Ausgabe 
1.9.1901
 
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Volke allgemein bekannt ivareit, sind jetzt von diesem der-. gessen. Keim Diebsgejindel und Vaganten tum aber haben I sie sich bis heute erhalten, wenn sie auch meist nicht I mehr die grauenhafte Bedeutung haben wie damals, wo I sie fast stets Mord und Brandstiftung bezeichneten.

Wer kein Quellenstudium treibt, kann sich aus den I modernen Geschichtswerken kaum mehr eine Vorstellung I machen, wie es in der guten alten Zeit zuging; aber! bei' der Lektüre von Schriften wie dem Simplicius Sun- I plizissimus und ähnlichen Litteraturwerken des 15. bis I 17. Jahrhunderts bekommt man einen Begriff, daß Hun- I derte vertierter und verwilderter Banden damals raubend, I sengend und plündernd durch das deutsche Land zogen. I Dieses verruchte Gesindel, für welches der einfache Galgen 1 wirklich eine viel zu milde Strafe war, stand durch seine I Geheimzeichen (der Name, Zinken ist erst im Anfang des I 17. Jahrhunderts aufgekommen) unter einander in steter I Verbindung. Eine große Anzahl derselben ist in einem I heute recht seltenen BüchleinDer Mordbrenner Zeichen und Losungen, etwa beh dreihundertundvierzig; ansge-1 schickt Anno 1540" abgebildet, von denen noch heute manche benutzt werden. So bedeutete ein gefiederter Pfeil odet ein liegendes Kreuz mit Seitenstrichelung, daß das damit ge-1 kennzeichnete Haus der Rache der Landstreicher verfallen sei, und angezündet werden solle. Waren an die Strichemng I noch Ringe gezeichnet, so sagte dies, daß Brennstoff im Hause bereits vorhanden sei. Suchte der Verbrecher und das gilt noch heute ebenso tote vor 400 Jahren Kumpane zur Ausführung seines Anschlages, fo mußte er sich Gleichgesinnten mitteilen. Er zeichnete daher an einem Kreuzwege, an der Wand eines verfallenden em- kamen Gebäudes, oder an einer einsamen Kapelle tm | Walde seine Marke oder sagen wir kurzweg sein Wappen eine Eule, eine Schlange, einen Frosch) oder irgend« ein anderes Getier mit einer für den Laien unlesbaren Datumbezeichnnng. So bedeutet z. B- eine Eule, dahinter ein Schlüssel, dann zwei senkrechte Striche und drei stehende Kreuze, daß der Träger des Eulenzeichens einen Einbruch der Schlüssel beabsichtige; wer mitthun wolle, möge sich zwei Tage die beiden Striche vor Charfreitag das Kreuz Chrisfi und das der beiden Schächer zu einer Besprechung ein find en. Wer es las, setzte dann zur Be- stätiauna des Gelesenen sein eigenes Gaunerwappen dar­unter, und die eigens organisierte Gaunerbande war fertig.

So bildete sich eine ganze Gaunersprache tn Bildern heraus. In evangelischen Ländern glaubte man damals im Reformationszeitalter, daß es die Zeichen von Mord­brennerbanden seien, um die Protestanten durch Mord und Brandstiftung zu vernichten. Die greUelvollen Zeiten des dreißigjährigen Krieges, wo dieses Zeichenwesen in seiner höchsten Blüte stand, zeigten aber, daß es allgemeine Verständigungsmittel des vogelfreien Gesmdels waren.

Noch heute werden solche Zinken vielfach verwandt, um ein geplantes Verbrechen zu organisieren. , So teilt Groß einen höchst interessanten Gaunerzinken mit, welcher aim den Bildern eines Papageis, einer Kirche, emes Schlusses, j drei rundlichen Gegenständen im steierischen Bauern- . Kalender das Zeichen der Steine, mit denen , der heilige Stefan getötet wurde und einem Säugling tn den Win­deln Symbol der Geburt Chrisfi besteht. Das ganze läßt sich sehr einfach lesen. Es bedeutet, daß eut m leinen Kreisen wegen seiner umfangreichen Sprachkenntnisse daher der Papagei bekannter Verbrecher am Stefani- tage - 26. Dezember - wo der Opferstock vermutlich mit Gaben reich gefüllt war, in eine Kirche embrechen wolle, und daß er am Christtage am Ort, wo das Zeichen ange- malt war, auf Teilnehmer warte.

Die Zahl derartiger Beispiele ließe sich ins endlose vermehren, das hier angeführte genügt aber schon, um eine Vorstellung von der Bedeutung und der Vielseitigkeit der Gauneriznken zu ermöglichen, über welche derjenige, der 'sich besonders dafür interessiert, in dem bereits an­geführten Buche von Groß nnd in Üve-Lallements aus­führlichem, vierbändigen, aber schon etwas veraltetem WerkeDas deutsche Gaunertum" das nähere findet.

