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sie will nicht hinter der Zeit zurückbleiben, sie macht alles Neue mit.
Das Neue — das ist überhaupt ihre Leidenschaft. Sie geht in die neuesten Stücke, sie liest die neuesten Bücher; sie kennt die neuesten Erfindungen; sie liebt auch neue Menschen. Stile paar Jahre räumt sie unter ihren Bekannten auf, sondert aus, das heißt, sie beachtet plötzlich einige nicht mehr, und zieht andere heran.
Nur nicht immer dasselbe! Sie liebt es auch, ihre Wohnung öfters neu einzurichten; eine pietätvolle Neigung für alte Möbel kennt sie nicht. Ja, sie hat ein Abkommen mit einem Juwelier getroffen, ihre Schmucksachen alle paar Jahre gegen moderne umzutauschen; ein anderes Abkommen mit einem Gärtner, die Pflanzen ihres Salons stets durch neue zu ersetzen. Weder mit Menschen, noch mit Möbeln und Blumen tritt sie in ein herzliches Verhältnis: es ist ihr alles nur Ausstattungsstück.
Auch in ihrer Stadt wird sie nicht recht warm und heimisch; denn sie reist viel, unsere Großmama. Nicht die früher üblichen Großmütterreisen zu den verheirateten Kindern, sondern richtige Touristenreisen — sie nennt es Studienfahrten. Was sie studiert, hat noch niemand ergründet; doch nein, sie sagt selbst: sie studiere die Kunst, sie besuche alle Gemäldegalerien. Ja, sie ist sogar ein wenig Gönnerin der Künstler, so weit ihr Beutel es zuläßt. Sie hängt in ihrem Salon nur Originalbilder aus, teilte Wiedergaben.
Sparsam, für die Enkel vorsorgend, ist Großmama nicht. Sie verthut alles, was sie hat, und ost noch etwas mehr. Sie sei auch noch ein Mensch — sagt sie — und nicht blos Großmutter, welche Würde ihr ohnehin zum Ueberdruß oft vorgehalten werde. Ja, sie könne jederzeit noch mal heiraten, Bewerber gäbe es genug, aber sie wolle einfach ihre Freiheit nicht wieder auss Spiel setzen.
Ihre Kinder und Enkel sehen sie nicht häufig, auch wenn sie in Berlin ist; sie verbringen nur die Sonntage mit ihr, weil — wie Großmama sagt — „doch da sowieso nichts los sei". Sie meint damit, alle Vergnügungen wären am Sonntage zu plebejisch. Doch lange verweilt Großmama, wie erwähnt, niemals in Berlin.
Sie verbringt den Winter bald in Rom, bald in Paris. Wo viele Menschen sind, wo viel Leben ist, da fühlt sie sich wohl. Auch auf Reisen nimmt sie keine Gesellschafterin mit, die würde sie nur hindern.
Ob sie nicht ein Fräulein brauche, wurde sie einmal von ihrer jüngsten Tochter gefragt.
„Brauchen, ich? Ich bin kräftiger und gesünder als die ganze Fräuleingesellschaft."
„Aber es kann Dir doch etwas zustoßen, Mama."
„Zustoßen. . ." Sie beißt sich auf die Lippen, und stemmt beleidigt die wohlgepflegten weißen Hände, an denen Brillantringe funkeln, gegen einander. „Es ist ja recht liebenswürdig von Dir, mir mein Alter vorzuwerfen."
„Aber Mamachen, es ist ja nur Sorge."
Großmama wirft einen schnellen Blick auf ihre Tochter und sagt dann: „Mag sein; doch ich liebe dergleichen nicht. Und selbst wenn mir etwas zustieße, wozu giebt es Hospitäler in der Welt? Glaubst Du etwa, daß ich mir nicht zu helfen wüßte?"
„Natürlich^ so klug wie Mamachen ist festen eine Dame", sagt die junge Frau in ehrlicher Bewunderung, j . „Ach was", entgegnet Großmama unwirsch, „es könnten alle so sein, sie sind nur so verpimpelt, geistig und körperlich, und seelisch auch. — Rede nicht dawider, es ist so. Abhärten, das ist's,'was uns not thut. Sich den Wind um die Nase wehen lassen, nicht so verzärtelt und empfindlich sein, dann steht man seinen Mann."
„Früher wäre so etwas nicht möglich gewesen."
