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ur zwei Tugenden gibt's! O wären sie immer vereinigt, Immer die Güte auch groß, immer die Größe auch gut!
Schiller, Güte und Größe.
Nachdruck verboten.
„Es sah eine Linde ins tiefe Thal."
Novelle von R. Litten.
(Fortsetzung^)
Des Zurückbleibenden Wicke waren ihr gefolgt, sie rasteten noch auf der Stelle, wo sie verschwunden, als Frau von Suchens Griibchenhand seinen Arm berührte.
„Nicht wahr, sie ist reizend, Herr Professor? So apart, so idealistisch möchte man sagen. Und dazu dieses Herz, dieses goldene Gemüt. Glauben Sie, daß ein Notleidender ungetrostet von ihr geht, daß sie dem elendesten Weibe, dem erbärmlichsten alten Tagelöhner das Gehör verweigert? Der alte Graf, ihr Großvater — Sie wissen, er ist wenig über ein Jahr tot — soll auch kein harter Herr gewesen sein, wenigstens in den letzten zehn, fünfzehn Jahren seines Lebens. Zur Zeit als seine Gemahlin noch die schöne Mellinghausen hieß — ich habe sie einmal in ihrer Glanzepoche in Baden-Baden gesehen, Herr Professor, aber ich versichere es Ihnen, am Arme fortziehen mußte mich der selige Suchen: weiß wie Schnee, rot wie Blut, gerade wie im Märchen, und dazu rotgoldene Haare und tiefdunkle Augen — na, also zu ihlrer Zeit war er auch anoers, aber jetzt unter meiner Komtesse Herrschaft ist doch erst das goldene Zeitalter für Mellinghausen gekommen. Wie wird sie aber auch verehrt, wie vergöttern sie die Leute! Nur eins, mein werter Herr Professor", — die redselige Dame neigte sich näher zu ihm und dämpfte ihre Stimme — „nur eins giebt es, was ich an ihr auszusetzen fände: ihre Scheu vor dem bindenden Wort. Ich bin nachgerade zu der Ansicht gekommen — natürlich unter uns gesagt — daß sie eine verschwiegene Herzensneigung haben müsse. Sie wissen, solche große, gewaltige, lebenausfüllende Leidenschaft, der man so oft in Romanen, aber so selten im wirklichen Leben begegnet. Ich bitte Sie, in unserer gemütsarmen, materiellen Zeit, wo man über Ideale spottet und nur Realismus oder Naturalismus im Munde führt!"
Die alte Dame zuckte geringschätzig mit den vollen Schultern -und seufzte tief, ehe sie fortfuhr: „Ja, eine alte Liebe muß Frieda haben, sonst könüte sie doch nicht jeden Freier abweisen, und was für Freier! Auf den Reisen, die sie alljährlich mit dem Großvater machte — er war seit dem Verluste seines Sohnes ein fast menschen
scheuer Sonderling geworden, den es nie lange zu Hause litt; es soll da auch manches andere mitgespielt haben, was er nicht verwinden konnte — also auf diesen Reisen haben sich ihr hochgestellte Männer genug genähert, aber immer ohne Erfolg. Und nehmen Sie nur diesen lieben Baron, Ihren Freund. Kann sich wohl ein Mädchen, und wenn sie zehnmal Gräfin und steinreich ist, einen besseren, hübscheren und lustigeren Mann wünschen? Sie sollten da wirklich ein bischen Vorsehung spielen, bester Professor! Mir scheint, meine Komtesse giebt viel auf Sie, ich habe sie wenigstens noch nie so, ich möchte sagen so herzlich, zu einem Fremden gesehen. Das machen die gemeinsamen Interessen. Sie schwört ja auch aus Griechentum uno was drum und dran hängt. Ihr Buch hat sie in den letzten Wochen kaum aus den Händen gelegt. Ein etwas sonderbares Steckenpferd für eine Dame, meinen Sie nicht auch? Ich halte es entschieden mehr mit meinen Blumen. Haben Sie denn schon meine Orchideen gesehen? Wirklich nicht? Nun, das müssen wir schnell nachholen, sie stehen gerade jetzt in schönster Blüte".
Professor Vollmann hatte willenlos den Redestrom über sich ergehen lassen, jetzt solgte er ebenso willenlos der voranschreitenden alten Dame in das Warmhaus. Als die beiden nach einer halben Stunde zurückkehrten, kam ihnen Gräfin Frieda bereits im Salon entgegen, und der Gast konnte nun darüber nachgrübeln, welches der passendere Rahmen für ein schönes Frauenbild war: rote wallende Seide zu gelösten Locken oder gelblichweihe mit dunkelrotem Rosenschmuck im Gürtel und hinter dem Zierlichen Ohr, dicht an dem mattschimmernden, weichen Marknoten.
Nach einer Stunde lebhafter angeregter Unterhaltung zu zweien — Frau von Suchen hob die'Augen kaum von ihrem bunten Auszählmuster — in welcher der Gelehrte Gelegenheit hatte, den reichen Geist der jungen Dame, ihr tiefes, von aller Aufdringlichkeit freies, sich völlig natürlich gebendes Wissen zu bewundern, schritt man dem Speisezimmer zu.
Man hatte einen langen Korridor zu durchwandern, aber Hans Volkmann schien seine Ausdehnung nicht un- angenehm zu empfinden. Im Gegenteil, er sah aus, als ginge er recht gern so, die schmale Mädchenhand auf seinem Arm, bis ans Ende der Welt. Der Besitzerin des besagten Händchens schien dieses trotz der im Gange herrschenden Dämmerung nicht zu entgehen, oder hatte das Leuchten ihrer Augen, das strahlende Lächeln, welches während der nächsten Stunde ihren feingeschnittenen Mund umspielte, einen anderen Grund?
Nach Tisch pflegte die gute Suchen zu schlafen, sie sprach zwar stets von einer interessanten Lektüre, welche sie an ihr Zimmer fessele, aber das verschobene Spitzenhäubchen, die rotgedrückte Wange widersprachen dem gewöhn-


