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brach sie der Vater und drohte mit dem Finger, während sein altes Gesicht vor Freuden strahlte.
Und sie nickte ganz ernsthaft und sah demütig zu mir hinauf.
.„Wasserrose", murmelte ich leise, den Blick tief in diese dunklen, klaren Augensterne senkend, in welchen sich die ganze Unschuld und Wißhegierde des Kindes wiederspiegelten.
Bis dahin hatte ich nicht nach Gunhildas Alter gefragt, jetzt wußte ich, daß sie kaum achtzehn war. Merkwürdig, wie jung sie mir diesen Abend vorkam, gestern hätte ich sie für mindestens zwanzig gehalten!
Früh am nächsten Morgen ging ich selbst hinunter zu den Fischerhütten und beauftragte den alten, zuverlässigen Rasmus, für gutes Geld sofort nach Bergen zu segeln und das sorgsam ausgewählte Verzeichnis beim Buchhändler abzugeben.
Ich weiß nicht, wer sich mehr auf diese Stunden freute, ich oder Gunhilda. Ein Rest Gewissenhaftigkeit oder Angst vor der Frau Pastor gebot mir, den Vorschlag zu machen, eine der Töchter mit zu der Partie zu nehmen. Als aber Gunhilda verwundert meinte, selbst Hannah habe oft erklärt, Bücher seien nur da, um den Leuten Kopfweh zu bereiten, bestand ich nicht mehr darauf — eigentlich war es mir auch nicht Ernst damit gewesen.
Tie Bücher kamen, die Stunden begannen und nahmen ihren Fortgang. Stunden? — Minuten schienen sie mir, so schnell verflogen, wie gekommen. Gab es eine Schülerin wie Gunhilda? Vertauschten wir nicht oft die Rollen? War sie es nicht, die mich die Schönheit jenes Gedichtes, den tiefen Sinn dieses Ausspruchs oft ohne Worte, nur durchs den Blick ihrer Augen, den tiefinnigen Ton ihrer sonoren Stimme verstehen ließ?
Manchmal ruderten wir weit hinaus/ und unsere Schulstube war bald der einsame Fels, wo uns die Möwen umflatterten, bald eine schattige Wiese unter duftigen Birken. Oder ich begleitete Gunhilda zu ihren Kranken, die ringsum auf den Inseln hausten. Ich sah die sonderbare Art, wie diese ihr begegneten, wie einer Prinzessin fast. Von Vertraulichkeit war zwischen ihnen nicht "die Rede; klagten ihr die Leute ihre Not, so wußte sie zu raten und zu trösten. Ihre Hilfe wurde angenommen, als wage man es nicht, sich gegen ihre Anordnungen aufzulehnen; die Verehrung war mit Scheu gepaart. Sie stand- allein, obgleich! sie wie keine weit und breit gesucht und gekannt war, und doch! paßte sie wieder seltsam in dies ganze Leben und Treiben hinein. Gerade dies stille, üher ihre Umgebung erhabene Wesen flößte den rohen Leuten Respekt und Vertrauen ein. Ich merkte bald, daß sie eine Art Schiedsrichter sei; an ihr Urteil wurde appelliert wie an die höchste Instanz, selbst der Pfarrer rief sie herbei, wenn den unruhigen Gemütern nicht anders beizukommen war.
(Fortsetzung folgt.)
Sonderbare Münzen.
(Nachdruck verboten.)
Lu früheren Zeiten waren die Geldformen, selbst inner- halN eines Landes, so zahlreich, daß es ost schwer gewesen sein muß, festzustellen, welchen Wert sie repräsentieren, und niemand wußte so recht, wie reich er war.
Heutzutage werden die Münzen meist aus Gold, Silber und Kupfer geprägt; aber das war nicht immer der Fall. 'Bei den Spartanern, unter der Herrschaft des Lykurg, waren diese Metalle verpönt; man prägte die Münzen aus Gifen, wahrscheinlich, um die. strenge Zucht der Spartaner zum Ausdruck zu bringen. Die neugeprägten Münzen wurden noch in rot glühendem Zustande in Essig gelegt, um sie spröde zu machen, damit sie sich zu keinem anderen Zwecke mehr verwenden ließen — eine überflüssige Vorsicht. (Vergleiche Chamb. Journ. März 1901.) Plutarch machte auf Kosten der Spartaner folgenden kleinen Scherz: Er sagte, sie müßten einen Wagen und ein Ochsengespann verwenden, um einen geringen Betrag Kleingeld mit sich zu nehmen.
Von den Völkern des Altertums verwendeten die Byzantiner in ihrer höchsten Blütezeit gleichfalls Eisengeld; das waren auf einer Seite gestempelte Platten von Eisenblech. Noch heutigen Tages ist Eisengeld in Kordofan (im
Innern Afrikas) in Umlauf. Tie Münze entspricht dem Querschnitt eines Pilzes und ihr Wert beträgt etwa einen halben Pfennig.
