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Ach!, das wird doch wohl so schlimm nicht sein! Der Schmuck ist ja nicht gestohlen."

Rudolf Jmberg lächelte.Einen solchen Verdacht hegt sicherlich niemand. Und Sie stellen sich das Verfahren übrigens Wohl peinlicher vor, als es wirklich! ist. Die Angabe Ihres Namens, der von meinem Vater natürlich als ein .unverbrüchliches Geheimnis bewahrt wird, und die Vorweisung irgend eines Papiers, das diese Angabe be­stätigt, dürften vollauf genügen."

Aber das ist es ja eben. Ich habe kein solches Papier bei mir und kann mir auch heute abend keines mehr verschaffen. Das Geld aber must ich notwendig heute noch haben. O, es wäre schrecklich, wenn ich unver­richteter Dinge wieder fortgehen müßte!"

Betrübnis und bange Sorge klangen an Stelle der Munterkeit, die sie bisher gezeigt hatte, aus ihren letzten Worten. Bekümmert senkte sie ihr Köpfchen, sodaß der Referendar statt der großen, leuchtenden Augen, die ihn bis dahin voll rührenden, kindlichen Vertrauens ange­blickt haten, nur noch das rote Seiöentuch sah.

(Fortsetzung folgt.)

Allgegenwärtiger Staub.

Eine zeitgemäße Plauderei für den Sommer.

Von Conrad Bergemann.

(Nachdruck verboten.)

Wenn die sommerliche Sonne die Feuchtigkeit des Winters und Frühlings aufgetrocknet hat und mit sengen­den Strahlen auf das vor Hitze zerklüftete Erdreich her­niederscheint, beginnt die Plage des Staubes. In dichter Schicht lagert er auf den Uniformen und den Gesichtern der von der Felddienstübung heimkehrenden Truppen; auch der flüchtig mit Windeseile dahersausende Radfahrer ent­geht ihm ebenso wenig wie der Tourist, wenn dieser nicht gerade über den schwellenden Rasen der Bergwiesen und Alpenmatten marschiert, und attd)i int Eisenbahnabteil ist man keineswegs sicher vor ihm; denn dort tritt er in seiner unangenehmsten Abart auf, als jenes innigfeine Gemenge von Lokomotivruß und geriebenen: Schotter, welches durch die feinsten Spalten dringt und der schweißfeuchten Haut so fest anhaftet, daß nur Seife und Bürste im stände sind, uns davon zu befreien.

In der That, überall, wohin wir blickten, drängt sich der Staub uns auf. Mag die Hausfrau noch! so sorgfältig die Thüren und Fenster verschließen, er findet doch seinen Weg durch die feinsten Ritzen in unsere Zimmer und lagert sich in die Bezüge der Möbel und die Teppiche, die Gar­dinen und auf alle jene kleinen Nippsachen, mit denen der moderne Geschmack unsere Wohnungen auszustatten liebt. Er ist die Hydra, welcher statt eines abgeschlagenen Kopfes sofort zwei neue wachsen, und gegen die unsere weib­lichen Herkulesse in Rock und Schürze mit Wischlappen und Staubtuch einen Kampf ohne Ende führen. Er setzt sich in die Oelfarbe und den Lack unserer Gemälde, deren Farbenpracht keinen ärgeren Feind hat als ihn; er hemmt den Gang der Uhren und anderer feiner Räderwerke, in deren Achsenlagern er unerwünschte Reibung verursacht; dem Chemiker verdirbt er seine feinsten Wagen und sonstigen Präzisionsinstrumente, dem Amateurphvtographen legt er sich zu dessen Verdruß auf die im Trockenen begriffenen Negativplatten und dem Manne der Wissenschaft, der int stillen Laboratorium bakteriologische Untersuchungen an­stellt, fälscht er die Ergebnisse seiner mühevollen Arbeit, wenn ein einziges Staubkörnchen mit etlichen ihtn an­haftenden Bazillen oder Sporen den Weg zu den sorgfältig verschlossenen Bakterienkulturen und Nährgelatinen findet.

Eine Vertilgung des Staubes von Grund aus ist ein Ding der Unmöglichkeit. Wenn die Straßen auch noch, so fleißig gesprengt werden und in der Wohnung auch noch! so peinlich aufgewischt wird, so ist der Staub doch int nächsten Augenblick schon wieder da; denn wenn wir durch ein Loch der geschlossenen Fensterladen einen Sonnenstrahl ins verdunkelte Zimmer fallen lassen, sehen wir, wie sich unzählige Staubteilchen in lustigem Tanze in der Luft tummeln. Man hat die Zahl der in der Luft herum­schwimmenden Staubteilchen bestimmt und dabei ganz un- geheuerliche Zahlen ermitelt; so fand Aitken in freier

Luft bei Regen 32 000, bei schönem Wetter 130000, in normaler Zimmerlust in Kopfeshöhe 1860 000, an der Decke sogar 5420000 Staubteilchen in einem Kubikcentimeter, während er auf dem Rigi bei Regenwetter deren nur 210 in demselben Luftraum ermittelte. Ein großer Teil derselben ist organischen Ursprunges und besteht aus aus­gewachsenen Bakterien oder Sporen derselben, besonders Schimmelpilzen, von denen die Luft int März am wenigsten, nämlich etwa 5500 im Kubikmeter, enthält, während ihre Zahl im Juni auf das zehnfache steigt.

