. Der „Praktische Ratgeber im Obst-und Gartenbau" hat von diesem Gesichtspunkte ausgehend, in seiner neuesten Nummer eine Zusammenstellung verschiedener Vasen mit zu ihnen passenden Blumen in Wort und Bild veröffentlicht und hofft dadurch mehr Interesse und Verständnis für Blumenschmuck des Zimmers zu wecken. Die betreffende Nummer kann vom Geschäftsamt zu Frankfurt a. O. kostenlos bezogen werden.
Blumenpflege in den Schulen. Wenn bei dem Kinde beizeiten das Interesse für die Natur und die Geheimnisse des Pflanzenlebens geweckt wird, so kann man überzeugt sein, daß dieses einen wohlthätigen Einfluß auf die Ausbildung des kindlichen Charakters ausübt. Wird nun in der Schule und zu Hause schon frühzeitig gelehrt, wie außerordentlich mühsam, aber auch wie unendlich dankbar das Aufziehen und Pflegen der Pflanzen ist, so wird es auch lernen, dieselben nach ihrem Werte zu schätzen, und wird sich daran gewöhnen, anstatt als Zerstörer des Pflanzenlebens, als Beschüüer desselben aufzutreten und durch sein gutes Beispiel bei seinen Genossen im gleichen Sinne einwirken.
Quadraträtsel.
$n die Felder vorstehenden Quadrates stnd die Buchstaben BB, EBBE, FF, III, L, R, 88, T derart einzutragen, daß die wagerechten Reihen'gleichlautend mit den senkrechten sind und Wörter von der bei- gcfügten Bedeutung bilden. (Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Delphischen Spruchs in vor. Nr.: Wind — Winde.


