Ausgabe 
31.5.1900
 
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Bonaparte-Wyse (geb. 1838) war eine eigentümliche hoch- begabte Natur, eine Art Wunderkind. Mit drei Jahren konnte sie lesen, sie lernte alles spielend, und ihre Lern­begierde kannte keine Grenzen. Ende des Sommers 1848 verließ sie, fünfzehn Jahre alt, das Kloster, um in die Welt eingeführt zu werden. Ihre Mutter hatte eine Eiw ladung zu einem Feste in dem Hanse des Grafen Laffitte erhalten und wollte ihre Tochter daran teilnehmen lassen; Maria war sehr erfreut darüber und konnte den festlichen Tag kaum erwarten. Feierlich geschmückt trat sie am Abend in den Salon ihrer Mutter. Die Fürstin Lätitia, stolz auf die Schönheit ihrer Tochter, tadelte aber die Wahl des Kleides und bestand darauf, daß Maria es mit einem anderen vertausche. Die Einwände und der Widerstand des jungen Mädchens reizten sie endlich so heftig, daß sie sich vergaß und ihr eine Ohrfeige gab. Maria war tief gekränkt. Zitternd begab sie sich auf ihr Zimmer, um die von der Mutter befohlene Toilette zu machen. Als sie zurückkam, erschien sie äußerlich ruhig, und Madame Bonaparte, die ihre Heftigkeit längst bereute, war sehr erfreut, keine Verstimmung an der Tochter zu bemerken. Man begab sich nach dem Hause des Grafen Laffitte, wo eine glänzende Gesellschaft versammelt war. Kaum in den Salon getreten, war die Fürstin von dem Grafen Eduard Solms begrüßt und um die Erlaubnis gebeten, Fräulein Maria Lätitia zum Tanze führen zu dürfen. Das Paar stellte sich zur ersten Quadrille, doch kaum erschallten die ersten Töne der Musik, als das junge Mädchen heftig zu weinen begann. Graf Solms führte seine Tänzerin ganz bestürzt in einen Nebensalon und befragte sie tröstend nach der Ursache ihres Schmerzes. Da gestand denn das junge Mädchen:Meine Mutter hat mir eine Ohrfeige gegeben, und das macht mich sehr unglücklich. Ich möchte mich verheiraten. Ich fühle, daß ich meiner Mutter niemals verzeihen werde, so lange ich von ihr abhängig bin. So­bald ich selbständig geworden, werde ich nur ihrer Güte gedenken. Deshalb will ich mich verheiraten. Heiraten Sie mich, Herr Graf, ich bitte Sie darum, ich will so gut und liebenswürdig sein"

Da ist nun freilich ein großes Hindernis", mein gnädigstes Fräulein", antwortete der Graf Solms,ich bin schon verheiratet. Aber ich habe einen Bruder, der gut und tüchtig ist; ich erwarte ihn in einigen Wochen. Wollen Sie den?"

Ja, ich will!"

Dann tanzten beide weiter, Maria war von nun ab in heiterster Stimmung und entzückte den Grafen durch ihr Geplauder.

In einigen Wochen aber traf Graf Friedrich Solms ein und hielt bei der nicht wenig darüber erstaunten Fürstin Lätitia um die Hand der Tochter an. Noch zögerte die Mutter, obwohl die Aussicht, sich mit einem der ältesten Adelsgeschlechter Deutschlands zu verbinden, sehr verlockend war, und ierft der nachmalige Kaiser Louis Napoleon hrachte diese merkwürdige Heirat zu stände. Seine Anhänger, unter ihnen die Grafen Solms, waren damals sehr thätig, seine Wahl als Deputierter der Stadt Paris für die National­versammlung durchzusetzen. Napoleon gab seinen Getreuen das Versprechen, ihrer Dienste zu gedenken. Gras Solms forderte von ihm, als Oberhaupt der Familie Bonaparte, seine Einwilligung zu der beabsichtigten Heirat, und Na­poleon verweigerte sie nicht. Drei Tage nach seiner Wahl zum Präsidenten der französischen Republik fand die Trauung des jungen Paares statt.

So finden sich die Herzen der Liebenden auf die selt­samste Weise, und gar vielerlei Wege führen in den Hafen ds-s ehelichen Glückes. (Wiener Mode.)

GSMBHßnMtzigES.