Haben wir nun heute auch jene schreckhaften Vorstell­ungen aus den Anfangszeiten der Bakteriologie über­wunden, in denen man sich entsetzte, daß man mit jedem Atemzuge und jedem Schluck Getränk eine ungeheure Menge unzähliger Kleinlebewesen in sich aufnahm, so haben wir doch den Staub als grimmigen Feind unserer Gesundheit kennen gelernt. Wir wissen, daß es einen wirksamen Schutz gegen ihn nicht giebt; aber die Erwähn­ung, daß die Gefahr mit der Menge des eingeatmeten Staubes wächst, spornt uns zu dem in unserem eigenen Interesse notwendigen Kampfe an.

Einen rechten Begriff von dieser Notwendigkeit be­kommt man erst, wenn man ein Pröbchen Staub unter ver­schiedenen Vergrößerungen im Mikroskope betrachtet. Pflanzenreste und Partikelchen tierischer Nahrung sind da mit rasiermesserscharfen mineralischen Trümmern vermengt, welche durch den Fußgänger- und Wagenverkehr von der Straßendecke losgelöst sind, und wir wundern uns nun nicht mehr, daß diese winzigen, aber zahllosen dolchartigen Staubteilchen, wenn sie mit der Atmungsluft in unsere Lungen gelangen, die feinen Schleimhäute der Lungen­bläschen durch tausendfache, winzige Wunden verletzen können; wenn wir aber ein wenig Staub mit einer geeig­neten Nährflüssigkeit aussäen und unter einer Glasglocke im Brutschränke sich selbst überlassen, wächst binnen 48 Stunden ein wahrhafter botanischer Garten von Bakterien­kolonien heran.

lieber die durch Staub verursachten Krankheiten ist dem Publikum in den letzten Jahren so viel erzählt worden, daß es hier kaum einer näheren Ausführung über diesen Punkt bedarf; alle mit starker Staubentwickelung verbun­denen Gewerbe zeichnen sich unvorteilhaft durch einen ungewöhnlich hohen Prozentsatz von Lungenkrankheiten aus; die Lungentuberkulose, welcher ein Drittel der arbeitenden männlichen Bevölkerung zum Opfer fällt, ist aber vorzugs­weise eine Staubkrankheit, die dann ihren Einzug in den Körper hält, wenn die natürlichen Sch^ttzwehren desselben, namentlich die den Staub entferneude Flimmerbcwegung der Schleimhäute, nickst mehr im stände ist, die großen Staubmengen, die eingeatmet wurden, zu entfernen. Was aber weniger beachtet wird, ist der Umstand, daß auch ein von Kleinlebewesen etwa freier Staub schließlich die Lungen in gefahrdrohender Weise überlastet und daß der, welcher Kohlen- oder Mehlstaub oder den bei Stein­metzarbeiten, beim Steinklopfen und in der Thon- und Porzellanwarenindustrie entstehenden Staub lange Zeit ein­zuatmen gezwungen ist, schließlich! ebenso zu Schaden kommt, wie der Arbeiter in der Gewebsindustrie und der Kürschner, der beim Klopfen eines Renntier- oder sibirischen Blaufuchspelzes vielleicht! die Keime des gefürchteten Milz­brandes einatmet.

Für jenen, der viel Staub schlucken muß und dabei einen staubfangenden Atmer nicht tragen will oder kann, giebt es eigentlich nur zwei Wege, um die ihn bedrohen­den Nebel nach Möglichkeit zu verhiuderu. Er muß sich nämlich daran gewöhnen, ständig durch die Nase zu atmen, weil sich auf diesem Wege die' meisten Staub­teilchen der Atmungsluft auf den Nasenscksteimhäuteu niederschlagen, um von dort gelegentlich entfernt zu wer­den. Die zweite Gesundheitsregel geht aber dahin, daß man in kürzeren Zwischenräumen mehrmals hintereinander tiefe Atemzüge bis zur äußersten, möglichen Grenze der Ein- und Ausatmung machen soll. Hierdurch wird nämlich erstens die Lunge gründlich gelüftet, und wenn hierbei, wie es bei Stubensitzern meistens der Fall ist, Hustenreiz eintritt, besorgen die Hustenstöße, welche man keineswegs unterdrücken soll, außerdem noch eine Befreiung der Lunge von dem in ihr enthaltenen, staubbeladenen Schleim.

Wie entstehen nun eigentliche die ungeheuren Staub-