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an und schellte nach) dem Frühstück. Während er' nun auf das letztere wartete, trat er an das Fenster, welches die Aussicht auf den Marktplatz hatte, auf den vier verschiedene Straßen mündeten, die er so ziemlich übersehen konnte. Die Stadt schien nicht allzu lebhaft zu sein, nur einzelne Passanten durchquerten die Straßen, und diese bestanden meist aus Bäckerjungen, Milch Verkäufern und Dienstmädchen, die ihre Morgeneinkäufe besorgten.

Die Straßen waren reinlich und ziemlich! breit, und die Häuser, wenn auch nicht allzu hoch!, doch! sauber, meist frisch gestrichen, fo1 daß das Ganze den Eindruck einer aus­gepackten Kinderspielzeugschachtel machte.

Der Kellner hatte jetzt den Kaffe serviert. Held wandte sich in das Zimmer zurück unb; genoß! nun mit Behagen sein Frühstück, wie ein Mann, der, wenn auch arbeits-- reicher, doch lohnender und glücklicher Zukunft entgegensieht.

Nachdem er dann seinen Magen versorgt, nahm er Hut und Stock und begab sich aufs Amtsgericht. Es war noch ziemlich früh, so daß! nur einige Schreiber bei ihrer Arbeit saßen. Er ließ sich vom Gerichtsdiener das Pro­tokollbuch für dze heutigen Verhandlungen geben, blätterte darin und ging die einzelnen Fälle durch, er gewann so einigermaßen eine Uebersicht, das Weitere würde sich ja aus den Verhandlungen ergeben. Auch hoffte er vorher noch einige Auskunft von den anderen mitkonferierenden Herren zu erhalten, auf deren zeitiges Erscheinen hoffend, da denselben seine heutige Ankunft bekannt sein mußte.

Er hatte sich darin auch nicht geirrt, die Herren traten bald an, sie mochten auch wohl durch den Gerichtsdiener von seiner Ankunft benachrichtigt sein; denn sie stellten sich ihm alsbald vor und erboten sich, Auskünft über die heute vorliegenden Fälle zu geben.

(Fortsetzung folgt.)

Bettler- und Gaunerzinken.

T- Von Adalbert von Minckwitz.

(Nachdruck verboten.)

Gar manche Hausfrau wird schon ärgerlich den Kopf darüber geschüttelt haben, warum gerade an ihrer Wohnungs- thür tagtäglich, ein oder mehrere Bettler und arme Reisende, Gaben heischend, vorsprechen, während die Thür des auf demselben Flur wohnenden Nachbarn von der­artigen unliebsamen Besuchen verschont bleibt. Wenn sie einiges Physiognomiengedächtnis hat, wird sie bald be- merken, daß es durchaus nicht dieselben Individuen, son­dern immer wieder andere, fremde sind, die ihre Mild- thätigkeit ansprechen. Nachdem sie eine stattliche Anzahl von Nickelstücken auf dem Altäre der Nächstenliebe geopfert hat, wird ihr die Sache zu bunt. Sie will zwar den Bitten­den nicht gänzlich unbedacht fortgehen lassen; aber sie geht dazn über, ihn mit etwas übrig gebliebenem Essen, einem Stück Brot, vielleicht, wenn sie auf dem Lande wohnt, auch mit etwas Obst, Eiern und dergleichen abzu­fertigen. Einige Wochen vergehen, und schon hat der Strom der Bettler bei ihr wesentlich abgenommen, und versiegt schließlich gänzlich. Es ist, als ob die Bettler der ganzen Gegend genau gewußt hätten, daß sie eine offene Hand besitzt, aber nun auch wüßten, daß es an dieser Thür kein bares Geld mehr giebt, das sich in Schnaps umsetzen läßt, sondern nur itod). Gßwaren, an welchen dem echten Vagabunden in der Regel herzlich wenig ge­legen ist.

Unsere Hausfrau kann völlig beruhigt sein; die Sache ist ganz in Ordnung; denn die Herren Stromer sind sehr genau über sie unterrichtet, und jeder neue, derauf der Walze", wie es in. der Landstreichersprache heißt, des Wegs daherkommt, weih, welchen Empfang er bei ihr zu erwarten hat, dank den vorzüglichenZinken", welche seine Vorgänger zu seiner Orientierung zurückgelassen haben. Ein unscheinbarer, wie von Kinderhand an die Wand neben dem Eingang mit Rötel oder Bleistift hingeworfener Kreis ist ein Symbol für Geldstücke und bedeutet, daß man hier auf bare Münze rechnen kann; ein liegendes Kreuz dagegen bedeutet, daß vom Inhaber dieser Wohnung nichts zu holen ist; ein Kreis, welcher durchkreuzt ist, heißt so viel, als der Vagabunde erhält hier kein Geld, sondern

wird mit Nahrungsmitteln abgefertigt; findet der Land­streicher aber an einer Wohnung das Zeichen eines. Säbels oder' eines Gewehrlaufes mit Bajonett, so flieht er diese, wie der Teufel die heiligen Orte; denn diese Zeichen sagen ihm, daß er dort Gefahr läuft, die Polizei oder den Gendarm auf den Hals gehetzt zu bekommen.

