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Und Max reiste. Und er hatte nicht zu viel versprochen. Zwar sandte er selbst wenig Ordres ein. Statt deren aber kamen täglich direkte Bestellungen an, täglich hob sich das Geschäft mehr und mehr, und täglich besserte sich die Laune Fuhrmanns.
,,S' ist doch ein Teufelskerl, dieser Bergmann, meinte er denn auch einst am Mittagstische. „Alles, was rechst ist. ÄWo er ist, wird bestellt."
„Du siehst also, Papa, daß Du ihm unrecht gethan hast, als Du ihn so schroff behandeltest."
Der Weinhändler guckte seine Tochter von der Seite an und machte nur „hm, hm." Das übrige dachte er sichp
Im Grnnde genommen hatte Elly Recht. Max muß ein Heller Kopf sein. Und als solcher konnte es ihm nimmer fehlen. Da that er vielleicht sogar gut, ihn für immer an sein Geschäft zu fesseln. — — — — — —
Und wirklich, als Max nach einiger Zeit die Kühnheit besaß, ihn um Ellys Hand zu bitten, da sagte er nicht mehr „nein. "
„diur habe ich diesmal eine Bedingung."
„Bitte —"
„Sie müssen mir sagen, welche Bewandtnis es mit Ihrem Gehilfen hat."
„Jetzt kann ich dies. Denn so bleibt das Geheimnis ja in der Familie. Sehen Sie. Ich weiß, wie schwer die Leute zum Kauf zu überreden find. Sie wissen ja auch nicht, bei wem sie bestellen sollen, selbst wenn sie Bedarf haben. Denn jeder Reisende stellt seine Weine als die besten hin. Mein Gehilfe also geht hin und empfiehlt die Weine des Hauses Fuhrmann. Macht er wirklich ein Geschäft, gut; macht er keins, so ist's auch nicht schlimm, denn dann komme ich."
„Wie — zwei Reisende desselben Hauses an einenr Tage?"
„I, wo. Ich iverde mich hüten. Hier, sehen Sie, diese Firma vertrete ich."
Und dabei griff Max in die Brusttasche und holte eine Weinkarte hervor, auf deren Kopf die Firma „Max Bergmann" stand.
Fuhrmann las es wohl, aber er verstand nichts.
„Die Firma besteht doch gar nicht."
„Ist auch nicht nötig. Bestellt hat noch keiner etwas bei ihr. Nun sehen Sie mal meine Preise an. Alle sind höher als die Ihrigen. Das ist mein Trick. Ich gehe zu den Leuten, bei denen mein Gehilfe nur Ihren Preiscourant gelassen hat und preise meine Weine an. Konkurrenzlos billig, vorzügliches Gewächs usw. Ra, die Karte sieht man doch durch. Das verpflichtet ja zu nichts. Und in den meisten Fällen sagt man mir: „Heute morgen war ein Konkurrent von Ihnen da, der mir dieselben Weine weit billiger anbot." Ich thue sehr erstaunt. „Nicht möglich", sage ich. „Wie gesagt, wir sind konkurrenzlos." „Nun, ich kann Ihnen die Liste zeigen." Er darauf. Und ich: „Wie heißt denn die Firma?" Er sucht die Worte: „Ludwig Fuhrmann." Dann lege ich mein Gesicht in bedauerliche Falten und sage: „Fuhrmann?" Allerdings, da muß ich mich geschlagen geben. Gegen diese Firma können selbst wir nicht ankommen." Und dann empfehle ich mich. — Sehen Sie. Unter 10 Fällen werden die Leute achtmal sagen: „Was? Ein Kon- kurrent lobt die Firma Fuhrmann? Er giebt offen zu, mit dieser könne man nicht in Wettbewerb treten? Da muh ich doch einmal etwas bei dieser bestellen —" Und so wird's gemacht . . ."
Der alte Fuhrmann lachte laut auf. „Sie sind ein Prachtkerl. Sie sollen meine Elly haben."
Das ist nun schon einige Jahre her. Heute könnte Max denselben Trick nicht mehr anwenden. Denn heute heißt die Firma: „Fuhrmann und Bergmann". Aber wenn's wieder einmal schlecht geht, er wird schon einen neuen Trick aushecken. Sein Schweigervater wenigstens hofft ganz bestimmt darauf.
Was muß man vom Erbrecht wissen?