Uebrigens ist bei schweren Verbrechern der Gebrauch der Zinken in langsamer Abnahme begriffen, da sie es in einer Zeit, wo fast jeder schristkundig ist, vorztehen, sich durch Anschreiben ihrer Spitznamen zu verständigen.

Daß man dasjenige, was man andern mitteilen, aber vor ungewünschten dritten verbergen will, durch Zeichen ausdrückt, liegt tief in der menschlichen Natur begründet; denn unsere Schrift ist ja ursprünglich auch auf diesem Weg entstanden. Es ist daher nicht wunderbar, daß wir ähnliches bei allen Völkern finden. Die indische Mörder- sekte der Toughs, die religiöse Sekte der Babi, welche 1896 den Perserschah Nassr-Eddin ermorden ließen, die po­litisch-religiöse muhamedanische Sekte der Assassinen, welche seit den Kreuzzügen mehrere Jahrhunderte hindurch in Persien, Syrien und Paläsfina eine schreckvolle Rolle spiel­ten, ja selbst die Boxer in den jetzigen chinesischen Wirren bedienen und bedienten sich ähnlicher Zeichen.

Wenig bekannt dürfte es übrigens sein, daß es neben den optischen am| akustische Zinken giebt. Das Krähen des Hahnes, der Ruf der Wachtel, der Schrei einer Eule, das Quaken eines Frosches, der Unkenruf «Usw. haben für das Vagantenvolk jeder seine besondere Bedeutung. Wer zur Sommerszeit einen Vagabunden aus sicherem Verstecke die Landstraße dahinziehen sieht, versuche es einmal mit diesen Tierrufen. Er Wird die merkwürdigsten Beobacht­ungen machen können, wie jener bald vorwärts, bald rückwärts geht, bald nach links, und bald nach rechts ausweicht, und schließlich ganz in Verwirrung gerät.

Die von diesem Gesindel gebrandschatzte Hausfrau sehe I sich aber einmal die HaiMhür, die Treppen und die Wände an der Wohnungsthür genau aus Zinken an. Viel­leicht wird sie dann den Schlüssel zu dem Geheimnis finden, warum gerade bei ihr so anhaltend gebettelt wird.

Gemernnützige».

Nervenschwäche. Es ist schwer, den Begriff der Nervenschwäche klar zu bestimmen, ebenso ihre allbe­kannten, außerordentlich wechselnden Erscheinungen unter einem Bilde zusammenzufassen. Ihr Wesen besteht zwar einfach! in einer Schwäche der Nerven; aber so unendlich verschieden, wie die Funktionen dieser Organe find, find auch die äußeren Anzeichen der Nervosität, die übrigens beiläufig bemerkt, durchaus nicht blos die Krankheit unseres Jahrhundert ist, sondern, wie aus den ganz klaren Schilderungen der griechischen medizinischen Litteratur hervorgeht, schon seit Jahrtausenden bekannt ist Das Leiden ist im hohen Grade erblich); von großer Wichtig­keit ist es daher, Kinder nervöser Eltern frühzeitig durch eine rationelle körperliche Abhärtung (kalte Bäder, Aufent­halt in freier Luft rc.) und eine gesunde Ernährung, ebenso wie durch) Vermeidung allzu ftüher geistiger Ueberansfieng- ung vor dem Leiden zu bewahren.

Einmachen von Tomaten. Den reifen Früchten wird die Schale abgezogen, sollte sie zu fest sitzen, so halte man die Früchte einen Augenblick in kochendes Wasser. Auf ein halbes Kilogramm Frucht lautere man 125 Gramm Zucker, nehme ihn vom Feuer und drehe die Tomaten darin um, hebe sie nach einigen Minuten heraus, lege sie in eine Terrine und koche den Saft noch etwas I ein gieße ihn über die Tomaten und lasse sie drei Tage stehen. Hierauf wird der Saft behutsam abgegossen, man läßt ihn kochen, wendet die Tomaten abermals vorsichtig um und wiederholt dies nochmals nach drei Tagen. Nach dem letzten Umwenden läßt man die Früchte ablaufen, legt sie in die Gläser, kocht den Saft kurz ein und gießt ihn heiß darüber.Prakt. Wegw.", Würzburg.

Delphischer Spruch.

Nachdruck verboten.

Brausend kommt cs daher, du siehst nichts, aber du fühlst es. Kommt ein Zeichen hinzu, rankt eS sich blühend empor.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Geheimschrift in vor. Nr.:

Dünkel ist ein Kind der Dummheit.

Redaktion: E. Burkhardt. - Druck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruüerei (Pietsch Erben) in Gießen.