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alle jene kleinen Gebrauchsgegenstände, die wir selbst täglich benutzen, und die uns durch! tue Macht der Gewohnheit ganz unentbehrlich! geworden sind. Wir wenden unser ganzes' Interesse dem Neuen, dem Unbekannten zu, obwohl wir noch! mit den alltäglichen Dingen, die beständig durchs unsere Hände gehen, so wenig vertraut sind, daß, wir im Grunde gar nicht verdienen, Kinder eines industriellen Zeitalters genannt zu werden.
Unter zehn Gebildeten werden uns neun über die Be- schasfenheit -einer elektrischen Batterie, aber kaum ein einziger über die Entstehung von Messer, Gabel und Schere Auskunst geben können; denn wer sollte sich, mit solchen Kleinigkeiten abgeben, deren Erfindung man bis! auf die wilden Urvölker zurückführen kann.
Aber — so möchte ich! einwenden — es ist gerade interessant, zu sehen, wie sich die moderne Industrie aller Mittel unserer vorgeschrittenen Technik bedient, um auch' das kleinste Instrument zu einem nahezu vollkommenen Werkzeug zu machen — wie sie mit Hilfe sinnreicher Arbeitsmaschinen in Sekunden ein Werk vollbringt, auf dessen Ausführung früher der Handarbeiter Stunden im Schweiße seines Angesichtes verwenden mußte. Eine Darstellung der heutigen Fabrikation von Messer, Gabel und Schere, diesen uralten Zeugen der Kultur, wird uns bieg' am besten erläutern, und wir werden erkennen, wie sehr diese Gegenstände, an denen wir sonst gar nichts Interessantes bemerken, unsere Beachtung verdienen.
Der Gebrauch der Tischmesser wurde erst im 16. Jahrhundert allgemein. Aber schon früher wurde die Messerschmiedekunst als ein selbständiges Handwerk betrieben, und der englische Schriftsteller Laland wußte schon im Jahre 1838 von einer Straße in Birmingham zu berichten, in welcher hauptsächlich, Schflniede und Messerschmiede hausten. Heute wohnen die englischen Messerschmiede hauptsächlich! in Sheffield, wenn auch! Birmingham noch immer ein Haupt- Jndustrieort für Schneidewerkzeuge jeder Art geblieben ist. In Deutschland bat die Fabrikation schon seit Hunderten von Jahren in dem ehemaligen Herzogtum Jülich-Klev-e- Berg, sowie dem angrenzenden Bezirk Westfalen ihren Sitz, ganz besonders aber in Solingen. Im Jahre 1571 wurde die Messerschmiedefabrikation zu Solingen durch- ein Privilegium ausgezeichjnet; zwar ist die dortige Messerschmiedekunst weit älter, aber bis dähin erfolgte das Schmieden! der Messer auch durch! die Hand der Schwertschmiede. I. A. Henckels war das erste Werk, welches von der Hand- schmiederei zum maschinellen Schmieden überging und Dampfmaschinen und. Dampfhämmer in seinen Dienst stellte.
Man hat bei der Erzeugung von Messern und ähnlichen Stahlwaren folgende Verfahren zu unterscheiden: das Schmieden aus dem Groben, das' Schlagen im Gesenke, das Feilen, Härten und. Anlassen, und endlich das Schleifen und Polieren. Aus dem Stahllager gelangen die einzelnen Stäbe verschiedener Größe zunächst unter schwere Exzenterpressen, welche die Stahlstäbe zu kleinen Stücken zerteilen, deren Umfang gerade einer Messerklinge entspricht. Diese Stahlstücke werden auf Rosten über einem Koksfeuer glühend gemacht, worauf das Stanzen des „Kropfes" unter den Fallwerken erfolgt. Tie Formgebung geschieht durch! eine Matrize, deren untere Hälfte das Gesenke des Ambosses bild.et, während die obere Hälfte an dein Hammerbär fitzt. Jed!es Fallen des' Hammers giebt sofort bent Stahlstück die gewünschte Form. Sobald der Kropf im Rohen aus- geschmied!et ist, erfolgt die Ausstreckung des für die Klinge bestimmten Teiles zur .erforderlichen Länge. Man benutzt für diesen Zweck eine besondere Gattung von Triebwerks- Hämmern, sogenannte Schwanzfederhämmer, welche durch außerordentlich! schnelle Schläge (bis 400 in der Minute) das Ausschmieden des Stahls bewirken. Ter gute Stahl, welcher seine Härte nur bm Kohlenstoff und nicht anderen härtegebenden Körpern verdankt, verträgt keine große Hitze und! muß daher bei der Handschiniederei stets aufs' neue erwärmt werden; man ist abev nie sicher, ob nicht diese häufige Erwärmung die Güte des Stahles beeinträchtigt. Aber bei der rasenden Bewältigung der Schmiedearbeit durchs die Dampfhämmer gelingt das Ausschmieden der Klingen in einem Zuge, wobei durch! den Schnellhammer der Stahl noch, besonders zäh und widerstandsfähig gemacht wird. Wenn dann auch; das dünne Ausschjmieden der Schneiden unter Federhämmern, welchie ein ungeheures Getöse Hervorrufen, ’ erfolgt ist, durchwandern die Klingen eine Prüfungsstafiost, in welcher sie Stück für Stück unter
sucht werden, ob der Stahl die erforderliche Beschäfsenheit erreicht hat. Erst jetzt kommen die Klingen in ein Schnittwerk, wo sie zur rechten Form zugeschnitten werden. Jedes Stück wird auf einen sogenannten Schnittsaum gelegt, dann fetzt der Fuß! des Arbeiters die Exzenterpresse in Bewegung, und« in demselben Moment fällt die richtig zu- geschnittene Klinge in einen Kasten, während! die Stahlabfälle zur späteren Verwendung bei Seite gebracht werden, Aber jetzt hat erst die Klinge die rechte Form erlangt; es fehlt nur noch die Angel, vermittelst deren die Klinge im Holz- oder Metallgriff befesfigt werden must Bei Herstellung des Kropfes ist unterhalb desselben ein Stückchen des Stabes stehen geblieben, das nun auf Hammerwerk- zeugen zur Angel ausgereckt wird.. Das Messer' geht nun wieder durch' die Hände eines Kontrolleurs', der erforderlichenfalls die Angel in die nötige Richtung zu bringen hat, worauf das Härten und Einschlagen des Fabrikzeichens erfolgt.