Die gesetzliche Erbfolge der Verwandten und Ehegatten nach dem neuen Bürgerlichen Gesetzbuche mit erläuternden Beispielen von Erich Wagner. Berlin, Hugo Steinitz Verlag. Zu den interessantesten und wichtigsten, zugleich aber auch schwierigsten und kompliziertesten Fragen des Bürgerlichen Rechts gehört das Erbrecht. Der Verfasser
behandelt in dem vorliegenden Buche das gesetzliche oder Jntestaterbrecht, das Erbrecht, das beim Fehlen eines Testa- mentes in Geltung tritt. Der Wert der Wagnerschen Arbeit liegt in der gelungenen Verbindung von wissenschaftlicher Anlage mit praktischer Ausführung. In ersterer Hinsicht ist es erfreulich, daß der Verfasser sich alles überflüssigen, nicht sachlichen Beiwerks enthält — ein Fehler, den soge- nannte populäre Broschüren nur selten vermeiden — und seinen praktischen Wert erhält das Buch besonders durch' die überaus klaren und erschöpfenden Beispiele. Jeder, der' über eine Frage der Erbfolge Aufklärung sucht, wird sie dort finden, und selbst anspruchsvollere Leser werden in der Arbeit eine sehr willkommene Zusammenstellung der Gesetzesmaterialien finden. Wir empfehlen das Buch. Der Preis beträgt nur 1 Mk., geb. 1.50 Mk.
Gemsrnnütziges.
Wie bewahre ich mein Winterobst auf? Das ist die große Sorge, die in jetziger Zeit alle Hausfrauen drückt. Alle sich rauh anfühlenden Sorten (die Lederreinetten), kommen am besten gleich in den Keller, weil sie sonst leicht runzelig werden. Mit glatter Schale versehene, sich fettig anfühlende Aepfel, werden erst 2—3. Wochen lang in flache Haufen geschichtet, um so zu schwitzen. Am günstigsten für das Schwitzen sind luftige, den Sonnenstrahlen aber nicht zugängliche Lagerräume mit 10—12 Grad Celsius Wärme. Durch die dabei eintretende Erwärmung nimmt das Obst wesentlich an Güte zu. Beim Auflagern dürfen die Früchte nicht abgerieben werden, weil dadurch der auf vielen Aepfeln sich befindende Wachsüberzug entfernt wird. Dieser schützt aber die Früchte vor dem Welken und vor Fäulnisbefall. Alle anlaufendew Aepfel sind baldigst zu entfernen. (Praktischer Ratgeber, Frankfurt an der Oder.)
Uebermangansaures Kali sollte in keiner Haushaltung fehlen; denn es ist ein ganz vortreffliches. Desinfektionsmittel und dabei sehr billig. Für 10 Pfg.. erhält man so viel, daß man lange Zeit damit ausreichen kann. Jede Hausfrau sollte alles Fleisch, welches irgendwie nicht ganz frisch erscheint, vorher mit einer schwachen Lösung von übermangansaurem Kali abspülen. Es nimmt jeglichen üblen Geruch sofort und ist deshalb bei der Desinfektion von Fischen, namentlich Seefischen, die oft einen starken Geruch an sich haben, außerordentlich zu empfehlen. Auch auf der Waschtoilette sollte das übermangansaure Kali nirgends fehlen. Ein kleines Körnchen in ein Glas Wasser gethan, genügt, um sich ein gutes Ausspülmittel für Mundhöhle und Nase herzustellen.
Bei harten Pflanzen, z. B. Lorbeer-, Grauat- und Oleanderbäumen, Evonymus, Chamerops, Pukka u. dgl. wird vielfach der Fehler begangen, daß man sie zu zeitig überwintert und oftmals in einen Raum stellt, der zu warm oder ganz dunkel ist. Die Einwinterung sollte so weit als nur irgend möglich hinausgeschoben werden. Die Pflanzen sind im Herbst wenig oder gar nicht mehr zu begießen, damit die Triebe verholzen. Die Ueberwinterung soll in einem hellen Raume erfolgen, daun schaden auch einige Grade Kälte den Pflanzen nicht, wenn nicht der Raum sehr bedeutenden Temperaturschwankungen ausgesetzt ist. Warme Räume veranlassen das Treiben der Pflanzen im Winter und das Lausigwerden der Oleander und Lorbeerbäume. S.
(„Prakt. Wegw.", Würzburg.)
Logogriph-Scherze.
(Nachdruck verboten.)
(Es sind Wörter zu ergänzen, die sich nur in den angegebenen Buchstaben unterscheiden.)
1. Der f ward vor m vorzeitig u und sank bald ins b.
2. Mit bedauernder e sprach er zum a: Unser u hat den Braten anbrennen lassen.
3. Ans den n führte eine stattliche d einen Kahn voll s.
4. Ich schaute nach dem r und sah nicht den großen i auf dem Wege.
5. Der u lehnte am a und beachtete nicht meine i.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Magischen Quadrats in vor. Nr,: HARM ALOE ROSE MEER
Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlaa der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