Schuhwichse. Es werden 1 Teil gelbes Wachs, 4 Teile Talg, 2 Teile Schweinefett, 1 Teil Terpentin und 1 Teil Baumöl auf gelindem Feuer geschmolzen und mit der erforderlichen Menge Kienruß gemischt. Die Wichse wird in kleine Krücken gegossen und vor dem Gebrauche ein wenig erwärmt. Die Schuhwichse, welche in das trockene

Leder eingerieben wird, giebt demselben nicht nur feinert Glanz, sondern hält auch die Feuchtigkeit gut ab.

Iür die Küche.

Angebrochene Marmelade, Mus, Butter. Bei Entnahme dieser Sachen aus ihren Gefäßen muß man daraus achten, büß die Ränder stets mit der ganzen Fläche gleichstehen; man darf also nicht vorzugsweise aus der Mitte heraus nehmen und den Rand ganz oder stellenweise stehen lassen. Was nämlich am Rand des Gesäßes stehen bleibt, verdirbt meist schon nach 24 Stunden, es vertrocknet, schimmelt oder säuert.

Kapernsauce. 2 Löffel Butter, 2 Löffel Mehl, 2 gewaschene, entgrätete, fein gehackte Sardellen, ein wenig weißen Pfeffer leicht durchgeschwitzt, mit Fleischbrühe aufgefüllt, verkocht, mit 1 Eigelb gebunden, 1 Eßlöffel Kapern daran.

Spatzen. Sechs Löffel Mehl, das nötige Salz mit soviel heißer Milch angerührt, daß der Löffel darin steht, dann mit drei bis vier Eiern wie ein dicker Klohteig ver­dünnt, auf ein mit Mehl bestäubtes Brettchen geschüttet, mit einem vorher ins Wasser getauchten Messer rasch schmale Stückchen abgeschnitten, in bereitstehendes, ge­salzenes, kochendes Wasser fallen lassen, kochen bis sie oben schwimmen. Inzwischen eigroß Butter in einer Pfanne heiß werden lassen, die Spatzen mit dem Schaumlöffel hineingelegt, rasch von unten angebraten, rasch auf warmer Schüssel anrichten, dürfen nicht stehtzn.

Vermischter.

Die Schläge der Turmuhr. Wenn man eine Turmuhr schlagen hört, so zählt man wohl, wenn man sonst nichts Besseres zu thnn hat, mechanisch die Schläge. Es denkt aber daber selten jemand daran, welche Arbeit das Schlagwerk einer Turmuhr im Laufe des Jahres verrichtet. Wenn die Uhr die sämtlichen Schläge eines Jahres hinter­einander machen würde, so brauchte sie dazu drei volle Tage, acht Stunden und achtzehn Minuten. Die Bereg­nung ist einfach. Eine Turmuhr schlägt einmal gleich, eine viertel, zweimal gleich eine halbe, dreimal gleich eine dreiviertel und viermal gleich eine volle Stunde, das sind zusammen zehn Schläge stündlich. oder 240 Schläge täglich. Dazu kommen die 150 Schläge der vollen Stunden. Die Zahl der Schläge beträgt also 396 täglich oder für's ganze Jahr 365 mal 396 gleich 144 540. Jeder Schlag dauert etwa zwei Sekunden. Die Turmuhr schlägt somit ttt einem Jahre 289080 Sekunden lang, gleich 80 Stunden 18 Mn.

Lttterarische».

Von Gmunden über Aussee nach Salzburg führt das neueste Heft derWiener Mode", indem es in gelungenen Ansichten die schönsten Punkte des Salzkammergutes vorführt. Daß diese LandschaftS- bilder von Damen in den elegantesten Sommer- und Reisetoiletten belebt sind, wird den Wert derWiener Mode im Salzkammergut" in den Augen der Damenwelt ebenso erhöhen wie die Begünstigung, daß die Abonnentinnen Schnitte nach Maß von allen abgebildeten Modellen für sich und ihre Angehörigen gratis beziehen können. Preis des Heftes 45 Pfg. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten oder direkt vom Verlag derWiener Mode", Wien, IV., Wienstraße 19.

Arithmogriph.

(Nachdruck verboten.)

1 3 1 ein Ausruf.

2 5 2 2 4 Stadt in Frankreich.

2 4 1 Franeufignr aus der Bibel.

3 1 2 2 4 deutscher Städtenamen.

4 2 2 1 weiblicher Vornamen.

5 2 2 Nebenfluß des Rheins.

2 5 2 1 eine Mischfarbe.

Die Anfangsbuchstaben der gefundenen Wörter sollen der Reihe nach, von oben nach unten gelesen, einen Gruß ergeben.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Magischen Quadrats in poriger Num-: Berg Eder Rebe

Grey

®. Burkhardt. Druck und «erlag der Brühl'scheu UniverfitStS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erden) in «iesteir.