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mengen, von deren Dasein wir uns an jedem Halbwegs trockenen Sommertage überzeugen können? Ein griechischer Naturphilosoph hat schon vor zweieinhalb Jahrtausenden den Satz ausgesprochen, daß sich alles in der Welt in ewiger Bewegung befindet. Wo aber Bewegung ist, reibt Materie an Materie und reißt kleinste Teilchen derselben los, welche nun ein selbständiges Dasein führen, falls sie nicht einer chemischen oder mechanischen Bindung oder Auflösung verfallen.
Aus diesem Grunde erzeugt jegliche menschliche Arbeit ©taub; bei jedem Schritte, den wir thun, werden feinste Teilchen der Ledersohle ebenso wie des Bodens, den wir treten, zerrieben und zerfasert; die Pferdehufe und Wagenräder besorgen dasselbe Geschäft in ungleich größerem Maßstabe. Ganz Bedeutendes aber leisten in dieser Hinsicht unsere Maschinen, welche bei dem Hin- und Hergehen ihrer Teile fortwährend Staub erzeugen, der entweder sofort oder, sobald er ausgetrocknet ist, seine Wanderschaft beginnt. Ein Eisenbahnzug von mittlerer Länge verwandelt, wie man aus dem Gewichtsverlust der Schienen berechnet hat, während einer Fahrt von einem Kilometer jedesmal über ein Kilogramm festesten Stahles der Geleise in feinste Eisensplitter; durch den Druck des Zuges auf die Schienen und Schnellen und die darunterliegende Kiesschüttung geschieht innerhalb der letzteren ein gleiches, und man denkt deshalb jetzt ernsthaft daran, nach amerikanischem Vorbilde den immer unerträglicher werdenden Eisenbahnstaub durch Besprengung der Kiesschüttung mit Petroleum an letztere zu binden.
Wie überall, ist aber auch hier das Werk der Menschenhand etwas Geringfügiges im Vergleich mit den Naturgewalten. Der stete Wechsel von Kälte und Hitze, von Nässe und Trockenheit führt zu einer Verwitterung der Gesteine, welche ungeheure Mengen mineralischen Staubes liefert. Die ganze Ackerkrume und alles das, was die Tiefebenen der Erde ausfüllt, ist im Grunde nichts anderes als Staub, der in Jahrmillionen von den stolzen Zinnen der damals noch viel höheren Gebirge abgesplittert und durch die Luft und das Wasser weit weg von der Stätte seines Ursprunges fortgetragen ist. Welche ungeheuren Mengen Staub im Sandmeere der Wüsten durch die reibende Wirkung des Windes erzeugt werden, wurde uns vor kurzem erst handgreiflich dargelegt, als ein' heftiger und andauernder Wüstenwind nach .ganz Süd- und Mitteleuropa Millionen von Zentnern Saharastaub entführte, der bei uns die seltene Erscheinung des Btutregens herbeiführte.
Eine fernere ausgiebige Staubquelle ist in der vulkanischen Thätigkeit zu suchen. Der Ausbruch des Krakatau im Sundaarchipel, wahrscheinlich die gewaltigste vulkanische Eruption in historischen Zeiten, schleuderte int Jahre 1883 gewaltige Staubmassen in so hohe Schichten der Atmosphäre, daß diese während fast zwei Jahren in derselben schwebend biteben und sich über den ganzen Erdball verbreiteten, wobei sie die prächtigsten Dämmerungserscheinungen hervorriefen.
Der Staub ist aber durchaus nicht ausschließlich erloschen Ursprunges; er ist auch; in den entlegensten Fernen des Weltalls zu finden, wo er mächtige Dunstballen bildet, die uns als Nebelflecken erscheinen; wahrscheinlich erfüllt er in unbeschreiblicher Verdünnung überhaupt den ganzen Weltraum, sodaß ein beständiges, aber unmeßbar langsames Wachsen der Weltkörper durch angezogenen und abgelagerten kosmischen Staub stattfindet Auch das Tierkreislicht gilt nach heute allgemein verbreiteter Annahme als Widerstrahl des Sonnenlichtes auf einem um die Erde schwebenden Ringe, der aus Weltallstaub besteht. In letzter Linie ist schließlich die ganze Schöpfung, soweit sie unseren Sinnen erkennbar ist, nichts als Staub - denn aller Urstoff, ganz gleich, ob fest, flüssig oder gasförmig, setzt sich aus einzelnen Körperchen und Gruppen derselben zusammen, denen wir, sobald sie ein Sonderdasein führen,nicht verschiedene Beschränkungen beilegen können,und bon denen jedes einzelne nichts anderes ist als ein ©taub» ajen von für uns unmetzbarer Kleinheit.