Von allen Ländern weist China die merkwürdigsten Münzen auf. Das älteste Geld, über welches zuverlässige Nachrichten vorliegen, stammt aus der Zeit 2000 v. Ehr. und besteht aus Muschelschalen und Kauris. Tie Kauris wurden als'Wert für die kleineren Münzen, die Schildkröten- und Purpur-Cypraea-Schalen für größere Werte verwandt. Letztere waren 2 Zoll bis anderthalb Fuß lang, wurden meist im Norden der Shantung-Halbinsel gefunden und waren sehr schön und sehr begehrt. Nach und nach wurden die Muscheln knapp, und der steigende Wohlstand machte es erforderlich, ein anderes geeignetes Tauschmittel ausfindig zu machen. Der Muschelkurs wurde noch nicht ganz verdrängt, aber im Jahre 335 v. Ehr. wurde unter Hwei-Wen, dem Fürsten von Tsing, an Stelle des altbekannten Bargeldes eine runde Kupfermünze mit einem viereckigen Loch in der Mitte eingeführt. Von Wang-Mang (9—23 n. Ehr.) wurden die Muscheln wieder in Umlauf gesetzt; aber die Geschäftsleute wollten das veraltete System nicht mehr dulden, und endliche wurden die Zahl- Muscheln ganz eingezogen. Aber die Chinesen waren schon damals so konservativ, daß noch lange nachher ihre kleinen Kupfermünzen die Form der Cypraea-Muscheln zeigten.
Während in Tsing Muscheln kursierten, verwendeten andere chinesische Staaten zu verschiedenen Zeiten andere Materialien für ihre Münzen. Unter den ältesten Formen war eine Porzellanmünze von etwa dreiviertel Zoll Durchmesser und einem Viertelzoll Ticke; sie trugen die . Inschrift „Ewige Wohlfahrt". Zwischen 1122 und 224 v. Chr. kursierte im Staate Tsi eine merkwürdige Münze. Sie war aus Kupfer, wie ein Haken geformt, und etwa 7 Zoll lang, mit einem ringförmigen Griff; zweifellos zu dem Zwecke, die Münzen auf Schnüren aufreihen zu können.
Zwischen 605 und 618, einer Periode großer Verwirrung und Knappheit an Metall, wurden Pappstücke, Leder und Stoffe als Geld gebraucht. Bis zum heutigen Tage hat China mehrere Perioden des Metall-Mangels durchmachen müssen, und die Verwalter des Staatsschatzes haben immer neue Kursmittel ausfindig machen müssen. Eisen, Blei, Zinn, Thvnerde, Körner, Seide und Muscheln haben zu verschiedenen Zeiten als Geld gedient.
Altindische Münzen entfalten eine fast ebenso große Verschiedenheit wie chinesische. Neben goldenen, silbernen und kupfernen Geldstücken hat mau in verschiedenen Teilen Indiens Messing-, Nickel-, Zinn- und Bleimünzen gefunden. Sogar zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts waren allerlei sonderbare Tauschmittel im Umlaus. In Bengalen wurden Kaurimuscheln, an der Malabarküste persische Mandeln und auf deu Malediven Silberdraht als Kursmittel verwendet. In Ceylon wurde Silberdraht sogar bis in die neueste Zeit als Tauschmittel in Zahlung gegeben. Der Draht hatte die Form von Fischhaken und war amtlich gestempelt.
Eine japanische Eisenmünze, die im Jahre 1636 zuerst in Umlauf kam, existiert noch heute. Eins dieser Geldstücke, welches im Jahre 1866 ausgegeben wurde, trägt die Aufschrift: „Möge Dein Reichtum so groß sein wie die östlichen Meere und Dein Älter so hoch wie südliche Berges- gipsel". Sonderbare Münzen aus Silber und Kupfer gemischt waren in der Zeit von 1601 bis 1859 in Umlauf; dieselben hatten verschiedene Formen, von der einer kleinen Erbse bis zu solcher einer großen Bohne. Im Jahre 835 wurden auch Bleimünzen ausgegeben, die 500 Jahre in Umlauf blieben.
In den Ländern des Altertums wurde vielfach Thon zur Herstellung von Geldstücken verwandt; man weiß, daß dies z. B. in Etrurien, Rom, Arabien und Palmyra, vielleicht auch in Babylon, Assprien, Aegypten und Indien der Fall war. Im alten Rom wurden auch einmal Holzplatten als Zahlungsmittel verwandt, unb' auch in buddhistischen Schriften wird hölzernes Geld mehrfach erwähnt.
Tie Karthager bedienten sich einer Münze aus emer mit Leder und Pergament umwickelten Masse. Tie Natur der eigentlichen Masse kannte mau nicht, aber vermutlich war es Kupfer, und die geheimnisvolle Umhüllung hatte wohl den Zweck, den Wert zu erhöhen. Tie Karthager