Natürlich giebt es noch, eine Menge anderer Zeichen, die ähnliches bedeuten, so sagt eine Flöte dein Bettlerhier kannst Du flöten gehen" oderhier ist nichts zu holen", während eine Geige hier hängt der Himmel voller Geigen ebenso auf große Freigebigkeit deutet, wie eine geöffnete Hand.

Letzteres Zeichen fand ich vor kurzem auf einem Spaziergange durch einen der vornehmen südwestlichen Berliner Vororte in wahrhaft genialer Weise dazu ver­wandt, um den ehrenwerten Mitgliedern der Bettler­zunft alle Mühe und namentlich das Treppensteigen zu ersparen. Am Mauerwerk des Eckhauses waren zwei Pfeile mit entgegengesetzter Spitzenrichtung parallel über ein­ander aufgezeichnet, und in der Richtung der Spitzen einige anscheinend wahllos hingeschriebene Zahlen. In Wahrheit war dies jedoch ein Wegweiser, welchen ein Vagant für sich und etwaige Nachfolger ausgezeichnet hatte; denn an sämtlichen an der Ecke nicht verzeichneten Häusern sand sich rechts an der Eingangsthür ein Kreuz, dessen Bedeutung schon genannt ist, während an den übrigen, an der Ecke gekennzeichneten Häusern links und rechts von der Hausthür in der Höhe, wie sie auch von Kindern erreicht werden kann, anscheinend unabsichtlich! Zahlen von 1 bis 3 und hier und da Einsen jedesmal mit einem Kreis eingekritzelt waren. Eine bessere Uebersicht konnte sich na­türlich der Bettler, der diese Straße abgrasen wollte, gar nicht wünschen.

Diese geheimen Verständigungsmittel des Gaunertums sind keineswegs ein Produkt der Neuzeit, sondern sehr alten Datums; sie sind eine Art Hieroglyphen, eine Bilder­schrift, die zu einer Zeit entstanden ist, als die Kunst des Lesens noch auf wenige Personen beschränkt war, welche aber auch von den des Lesens unkundigen Eingeweihten ohne weiteres verstanden werden konnte, und sich bis heute erhalten hat, weil sie den Vorteil bietet, daß der naive Bewohner der heimgesuchten Wohnung sie zu den­jenigen Produkten des Kunstsinnes rechnet, von welchem es heißtKinder- und Narrenhände beschmutzen Tisch und Wände". Wenn sie nur die Aussichten auf erfolgreiches Betteln darstellen, so sind sie noch verhältnismäßig harm­los; aber oft bedeuten sie Einbruch, Raub, Mord und andere schwere Verbrechen, und diesen Sinn hatten sie auch vornehmlich in früheren Jahrhunderten, als die staat­liche Ordnung noch nicht so erstarkt war, wie in der Gegen­wart, welche auch ohne die barbarischen Strafen der Ver­gangenheit einigermaßen dieses anarchische Gesindel ein­geschränkt hat, das in stetem Kriege mit allen lebt, die dem ruhigen und ehrlichen Erwerbe nachgehen.

Zum Teil sind die Zinken uralt. Wenn zum Beispiel eine Zigeunerbande ihren zurückgebliebenen Nachzüglern oder andern Zigeunern kundthun will, in welcher Richtung sie an irgend einem Kreuzweg weiter gezogen sind, so steckt sie an dieser zweifelhaften Stelle, wie Dr. Hans Groß in seinem vorzüglichen BucheDer Untersuchungsrichter" mitteilt, einen abgeschnittenen Ast, von welchem sich, drei Aestchen gabeln, in die Erde und biegt das mittlere Aest- chen in jene Richtung, nach welcher der Wanderer weiter ziehen muß, um seine Genossen zu erreichen. Dieses Zeichen ist aber durchaus kein ausschließlich zigeunerisches; denn der größte Kanzelredner des Mittelalters Berthold von Regensburg (gestorben dortselbst am 13. Dezember 1272) sagt schon in einer in der Leipziger Handschrift Nr. 496 enthaltenen, bis jetzt noch nicht gedruckten Predigt, wie Professor Schönbach mitteilt,der Teufel macht es so wie die Räuber, welche an den Wegen mancherlei Zeichen an» bringen, damit die Wanderer glauben, sie seien ans dem richtigen, während sie durch diese Zeichen geradeswegs zu den Höhlen der Räuber gelockt werden; dieser Zeichen aber gebe es drei, nämlich gekreuzte Aestchen, zusammen­gelegte Steine und verknüpfte Ruten oder Dornsträuche."

Die meisten dieser Zeichen, welche im Mittelalter im