Sonntag den 3ü. Dezember.
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olg' nur ohne Widerstreiten
Glaubensvoll dem Wort des Herrn;
Licht von oben wird dich leiten,
Licht von oben gibt der Stern. Spitta.
(Nachdruck verboten.)
Sylvestergebräuche.
Von Valentin Traudt (Rauschenberg).
Bekanntlich heißt der 31. Dezember deshalb Sylvester weck an_ diesem Tage der Papst Sylvester — im Jahre 3d0 ~ starb und der Tag ihm geweiht wurde. Sylvester I. hatte den Kaiser Konstantin bekehrt und von ihm das Patrrmonrum Petri, den Beginn der weltlichen Macht des Papstes, zum Geschenk erhalten. Erst im 8. Jahrhundert bequemte sich die Kirche, diesen Tag als den letzten im Jahre anzusehen. Sie kämpste vorher mit allen Mitteln dafür, den 1. Advent, den Beginn des Kirchenjahres, auch als den ersten Tag des neuen bürgerlichen Jahres gelten zu lassen. Die nicht germanischen Volker erkannten gar erst seit dem 17. Jahrhundert den 1. Januar als Neujahrstag an. Der germanische und nunmehr allgemein geltende Anfang des neuen Jahres fällt in die Mitte der zwölf heiligen Rächte, aus denen das sJulfest unserer Vorfahren bestand, das durch besondere heilige Gebräuche gefeiert wurde. In dieser Zeit zog der alte Odin mit dem wütenden Heer durch die Lüfte — Weihnachtsstürme! — um den Winter zu bekämpfen, und Frau Holle suchte die Hütten heim, auf strenge Ordnung zu sehen. Das Haus mußte festlich geschmückt, der Flachs gesponnen und von der Spule gehaspelt sein, sonst verwirrte ihn die Göttin, die auch das Vieh ui den Ställen besuchte und berührte. Noch heute wird in vielen Orten Hessens in dieser Zeit kein Brot gebacken, weil da, wohin der Rauch von dem Backofen ziehe, kein Flachs gedeihe. Auch mistete man bis vor kurzem „zwischen den Jahren" keinen Stall. Die Götter offenbarten in dieser Zeit den Menschen die Zukunft im Traume. So will man auch heute noch! in der Neujahrsnacht die Zukunft erforschen, indem man durch einen „Erbschlüssel" Blei gießt.
Die Sitte, sich am Neujahrstage zu beglückwünschen, ist römischen Ursprungs und war anfangs nur auf den Verkehr mit den Vorgesetzten und Magistratspersonen beschränkt. Später fügte man den Glückwünschen kleine Geschenke bei, was noch heute in Frankreich und Belgien allgemein Gebrauch während sich die deutschen und
einige slavische Völker bereits zu Weihnachten beschenken und am Neujahrstage meist nur noch beglückwünschen. r, ®in sehr düsterer Gebrauch ist der des Lichtleinschwimmens, welcher schon manchem die Sylvesternacht ^rdorben hat; denn in vielen Gegenden giebt man SÄS? in ?er Jetztzeit viel aus die Zeichen bei gewissen Gebrauchen, und die Träume in der Syl-
*** Andreas- oder Mathiasnacht, der Nacht vor ^Atterheckigenfeste, dem Martinstag und dem hohen O König) und hält mit Ausdauer an diesem Aberglauben fest. Namentlich sind es alte Schäfer ^chen das Geschick der Dorfbewohner in jenen Nächten' gewöhnlich aus einem Kreuzwege offenbart wird. Sie sehen dann beispielsweise diejenigen, welche im kom- Eden ^ahre sterben, im Zuge an sich vorüberziehen.
nach vor kurzem im Waldeckerlande von einem t^nrslCl /^ahlt, der vor der Mathiasnacht unruhig geworden sei, und den es mit magischer Gewalt auf den Kreuzweg gezogen habe. Ganz bleich und in sich! gekehrt sm er jedesmal heimgekommen; denn er sehe du Toten des kommenden Jahres..... ’
®om Lichtleinschwimmen! In der Sylvesternacht be- I” Nußschalen, die dann behutsam auf das Wasser gesetzt werden. Nun werden die Kerzen angezundet und das Wasser von einem Orakelsüchtiqen in Bewegung gesetzt. Wessen Licht zuerst erlischt, der must zuerst sterben. Es ist leicht zu ersehen, daß dieser Gebrauch nut der altgermanischen Anschauung zusammen bei der Geburt des Manschen von den^oinen eine Kerze angezündet werde, deren Erlöschen wiederum den ^od des Betreffenden zur Folge habe aSSafen"11 bte Redensart her, „das Lebenslicht
, Will ein Mädchen wissen, was ihm das neue Jahr brmgt, dann stellt es einen viereckigen Tisch in die Mitte der Stube, legt auf die eine Ecke einen Ring, auf die andere ein Stuck Brot auf die dritte einen Kranz und auf die vierte stellt es ein Gefäß mit Wasser. Mit verbundenen Augen muß es nun um den Tisch gehen und dann wird es an denselben geführt. Die Ecke/an welche
zuerst kommt, ist bedeutungsvoll; denn der Ring bedeutet Verlobung, das Brot dasselbe Leben wie im vergangenen Jahr, der .Kranz Tod, das Wasser aber Thränen
, I" Gingen Gegenden stellt man ein Gefäß mit Wasser aus den Tisch und wirft - mit der Kante nach unten - eine blank gescheuerte Münze hinein. Springt die Münze heraus, dann bedeutet das den Tod/ so oft sie aber liegen bleibt, wird man ein Jahr älter.
. --Sn Setler "eknnen die Mädchen einen Apfelkern zwischen Daumen und Zeigefinger und lassen ihn unter Begleitung folgenden Berschens ,strängen:


