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einen unbeschreiblichen Zauber verlieh. Sein Lachen war so tief und klangvoll, daß jeder Ausbruch feiner Heiterkeit wie ein lustiges Lied ertönte. Jeder Zug in seiner Haltung und Erscheiunug verriet den Seefahrer, obwohl er es für lächerlich hielt, ein seemännisches Aeußere und seemännische Gewohnheiten zur Schau zu tragen. Kein Mann, der sich, von Kindheit an auf allerhand Schiffen und unter allerlei Schiffsleuten herumgetrieben hat, wird sich jedoch — vorausgesetzt, daß er sie je besessen hat — die Sitten und das seine Benehmen eines Salonhelden bewahren können.
Obgleich ich! nun diesen äußeren Schliff durchaus nicht verachte — offen gesagt, finde ich das Fehlen desselben bei jedem Manne, der nicht zur Entschuldigung angeben kann, daß er Seefahrer ist, unverzeihlich — so wird der Mangel daran doch wohl durch den Umstand aufgewogen, daß der echte Seemann Gott fürchtet, jede seiner Pflichten auf das getreueste erfüllt, den Adel und die Größe seines Berufes richtig schätzt, in seiner Häuslichkeit fromm und ehrenhaft lebt und stets bereit ist, einem Kameraden, der im Kampfe ums. Dasein ermattet hintenan bleibt, hilfreich seine Hand zu reichen.
So war meines Vaters Charakter beschaffen, und viele Seeleute seiner Zeit glichen ihm, ganz besonders diejenigen in unserer Heimat. Das waren Männer, die, solange sie ein Schiff führten und als Seeleute an Land bekannt waren, nie zugegeben hätten, daß ein Fleck auf den Ehrenschild ihres Berufes siel. Mein Vater gehörte zu jener Klasse von Seeleuten, die nun bald aus sterb en wird. Er hätte zu jeder Zeit den Oberbefehl über ein Kohlenschiff mit seinem rußigen Deck und den rauhen Gesellen, wie es auf einem solchen Fahrzeuge sowohl die Offiziere als auch die übrige Mannschaft sind, mit dem eines Passagierschifses voll seiner Herren und Damen vertauschen können, und würde sich! unter diesen mit derselben ungezwungenen Höflichkeit bewegt haben, wie irgend ein Seekapitän, der in einem schwimmenden Dampfpalast erzogen und unter den Passagieren.groß geworden ist. Ich kenne keinen Kohlenschiffer, der ihm heutzutage das uachmachte.
Wenn ich wie ein Seemann schreiben kann, so verdanke ich dies meinem Vater. Mein Mann lehrte mich auch einiges, doch nur wenig. Schön ehe ich heiratete, konnte ich jeden Teil eines Schiffes, die Masten, Raaen und Taue mit Namen nennen; und ich glaube, als ich fünfzehn Jahre alt war, hätte ich, was praktische Kenntnis des Takelwerks anbetrifst, jedes Examen bestehen können.
Ich erwähne dies nur, um die Vertrautheit mit seemännischen Fachausdrücken zu erklären, die ich möglicherweise zeigen werde, wenn wir erst miteinander ans See kommen. >
Es klingt vielleicht seltsam, daß eine Fran solche Dinge kennt. Ein Mädchen mag wohl vom Militärwesen alles mögliche wissen, es mag über das Kasernenleben genau unterrichtet sein und wissen, was man unter Parademarsch, Augen rechts, Präsentiert das Gewehr und ähnlichem Zeug versteht. Das alles thut der weiblichen Bescheidenheit und Zurückhaltung weniger Abbruch, als das Geständnis, etwas vom Seewesen zu wissen. So ist es, aber warum? Wahrscheinlich, weil es absolut unmöglich ist, in den Attributen des seemännischen Berufes irgend'etwas; Weibisches zu finden.
Trotzdem bin ich nicht die einzige Seemannstochter, .die, wie man bei uns im Norden sagt, eine ganz „anständige" Schiffskenntnis besitzt. Ich sah einst das Modell eines Voll- schiffes, welches die Tochter eines Seekapitäns tadellos gebaut und in jeder Hinsicht richtig getakelt hatte. Kein Schiffsbaumeister hätte den Rumpf besser zusammensetzen, und kein Takelmeister die Takellage mit größerer Genauigkeit anbringen können. Warum soll mein Geschlecht nichts von Schisfen verstehen? Ein bischen seemännische Kenntnis bei Frauen hat schon mehrfach Schiffe mit wertvollen Ladungen vor dem Untergange gerettet.
Ich will nicht weiter von meiner Erziehung sprechen, um diese Einleitung nicht unnötigerweise !zu verlängern. Als ich neun Jahre alt war, nahm mein Vater meine Mutter und mich auf eine Reise mit. Er führte damals eine Bark. Unser Ziel war Westindien, und die Fahrt dauerte sechs Monate. Er nahm uns nachher noch auf zwei kleinere Reisen mit, eute ging in das Mittelmeer und eine in die Ostsee, und ich glaube, er würde uns auf jede Reise mitgenommen haben,
wenn meine Mutter es zugegeben hätte. Aber sie war nicht seefest; sie litt viel durch Seekrankheit und hatte Furcht vor schlechtem Wetter. Obgleich diese Reisen ihrer Gesundheit sehr dienlich waren, so sagte sie doch, nachdem wir von der Ostsee heimgekommen, daß sie nicht wieder zur See gehen wollte, und sie hielt Wort trotz aller Bitten meines Vaters. Da hätte er gern mich mitgenommen; aber meine Mutter sagte nein; sie brauchte mich! zu Hause; ich wäre ihr einziges Kind; sie könnte nicht mich und ihren Mann zugleich, missen. . •
Ihre Weigerung betrübte mich sehr, und ich weinte heftig, als sie sagte, sie würde mich nichx gehen lassen. In meinem jungen Leben hatte ich bis jetzt kein größeres Glück gekannt, als auf einem Schiffe zu leben. Die Matrosen hörten auf zu arbeiten und lachten über mich, wenn ich in die Hände klatschte, sobald das Schiff seinen Bug in die grünen rauschenden Wogen tauchte, und wenn dann der weiße Sprühregen durch die Luft flog und im Sonnenschein wie weiße Seide erglänzte. Meine Mutter konnte mich kaum aus dem Volkslogis herausbekommen. Die Leute lockten mich einerseits dorthin, und meiner Mutter Befehle hielten mich anderseits zurück, so daß ich! manchmal mit meinem Witz zu Ende war. Trotz des Verbots meiner Mutter war ich jedoch viel unter den Matrosen, und wenn ich jetzt an jene Zeit zurückdenke, so geht mir erst das richtige Verständnis für den Seemannscharakter auf. Welch! zarte Achtung zeigten sie dem kleinen Mädchen, das unter ihnen umherschlüpfte und schwatzte! Mit welch herzlichem Vergnügen bewachten und hüteten sie mich!
Wie treu waren ihre Herzen, und wie hätten sie jeder Gefahr getrotzt, damit mir nur kein Haar gekrümmt würde auf jener unermeßlichen Tiefe, deren kalter, stürmischer Schoß ihre Wiege war, und mit deren mannigfachen Gefahren sie Tag und Nacht kämpften, um für sich einen kärglichen Lebensunterhalt und Geld für ihre Herren zu erwerben.
Auf diesen Reisen lernte ich einen großen Teil vom Seewesen kennen. Man lehrte mich steuern, und manchmal stand ich eine halbe Stunde lang am Rade, und der Matrose, der steuern sollte, stand dabei und erklärte mir die verschiedenen Steuerkommandos wie „Dicht am Winde!" „Anluven!" „Ruder in Lee!" u. s. w. Ich studierte die Striche auf dem Kompaß, bis ich sie ebenso geläufig wie mein Vater herbeten konnte, und wenn er mich nach» dem Kompaßhäuschen schickte, damit ich 'nachsähe, was „anläge", so konnte ich ihm dies sofort bis auf einen Viertelstrich angeben.
Es gehört kein großes Genie dazu, um Seeausdrücke zu verstehen, und einem Mädchen,etote mir, das so für Schiffe schwärmte und soviel mit Matrosen in Berührung kam, konnte es nicht schwerer fallen, die das Seewesen betreffenden Namen zu beherrschen und den Gebrauch der so benannten Dinge zu begreifen, als auf der Maschine nähen oder ein Paar Strümpfe stricken zu lernen.
Manchmal half mir ein Matrose in die Wanten und leitete mich bei der Hand auf den Großmars. Nie werde ich den Eindruck vergessen, den es auf mich! machte, als ich zum erstenmal das Meer aus der Höhe der Untermastspitze erblickte und mit glänzenden Augen das herrliche Schauspiel der Tiefe überschaute.
Mit der Zeit blieb mein Vater mehr zu Hause und unternahm nur noch kürzere Reisen. Er war zeitlebens sparsam gewesen und hatte sein ganzes Vermögen in Schiffen angelegt, was zu feiner Zeit noch ein hübsches Sümmchen ab warf. Er pflegte oft davon zu reden, daß er sich zur Ruhe setzen wollte; er hätte, meinte er, genug gearbeitet und würde nun alt. Es wäre auch Zeit, jüngeren Leuten Platz zu machen, und jede Reise sollte seine letzte sein. Wenn es aber soweit war, konnte er sich nicht dazu entschließen.
„Was soll ich anfangen", pflegte er zu sagen, „wenn ich die See verlasse? Wie soll ich; mir die Zeit vertreiben? Neulich riet mir Michel Hanson, die See aufzugeben und mich am Land als Wetterprophet niederzulassen. Aber es ist ein erbärmliches Geschäft, andere auf Stürme aufmerksam zu machen, noch dazu, wenn man seiner Sache selbst nicht so sehr sicher ist. Ebenso gern möchte ich Wander-


