...
MMW
eforge nicht, wenn du dich selbst beschränken lernst, Daß du dich mehr und mehr nur von dir selbst entfernst: Die Selbstbeschränkung ist die Frucht der Selbsterkenntnis, Die Form von deines Wesens vertrauterem Verständnis.
Hammer.
(Nachdruck verboten.)
Aus der Felseninsel.
Eine Erzählung aus den norwegischen Schären.
Von M. ©tiefen.
(Fortsetzung.)
„Sie selbst weiß, wie ich hörte, daß sie eine Fremde ist?"
„Leider. Dazu das dumme Gerede der Leute. Sie nimmt alles ' zu ernst und meint in ihrem Pflichteifer, nie könne sie dem Pflegevater, uns allen vergelten, was wir Gntes an ihr gethan haben. Sie ist dazu geschaffen, die Seele eines großen Kreises zu sein, eine rastlose Thätig- feit zu entfalten, dabei aber" — —
Sie schwieg und zerpflückte mechanisch eine Blume, die sie in der Hand hielt.
„Was wollen Sie sagen, verehrte Frau?" schaltete ich! gespannt dazwischen ein.
„Ich meinte nur", sagte sie schnell ansblickend und mir prüfend in die Augen sehend, „daß in ihrer Natur trotz alledem ein gewisser schwärmerischer Zug liegt, ein Sinn für Poesie, eine Begeisterung für alles Neue, Fremde, dazu eine Neigung, unbedingt zu vertrauen, wo sie be- bewundern kann. Möchte sie sich selber nie untren werden und in der Fremde suchen, was ihr hier zn finden bestimmt ist!"
Ich! stutzte. Wie verschieden ftd) auch die beiden Gatten ausgedrückt hatten: beide fürchteten sie für die Zukunft des . seltsamen Mädchens, das auf .ihre Umgebung einen so wunderbaren Einfluß auszuüben schien.
Tie Töchter gesellten sich! zu uns, und das Gespräch nahm eine andere Wendung. Bald nachher verabschiedete ich! mich! von der gastlichen Familie, nachdem ich! wiederholt hatte versprechen müssen, die alte Heimat meiner Kinderjahre bald wieder zu besuchen.
Fünftes Kapitel.
In Gedanken versunken verfolgte ich, ohne aufzublicken, meinen Weg; die letzten Worte der guten Frau hallten noch in meinem Ohr wieder. War es eine Warnung, ober war es mein eigenes Gewissen, das mir ihre Rede als solche erscheinen ließ?
„Pah!" dachte ich, „wer wird alles gleich so schwer nehmen! Ich werde schon dem Mädchen keine Raupen in den Kopf setzen, brauche mich! ja garnicht um sie zu kümmern. Uebrigens wird sich unsere Schöne schon die Lehre des weisen Pastors zunutze machen — sie ist ja praktisch nnd verständig, und daß der wohlhabende Kaufmannssohn in sie vernarrt ist, das stayd in seinen Augen geschrieben. Es war gerade kein freundlicher Blick, den er mir gestern zuwarf! Nun, vor mir kann er sicher fein. Olaf Raven- fkjold, der Rival eines (Steuermanns! Köstlicher Gedanke! Tas wäre etwas für den aristokratischen Onkel, der mit seinem Erben so hoch hinaus will. Meine Pflicht ist es aber, der Klemen sofort so entgegenzutreten, daß sie sich nichts einbildet."
Eine Biegung des muschelbestreuten Pfades brachte mir wieder den Leuchtturm in Sicht. Doch nicht dort hinauf sah ich, aus einem hervorspringenden Felsblvck hart am Meere erspähte ich eine Gestalt, bei deren Anblick mir gleich alle Pulse rascher flogen. O, über den Wankelmut von uns Menschen! Vergessen, verflogen waren bie Erwügnngm, welche mich eben beschäftigt hatten. Mich! erfüllte nur ein Gedanke: sie wiederzusehen, ihrer süßen Stimme wieder zu lauschen!
In der Hand hielt sie ein offenes Buch, doch! ihr Antlitz war dem Westen zugewandt, wo sich ein purpurnes Schloß erhob mit goldenen Türmen und Zinnen nnd rings von duftigen Rosengärten umgeben. Tie ganze glühende, strahlende Herrlichkeit spiegelte sich in dem funkelnden Meere, das in Gold getaucht still dalag, als wolle es durch keine Bewegung das Bild trüben, welches ihm selbst neuen Glanz verlieh. ‘ Ein Stein, der sich zu meinen Füßen loslöste und mit leisem Geplätscher ins Wasser siel, verriet der Träumerin, daß sie nicht mehr allein sei.
Eine höfliche Entschuldigung auf’ den Lippen, trat ich näher, doch sie wandte sich schnell wieder dem glühenden Abendhimmel zu und rief mit leuchtenden Augen: „Ist! es nicht schön, was wir hier sehen? Kann das selige Alseland, welches den Schissern dort in der Ferne manchmal erscheint, herrlicher sein? O, warum kann ich! nicht dahin, nach dem Lande des ewigen Glücks!"
„Sie möchten Alseland suchen?" fragte . ich, . unwillkürlich mit fortgerissen von ihrem Eifer, der ihr die Farbe in die Wangen getrieben hatte und , sie noch schöner erscheinen ließ. „Fürchten Sie aber nicht die Gefahr, die Enttäuschung? Als ein Kind dieser Schären müssen (sie ja wissen, daß die Elfen gar oft ihr grünes Eiland in graue Nebelschleier hüllen, sobald sich der kühne Sterbliche ihrem Reiche naht. So ist es auch; mit dem Glück. Glauben wir thörichten Menschen, es zu halten, so schwindet eS unter unseren Händen wie die Perlen des Taus> die lockend im Blütenkelch schimmern — und ärmer als zuvor stehen wir da."