„Früher? . . . Komme mir blos nicht mit früher, schon das Wort ist mir greulich. Früher waren eben die Frauen keine Menschen, sondern Kindererziehmaschinen, und die Witwen waren Schemen, die von der Vergangenheit lebten. Das haben wir, Gott sei Dank, nicht nötig."
Also sprach Großmama. . .
GsnrernnÄtzrses»
Tie beste Art, frisch gestochenen Spargel a u f z n b e w a h r e n. Je frischer wir ein Gemüse essen, desto schmackhafter und bekömmlicher ist es. Ganz besonders gilt dies von denjenigen Gemüsen, die leicht vergänglich sind, so auch vom Spargel. Spargel wird nun aber gern von einem Tage zum anderen ausbewahrt. Tie eineu thun dies, indem sie ihn ins Wasser werfen; das ist ganz verkehrt, er verliert das Aroma — die anderen, indem sie .ihn in Moos packen, dadurch bekommt er einen dumpfen Geruch. Im „Erfurter Führer int Gartenbau" wird a!s beste Methode zur Aufbewahrung des Spargels das Ein- fchlagen in Sand oder Erde beschrieben. Dabei behält btr Spargel seinen guten Geschmack. Wer sich genauer darüber orientieren möchte, lasse sich Nr. 6 kommen, bie unfern Abonnenten kostenfrei zugeschickt wird, wenn sie sich mittels Postkarte nach Erfurt toenben.
Velhagm & Klasings Monatshefte.
Tas soeben erschienene Juni-Heft von Velhageu u. Klasings Monatsheften bringt einige außerordentlich interessante Beiträge: der bekannte Goetheforscher, Prof. Alexander Tille, ist durch einen Artikel über „Goethe und die deutschen Bilder zu seinem: Fan ft" vertreten, FritzLienhard durch eine stimmungsvolle „Vv geseuwanderun g", W. Meyer -F o e r st er durch eine Plauderei über das berühmte Vollblutge- ftüte Harz bürg; all diese Artikel sind reich illustriert. Voller Humor ist eine Schilderung Berliner Bohemelebens, wie es sich vor dreißig Jahren in dem damals neu gegründeten Restaurant des kürzlich verstorbenen Rudolf Dressel abspielte — der Verfasser nennt sich nicht, bezeichnet fiel)' aber launig als einen „Mitschuldigen". Tas Heft enthält außerdem die Fortsetzung des spannenden Münchener Romans „Die vier Glocken des Herrn von Perna" von A. v. Klin kowstr o em, den Schluß der Novelle „Schweigen" von F. O t t m e r und, in den Anlage, der Roman-Bibliothek, den spannend einsetzenden Beginn eines neuen historischen Romans von E. Mne'llen - b a ch, „B r u m a i r e". Wie immer, ist and; dies Heft glänzend a u s g e st a t t e t.
Kinder-Zeitung.
Herausgegeben von Felix von Stenglin, Groß- Lichterfelde. Inhalt von Nr. 35. Was in der Welt vor geht: Neue Fahrten nach dem Nordpol; Rückkehr von deutschen Chinakämpfern; Von den Friedensverhandlungen in China; Von den Buren: Tie Deutschen in Mesopotamien; Zuschüttung des Zuidersees; Besuch des Kaisers auf der Hohkönigsburg; Eine Bergschwebebahn; Eisenbahnfreveü Aus dem Reiche der Natur: lieber den Bernstein an der Elbe; Löwenzucht in Europa; Der Nutzen und Schaden der'Krähen; Ein unentdecktes Säugetier; Eine Wildkatze mit drei Jungen; Der Groschen int Fischmagen. „Peters wunderbare Reisen und Abenteuer". Erlebnisse. Anzeigen. — Zu beziehen durch alle Postanstalten, Buchhandlungen und die Geschäftsstelle in Groß- Lichterfelde, Dahlemerstraße 75.
Auflösung in nächster Nummer.
Bilderrätsel.
(Nachbildung verboten,.
Auflösung des Umstell', citsels in vor. Nr.:
Lama, Amsel, Nagel, Dame, Pforten, Asche, Reis, Torte, Inka, Esel.. L a n d p a r tie.
Nedsinrn: L. 8«r!'ie:n. — ®nift s»n* Verlag der Brüht'schm UsborrZES-BM- s«l Tutsdru-terü (Virtsch te Metz«.


