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IS©'10m quälenden Hunger der Löwe vom Grase sich nähren?

NSläk So auch ein hohes Gemüt finke nie unter sich selbst. \jär Herder.

(Nachdruck verboten.)

Prüfung.

Kriminalerzählung von E. Hainberg.

(Fortsetzung.)

Es liegt heute eigentlich nur ein Fall von Wichtigkeit vor", sagte der Staatsanwalt, der als letzter eben hinzu­getreten war,das andere sind nebensächliche Dinge, ein Streitfall, der in eine Schlägerei ausgeartet ist, eine Rauferei auf dem Tanzboden, ein paar kleinere Diebstähle, was alles zusammen das Wohl des Staates nicht bedroht-

Schwerer dagegen liegt ein anderer Fall. Wir haben es da mit einem notorischen Wilddiebe zu thun, der schon, mehrere Vorstrafen erlitten hat. Neuerdings sind nun wieder eine ganze Reihe arger Wildfrevel verübt, ohne daß es bisher gelungen wäre, die Spitzbuben zu fassen. Nun hegt unser Forstmeister mehrere Exemplare alter Edelhirsche, wahre Prachtstücke, darunter ein Sechzehnender. Es' ist dem gesamten Forstpersonal aufs strengste verboten, eines dieser Tiere zu erlegen. Und nun wurden ihm gerade diese Tiere weggeschossen. Der Forstmeister war wütend, und ließ streng aufpassen. Er selbst war auch nicht faul. Tag und Nacht ist er dem Gesindel nachgeschlichen, doch! nie entdeckte man eine Spur von den Halunken. Die Tiere waren eben einfach verschwunden, oder man fand ein er­legtes, oder auch nur an geschossenes und verendetes Tier in irgend einem dichten Gestrüpp, gut mit Laub und Reisig verdeckt.

So auch vor einigen Wachsen. Der Forstmeister streift durch den Wald, sein guter Jagdhund pirscht nebenher, aus einmal giebt er Laut, schnüffelt und kratzt an einem Reisighaufen, daß Erde, Dornen und Laub nur so Herum­fliegen. ,Ruhig, Tiana', mahnt der Forstmeister und klopft dem klugen Tier das Fell. Der Hund versteht sofort und arbeitet ruhig, aber um so hastiger weiter, nur zuweilen mit einem sprechenden Blick seinen Herrn streifend. Da! ein Läufer wird frei. Nun weiß der Forstmeister genug. ,Es ist gut, Diana, halt ein', sagte er, und sängt an, sorgsam das Dornengestrüpp wieder zusammenzuhäufen, um den Anschein des Unberührtseins zu erwecken. Als dann alles wieder in den vorigen Zustand versetzt ist, geht er vorsichtig hinweg, zuvor auch noch die letzten Fußspuren, durch frisch hingestreutes Gras verdeckend. Und nun geht

er langsam, tu tiefes Sinnen versunken, heimwärts. Ein neuer Gedanke steigt in ihm empor ein Verdacht auf sein eigenes Personal.

Wie kam es, daß bei noch so eifriger Aufsicht auch nie einer der Wilderer ertappt wurde? War ein Verräter unter seinen Leuten, der die Wildfrevler benachrichtigte, wann und wo Wachen postiert und Streifereien unter­nommen würden? Dem wollte er nun auf die Spur kommen. Der soeben gemachte Fund war ihm hierzu günstig. Das Forstpersonal war anderweit beschäftigt, niemand wußte von feinem Gange hierher und niemand sollte davon er­fahren. Dies eine Mal wollte er allein den Wilddieben auflauern, wollte sie überraschen, wenn sie kamen, das erlegte Wild zu holen. Der Forstmeister verhehlte sich dabei durchaus nicht die Gefahr, der er sich dabei aussetzte. Es würden zwei gegen einen sein, und der eine war er. Er wußte auch, mit welcher Verwegenheit und Tollkühnheit die Wilderer um Freiheit und Leben kämpften, sie opferten lieber ein Menschenleben, ehe sie sich! ergaben und ein­sperren ließen.

Aber immerhin, es mußte sein, er war mutig, und feine Dienstpflicht gebot es ihm.

So rasch wie möglich entfernte er sich von dem Fund­orte und bahnte sich durch Gestrüpp und Rankengewächs einen Weg, der ihn rasch, in ein anderes Revier brachte.

Er traf dann noch hier und da mit seinem Forstpersonal zusammen; obgleich er noch keinen bestimmten Verdacht hatte, wollte er sich doch einem jeden arglos, weit ent­fernt vom Orte des Wildfundes zeigen. War ein Verräter unter ihnen er sollte ihm heute nicht anmerken, welchen Fund er gethan und was für die Nacht sein Vorhaben war.

Als dann die Dämmerung hereinbrach, ging er auf Umwegent seinem Ziele zu. Er hatte sich schon am Morgen einen passenden Standort ausgesucht, der ihm gute Deckung bot und doch einen Ueberblick auf den Platz, wo sich die nächtliche Scene abspielen würde, frei ließ.

Fast eine halbe Stunde stand der Forstmeister aus seinem Lauerposten, als sich leise Tritte hören ließen. Vor­sichtig umherspähend erblickt er zwei Männer, die sich von der entgegengesetzten Seite dem Thatort näherten.

Graues Gewölk deckte den Himmel, durch das der be­reits im letzten Viertel stehende Mond nur einen matten Schein hindurchsandte, dennoch war dieser genügend, die Umrisse der beiden Männer erkennen zu lassen, während ihre Gesichtszüge unkenntlich! blieben.

Der Forstmeister wartete nun ruhig, bis die beiden an ihr Werk gingen, um sie in voller Thätigkeit zu über­raschen. Der Hirsch! war freigelegt, der Forstmeister konnte deutlich erkennen, wie die beiden Männer ihn hervorzogen, sah, wie der eine niederkniete und wie das Weidmesser in dessen Hand blitzte, nm den Hirsch auszunehmen. Nun war