So lange wir leben, ist der Staub, aus dem wir selbst bestehen, eine fortwährende Gefahr für uns, und es ist
unverantwortlich von uns, daß wir ihm in unseren Wohnungen soviel Schlupswinkel bieten, in denen er sich ein- nisten kann. Eine Hauptschuld hierbei tragen freilich unsere Herren Baumeister, welche noch vielfach der Gepflogenheit huldigen, die Zwischenräume zwischen der Decke des unteren und dem Fußboden des nächsthöheren Stockwerkes mit Bauschutt auszufüllen, durch; welchen natürlich in die prächtigen Neubauten sofort Unmengen gemeingefährlichen Staubes eingeführt werden.
Ist der Staub nun auch eine unangenehme Beigabe der sommerlichen Wandertage, so wird er deswegen doch! nicht dem Touristen die Freude an der Natur vergällen. Man wehrt sich seiner, so gut man kann, und wenn wir nach erhitzender staubiger Fußwanderung unfern Leib dem krystallklaren lebendigen Wasser überantwortet haben und in frischer Gewandung die Sommerluft mit vollen Zügen gemessen, erkennen wir mit Wonne, daß Mephistopheles mit seinem schlimmen Wunsche:
„Staub soll er fressen und mit Lust
Wie meine Muhme, die berühmte Schlange"
wieder einmal gegenüber dem menschlichen Gutdünken zu Schanden geworden ist.
Gemeinnütziges.
Grüne Bohnen so zu trocknen, daß sie grün und recht schmackhaft bleiben. Je mehr Gartenfrüchte die Hausfrau besitzt, desto eifriger ist sie bestrebt, dieselben für den Winter einzumachen. Wenn nun auch Konservenbüchse und Konservenglas vorzügliche Dienste thun, so liegt es doch; auf der Hand, daß die Hausfrau auch, gern auf bequemere Art Gemüse aufbewahrt, wenn dies möglich ist. Die Bohnen bilden ein besonders beliebtes Wintergernüse, und je leichter es ist, größere Mengen Zu konservieren, desto vorrteilhafter ist dies für den Haushalt, und desto rationeller kann die Hausfrau wirtschaften. In Nr. 16 des „Erfurter Führer im Gartenbau" finden wir eine Reihe von Rezepten zum trocken Aufbewahren der Bohnen, die jeder Hausfrau empfohlen werden können. Wir thun dies mit dem Hinweis, daß unsere Abonnenten die Nummer kostenfrei erhalten können, wenn sie sich mittels Postkarte an das Geschäftsamt des Erfurter Führers wenden.
Vermischtes.
Woher st ammtdieBenennung„PfundSter- ling?" Das war für den deutschen Handel noch eine goldene Zeit, als der Hansebund blühte. Der beherrschte den Weltverkehr, und der englische Handel war ganz von dem mächtigen deutschen Städtebund abhängig, so abhängig sogar, daß die Engländer nur mit dem Geld der Hanseleute rechneten, welches allein bei ihnen im Kurs war. Die Hanseaten wurden von den Söhnen Albions „Easterlings", b. i. die Osterlinge, weil sie östlich von England, wohnten, genannt, und so entstand die Bezeichnung für die umlaufende Münze: Ein Pfund des Geldes der Easterlings. Allmählich machte man es sich, bequemer, und ließ die erste Silbe fort, und es, blieb: ein Pfund Sterlings. Das Schluß-s siel schließlich auch noch fort. So wird noch heut das englische Geld nach den deutschen Kaufleuten genannt.
Charade.
Nachdruck verboten.
Herr Schulz hat ein Engros-Geschäft Und handelt mit Metallen;
Da liest er, daß das Erste ist
Gar stark im Preis gefallen.
Er ruft dem Zweiten, schreibt dann mit
Dem Ganzen ein paar Worte;
Denn telegraphisch gleich bestellt Er erstes, bester Sorte.
Auflösung in nächster Nummer.
Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


