Ausgabe 
31.5.1900
 
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sMchte zeigt, vielen Mut und auch Geist, aber nicht die Gabe, ihren Gatten, den Freiherrn von Lützow, dauernd glücklich! zu machen. Sie ließ sich später von diesem scheiden und hatte lange Jahre ein bereits während ihrer Ehe begonnenes Liebesverhältnis mit dem Dichter Jmmer- mann, der ihr auch, nach ihrer Scheidung, obwohl sie sechs Jahre älter war als er, die Hand anbot. Doch wollte Elisa nicht zum zweitenmale ihre Freiheit opfern, und Jmmermann ging später eine andere Ehe ein.

Der französische Dichter und Historiker Dufresne be­schloß eines Tages, die erste beste zu heiraten, die ihm in den Weg käme. Da kam seine Wäscherin zu ihm, um ihn zu mahnen. Dufresne machte kurz entschlossen der Wäscherin einen Heiratsantrag, war so mit einem Schlage seine Schuld los und hatte eine Frau dazu.

Auf noch originellere Weise kain Anton Friedrich Büsching, der berühmte deutsche Geograph (geb. 1724, geft. 1793), welcher der deutschen Nation das erste geo­graphische Werk gab, das auf wissenschaftliche Behandlung und auf einige Selbständigkeit Anspruch machen konnte, zu einer Gattin.

Büsching war zweimal verheiratet, und ich vermag nicht zu erzählen, wie er zu seiner ersten Frau kam. Er verlor diese Frau ganz plötzlich durch den Tod im Jahre 1777. Er hatte mit ihr sehr glücklich gelebt, sodaß er über ihren Tod ganz untröstliche war und sich garnicht von der Verstorbenen trennen konnte. Er ließ sie daher dicht unter seinem Fenster begraben, ohne daß er die Erlaubnis des Oberkonsistoriums dazu erhalten hätte. Als er dann späterhin erfuhr, daß er diese Erlaubnis auch niemals erhalten haben würde, freute er sich über das Schnippchen, das er den Behörden geschlagen hatte; denn nun konnte man ihm das eigenmächtig genommene Recht ja nicht mehr streitig machen. Der Tod seiner ersten Frau trat im Spät­herbst ein. Als nun aber der Winter kam, wurde es ihm in seinem Gartenhause zu kalt, und er mußte nach seiner Stadtwohnung zurückkehren. Da er jedoch fürchtete, daß es ihm hier allein erst recht einsam erscheinen würde, so beschloß er, nicht ohne Gattin dieselbe zu beziehen. Er nahm sich einen Wagen und fuhr eines Morgens zu seinem Freunde, dem Oberkonsistorialrat Teller, den er bat, ihm irgendwie zu helfen, damit er in acht Tagen wieder ver­heiratet sein könne. Dr. Teller, der wohl wußte, daß seinem Freunde Ideen, die er sich, einmal in den Kopf gesetzt hatte, nicht so leicht auszureden seien, rief seine Frau herein, und alle drei beratschlagten nun, wer für ihn als Gattin wohl am geeignetsten wäre. Frau Dr. Teller schlug eine verwitwete Justizrätin vor. Sofort setzte sich; Büsching wieder in seinen Wagen, fuhr bei der Dame vor und erklärte ihr den Zweck seines Besuches. Als er dann aber im Laufe des Gespräches sagte, seine Frau dürfe weder unter achtundzwanzig noch über dreißig sein und nun hörte, daß die junge Witwe dieses Alter noch nicht erreicht habe, bat er um Entschuldigung wegen der verursachten Störung und verließ die nicht wenig über den sonderbaren Freier erheiterte Dame. Büsching fuhr zu seinem Freunde zurück und bat ihn, eine andere Gattin vorzuschlagen. Dies geschah; die Empfohlene gefiel besser; drei Tage später verlobte er sich, und eine Woche darauf feierte er schon seine Hochzeit, nachdem er beim Konsistorium erwirkt hatte, daß das einmalige Aufgebot am vorhergegangenen Sonn­tage genügte. Bei der Trauung stellte sich Dr. Teller etwas spät ein, und Büsching bat ihn daher, er solle es kurz machen, da er nicht viel Zeit habe. Die Trauungsrede bestand deshalb nur in wenigen Worten. Auch diese im Sturmschritt eingegangene zweite Ehe Büschings soll eine ungemein glückliche gewesen sein.

