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u Wald mit deinen duft'gen Zweigen, Sei mir gegrüßt viel tausendmal! Zu deinen Höhen will ich steigen Und grüßen dich viel tausendmal.
In deinen Hallen will ich singen
Von Lieb' und Freiheit, Lebensmut! Es soll vom Himmel niederklingen In heil'ger Lust und Andachtsglut. Lingg.
(Nachdruck verboten.)
Die Göttin des Glücks.
Roman von Reinhold Ortmann.
(Fortsetzung.)
Zwölftes Kapitel.
Tas kalte Licht eines grauen Regentages erfüllte das Atelier, als Harro aus seinem kurzen Schlummer erwachte. Beim Anbruch des Morgens erst hatte er Klemens Herbolds Sterbezimmer verlassen, in dem er die ganze Nacht hindurch treue Totenwacht gehalten, um sich erschöpft, und sterbenstraurig auf das harte Ruhebett sinken zu lassen, das da in einem Winkel der schmucklosen Künstlerwerkstätte stand. Tie Augen waren ihm fast auf der Stelle zugefallen, und etwa zwei Stunden lang hatte er im bleischweren, traumlosen Schlummer gelegen. Nun schaute er verwirrt umher, unfähig, die Wirklichkeit sogleich zu begreifen, bis ein Blick auf die halb zerstörte Gruppe inmitten des Ateliers ihm mit einem Schlage alles ins Gedächtnis zurückrief.
Tief aufstöhnend barg er das Gesicht in den Händen. Nie zuvor, nicht einmal am Todestage seiner heißgeliebten Mutter, war ihm das Leben so leer, die Welt so trostlos öde erschienen, als bei diesem Erwachen. Ihm war, als sei mit dem edlen Manne, an dessen Seite er hier so oft m froher und reiner Begeisterung geschaffen, alles gestorben, was seinem Dasein Reiz und Inhalt verliehen. Ein nie gekanntes Bangen schlich durch seine Seele, ein dumpfes Grauen vor der Zukunft machte ihn fröstelnd erschauern.
Tann aber trieb der Gedanke an Erika, und die Sorge um sie, ihn von seinem Lager empor.
Welche Angst hatte er am verflossenen Abend ihretwegen ausgestanden. Unmittelbar nach dem Hinscheiden des Professors war sie in eine schwere Ohnmacht gefallen, und erst nach langem Bemühen hatte der eilig geholte Doktor Reimers sie ins Bewußtsein zurückrufen können, ülan hatte sie sogleich, in ihr Schlafzimmer gebracht, das
dem jungen Bildhauer natürlich verschlossen bleiben mußte, und nur durch das Mädchen, das ihr mit großer Hingebung Beistand leistete, war ihm von Zeit zu Zeit eine Nachricht über ihr Befinden zugekommen. Wohl hatte er von dem Arzte, als derselbe gegen Mitternacht das Haus verließ, die beruhigende Versicherung erhalten, daß Erika nach seiner Ueberzeugung nicht eigentlich krank fei; aber Doktor Reimers hatte sich doch verpflichtet gefühlt, hinzuzufügen, die Nerven des jungen Mädchens schienen ihm in hohem Maße angegriffen, und er könne deshalb nicht dafür bürgen, daß sie die unvermeidlichen Aufregungen der nächsten Tage ohne ernsten Schaden überstehen werde. Für diese Nacht hoffe er ihr durch ein Schlafmittel die vor allem notwendige Ruhe verschafft zu haben, und morgen werde er natürlich wieder nach ihr sehen. Später hatte Harro noch von der Dienerin gehört, daß Erika anscheinend ruhig schlafe; wiedergesehen hatte er sie bis zu diesem Augenblick nicht, und er fühlte danach jetzt ein so heißes Verlangen, daß er hastig seine etwas derangierte Toilette ordnete, um unverzüglich in die Wohnung hinüberzueilen.
Ein Geräusch hinter seinem Rücken veranlaßte ihn, sich umzuschauen, und er sah erst jetzt, daß er während seines kurzen Schlummers nicht allein gewesen war. Der alte Kruschke war es, der da aus einem Winkel hervorgekommen war, wo er allem Anschein nach die ganze Nacht zugebracht hatte. Er sah sehr niedergeschlagen, und bekümmert aus, und sein graues Haupt war gesenkt, wie unter einer schweren Last. Mit schleppenden Schritten kam er auf den jungen Bildhauer zu, und reichte ihm die Hand — eine Vertraulichkeit, die er sich vorher nie herausgenommen hatte.
„Guten Morgen, Herr Harro!" sagte er. „Jetzt ist er also tot. Was sollen wir nun ohne ihn anfangen? Und was wird aus alledem hier werden?"
„Ich weiß Ihnen auf das eine so wenig zu antworten, als auf das andere, mein guter Kruschke! Ich weiß nur, daß wir beide mit ihm ein Stück von unserem eigenen Leben verloren haben, und daß wir eine lange, lange Zeit brauchen werden, es zu überwinden."
„O, Sie werden es schon überwinden, Herr Harro! Sie sind ja noch so jung! Ich aber wollte, daß ich statt seiner. auf der Bahre läge. Seit mehr als dreißig Jahren habe ich hier mit ihm gelebt. Und wie oft er mich auch angeknurrt hat, ich habe doch keinen Menschen auf der Welt so lieb gehabt, wie ihn; denn ich habe sein Herz gekannt. Und es war ein goldenes Herz, Herr Harro!"
„Tas war es. Niemand weiß es besser, als ich. Ist mir mit ihm doch zugleich der Vater und der treueste Freund genommen worden."
„Und zu denken, daß es vielleicht noch garnicht hätte sein müssen — daß wir ihn noch eine gute Weile Hütten