Beim Härten wird, die glühende Klinge und zwar zuerst mit der Spitze in kaltes Wasser getaucht, doch! finden für bessere Artikel auch! noch, besonders erprobte Härtungsflüssigkeiten Anwendung. Damit die Klingen nicht zu spröde ausfällen, muß aber die Härte nachträglich! wieder vermindert werden; das geschieht durch das Anlassen oder Tempern der Klingen. Eine Stelle wird blank gescheuert und hierauf der Stahl soweit erhitzt, daß er violett oder blau anläuft. Jetzt gelangt die Klinge nach! der drittel Kontrollstati-on unb von hier aus, wenn ihre Beschaffe,l- heit als tadellos erkannt wird, in die Schleiferei.
Man hat drei Vorgänge des Schleifens! zu unterscheiden: das Vorschleisen, das Feinschleifen und das Polieren. Tas Vorschleifen geschieht durch gvoßje, sich! drehende Schleifsteine; sie müssen für die Tischmesser eine große Peripherie haben, weil diese im Gegensatz zu den Rasiermessern und anderen hohlgeschliffenen Schneiden, flach geschliffen werden. Tie Henckelssche Fabrik besitzt etwa 110 Schleifsteine, von denen etwa 40 einen Durchmesser von 8 und 9 Fuß answeisen. Aber die größte Zahl der Messer wird in den an der Wupper belegenen Schleifkotten bearbeitet.
Durch! das' Feinschleisen wird' unter Anwendung verschiedener Sorten'Schmirgel und 'Poliermittel eine größere Glätte und erhöhter Glanz erzielt. Diesem Zwecke dienen hölzerne, sorgfältig ausbälanzierte, häufig mit Leder bekleidete Schleificheiben, welche bis zu 3000 Umdrehungen in der Minute machen. Diejenigen Schleifscheiben, welche man zur Bearbeitung Von Gabeln und Trschmessern verwendet, werden mit Leim bestrichen und mit gepulvertem Schmirgel bestreut, der sich! beim Trocknen des Leimes auf der Scheibe befestigt.
Tas Polieren zur Hervorbringung des! höchsten Glanzes auf besonders feinen Erzeugnissen erfolgt meist vermittelst hölzerner mit Büffelleder überzogener Scheiben, auf welche man geschlämmtes rotes! Eisenoxyd mit verdünntem Spiritus aufträgt.
Hat nun die Klinge glücklich alle Prüfungen überstanden, so wird sie mit Heft und Zwinge versehen. Tie Herstellung der hölzernen Hefte erfolgt ganz auf maschinellem Wege. Es' finden hierzu einheimische und fremde Hölzer mannigfachster Art, unter anderem das beliebte Ebenholz der Insel Ceylon, Verwendung. Tie vierseitigen Angeln befestigt man im hölzernen Heft mittelst eines aus Pech und Ziegelmehl bestehenden Kittes, während die Befestigung in metallenen Heften durch Eingießen von Blei erfolgt. Flache blattförmige Angeln werden zwischen zweiteiligen Heften eingelegt und durch einige Nieten mit diesen verbunden. Dann schneidet der Bändemacher die eisernen oder neusilbernen Streifen für die Ringe aus, biegt und lötet sie zusammen, worauf sie um das Heft gelegt und poliert werden.
Man sieht es einem einfachen Tischmesser wirklich! nicht an, wie mannigfachen Kunstgriffen es! unterworfen wird, uni seiner Ausgabe im Haushalte gewachsen zu sein. Und doch! habe ich nur ein ganz einfaches', typisches Messer heraus- gegrifsen, um an ihm die Entwickelung der Fabrikation zu erläutern. In Wahrheit giebt es viel verzwicktere Schneidewerkzeuge, deren Entstehung man viel ausführlicher behandeln müßte; dazu gehören auch, die Taschenmesser, von denen im Henckelsschen Zwillingswerk ca. 2000 verschiedene Muster erzeugt werden.
Beim Schmieden der Gabeln wird wieder die untere