Der zufällige Anblick eines Mädchens, das still und bescheiden dahinlebte, hat Garibaldi veranlaßt, dasselbe zur Gefährtin seines abenteuerlichen Lebens zu machen. Er selbst berichtet darüber in seinen Denkwürdigkeiten. Nach, einem blutigen Gefecht, in dem alle seine italienischen Waffengenossen gefallen waren, befand sich Garibaldi in der Nähe der Bnrra, des östlichen Teiles der Einfahrt in die Jayuna.Zufällig warf ich einen Blick in ein Haus", so erzählte der Held,und bemerkte dort eine junge Dame, die mich! auf eine so geheimnisvolle und unwiderstehliche Weise an sich gezogen hatte. Ich begrüßte sie, wir wurden schnell

bekannt, und ich fühlte, daß der verborgene Schatz, den ich entdeckt hatte, von seltenem und unschätzbarem Werte sei. Später habe ich mir oft Vorwürfe gemacht, daß ich sie der friedlichen Zurückgezogenheit ihrer Heimat entriß, um sie in Mühen, Leiden und Gefahren zu stürzen". Und dieses still bescheidene Mädchen entwickelte als Frau eines berühmten Mannes Eigenschaften, die sie sicherlich in ihrem ruhigen Mädchenheim wohl niemals geahnt hatte, denn Frau Gari­baldi, die ihren Mann immer begleitete und an seiner Seite zu Wasser und zu Lande focht, verrichtete Wunder der Tapferkeit.

Auf seltsame Art wird vielfach in Amerika die Ehe geschlossen. Noch mehr war dies freilich früher der Fall, wo die Kolonien noch nicht so bevölkert waren, und die Männer sehr wenig Auswahl hatten. Damals kam es nicht selten vor, daß sich Kolonisten, insbesondere einsame Farmer, von weither ihre Frauen kommen ließen, ohne sie vorher gesehen zu haben. Kamen diese Kolonisten aber dann in bewohntere Gegenden und sahen ein Mädchen, das ledig war, so machten sie oft mit der Verehelichung kurzen Prozeß. Einen derartigen Fall erzählt Hauptmann Uhde in seinem ReisewerkDie Länder am unteren Rio Bravo del Norte". Hauptmann Uhde fuhr auf einem Dampfschiff zwischen Neu-Orleans und Matamoros. Unter, den Passagieren befand sich ein junger Landwirt aus dem Hannoverischen, der sich mit Frau und Schwägerin in Texas niederlassen wollte. Die Schwägerin, ein frisches Mädchen mit roten Wangen, war so in das Lesen eines Romans vertieft, daß sie von niemandem Notiz nahm. An Bord befand sich auch ein Pflanzer aus Texas, ein Mann von fünfundvierzig Jahren. Nachdem er die Ro­manleserin einige Stunden lang betrachtet hatte, trat er an Uhde heran und bat diesen, daß er ihn mit dem Schwager bekannt machen möge.Oder", setzte er hinzu, fragen Sie lieber die Dame dort gleich selbst, ob sie mich heiraten will". Uhde's Erstaunen über diese Aufforderung legte er als Mißtrauen aus, und fuhr sogleich fort:Ich bin Pflanzer, habe vor sechs Monaten die Frau verloren, besitze zwölf Neger, von denen jeder mindestens zwölf­hundert Dollar wert ist, mache so und so viele Ballen Baumwolle und wohne in der Nähe von Austin". Zur Bestätigung seiner Worte holte er zwei Zeugen herbei, die denn auch erklärten, daß er die Wahrheit gesagt habe, und ein ehrenwerter Mann fei. Die Sache wurde dem Landwirt mitgeteilt, und auch! die junge Dame in Kenntnis' gesetzt. Sie spielte eine Zeit lang die Spröde, gab aber dann ihre Einwilligung. Auch die Bedingung des Pflanzers, daß die Ehe bei der Ankunft in Galveston sofort geschlossen werde, wurde angenommen. Wenige Stunden später waren die beiden Leute Mann und Frau und machten sich ohne Verzug auf den Weg zu der Pflanzung.

Man glaube indessen nicht, daß nur Männer auf so seltsame Weise in die Ehe gehen. Ich will hier zum Schluß ein paar Fälle mitteilen, in denen die Frau einen ab­sonderlichen Weg beschritt, um zum Lebensgefährten zu gelangen.

Vor über zwei Jahrhunderten erregte ein Vorfall in Berlin nicht geringes Aufsehen. Die Mutter des bekannten Diplomaten und Hofpoeten Freiherrn v. Canitz (geft. 1699), der insbesondere durch seine Ode an Doris berühmt ge­worden ist, war ein mal Witwe und von ihrem zweiten Ehe­gatten geschieden. Gleichwohl wollte sie noch ein drittesmal ehelichen, und da damals in Deutschland alles Französische für elegant angesehen wurde, so schrieb sie an ihren Pariser Agenten, der sie seit Jahren mit Pariser Modeartikeln versorgte, er solle ihr einen Franzosen zum Gatten ver- schaffen. Er dürfe nicht zu alt sein, müsse Bildung besitzen und aus guter Familie stammen. Der Agent führte auch; den Auftrag aus, und zur vollsten Zufriedenheit der Auf- trlmgeberin. Der Gatte, ein verarmter französischer APliger, erschien in Berlin und wurde von der Dame sofort geheiratet, natürlich zum großen Skandal der Ber­liner Gesellschaft, die sich von dem jungen Ehepaare zurück­zog. Auch die Bühne bemächtigte sich des Skandals, und zwei Bühnenstücke erschienen, welche den Vorfall be­handelten.

Ebenso eigentümlich war die Verheiratung der Enkelin Lucian Bonaparte's, Fürsten von Canino, mit dem deutschen Grafen von Solms. Diese Enkelin, Maria Lätitia