Ausgabe 
30.10.1900
 
Einzelbild herunterladen

hier bereits 50000 Muhamedaner wohnen, welche acht Moscheen besitzen und den größten Teil des Durchgangs­handels an sich gerissen haben, im übrigen sich aber an Frenrdenseindlichteit von den Bekennern Buddhas, Con- su-tses und Lao-tses kaum unterscheiden.

Gegen Westen zu ist Si-ngan-fu jedenfalls der letzte Ort, der sich zur Regierung des großen Reiches eignet, vom politischen Gesichtspunkte vielleicht aber auchj gleich­zeitig der günstigste. Von hier aus steht der Dynastie, wenn sie wirklich eine europäische Expedition im nächsten Frühjahr zur weiteren Flucht zwingen sollte, der Süden offen, der ztvar eine große Zahl reichbevölkerter Städte enthält, der aber bisher in fast vollständiger poli­tischer Unabhängigkeit von der Zentralregierung gelebt hat, da seine Vizekönige, abgesehen von den Tributen an die kaiserliche Kasse, hier nahezu als selbständige Sou­veräne regierten.

Der Handel von Si-ngan-fu ist sehr bedeutend; denn hier vertauscht der Norden Chinas seine Produkte gegen die Erzeugnisse des Südens. Von den zentralasiatischen; Hochebenen, aus Turkestan, Tibet und Kuldscha kommen Rhabarber, Moschus, Arzneipflanzen, Opium, Wolle und Pelze, aus Hu-peh und Ho-nan Zucker, Honig, Seide und andere Gewebe und aus Tsche-kiang und Sze-tschuan der Thee, von dem zu gewissen Zeiten des Jahres Hundert­tausende von Zentnern hier lagern. Ein wohlangelegtes Eisenbahnnetz, das die jetzigen primitiven Transport­mittel sofort'verdrängen würde, müßte Si-ngan-fu binnen kürzester Frist zum Chicago des Ostens machen.

Geinsinrintzigss.

Diesjährige Rosenneuheiten. Im Versuchs­garten des praktischen Ratgebers im Obst- und Garten­bau wurden über 70 diesjährige Rosenneuheiten ange­pflanzt, und berichtet der-Pfleger des Versuchsgartens, Redakteur Steffen, in der neuesten Nummer über diese Neuheiten. Danach! haben sich bis jetzt gut bewährt und sind empfehlenswert: Joao Borges Vieira (kupferbroncefarben), Vicomtesse R. de Savigny (kupfrigrosa), Amateur Teyssier (zartrosa) ist im Ratgeber abgebildet! Bessie Brown (zartweiß), Marguerite Jurin (dunkelrosa), Admiral Dewey (reinrosa), Conrad Ferdinand Meyer (La France-rosa). Rosenfreunden sei der ausführliche Bericht empfohlen die betreffende Nummer wird umsonst von dem Ge­schäftsamte in Frankfurt a. Oder zugeschickt.

Isür die Küche.

Karpfen in Rotwein. Ein großer oder zwei kleinere Karpfen, zusammen im Gewicht von 2,53 Wo werden getötet wobei man das Blut derselben in Essig aussängt und mit diesem verquirlt in Hälften ge­teilt, gewaschen, in Stücke geschnitten. Nun belegt man den Boden einer passenden Kasserole mit Zwiebelscheiben, Gewürz, Pfeffer, Salz aufstreuend, ein Lorbeerblatt und einige Zitronenstückchen zufügend. Zuerst legt man die Kopfstücke, dann den übrigen Fisch hinein, dazwischen einige Schwarzbrotrinden, 125 Gramm Butter und füllt so viel Rotwein auf, daß das Ganze von demselben bedeckt ist. Nachdem der Fisch ziemlich weich geworden ist, nimmt man ihn aus der Sauce, rührt das Karpfen­blut hinzu, gießt 15 Gramm Fleischs-Extrakt, Zucker nach Geschmack hinein, schlägt die Brühe durch ein Sieb, giebt sie zurück in die Kasserolle und läßt den Fisch noch kurze Zeit darßn durchziehen, nicht kochen. Es wird derselbe mit der Sauce zusammen angerichtet.

Lttterarisches.

«hinefksche Sprache, Schrift und Litteratur. Von Ferd.

Heizt. Berlin 1900. Hugo Bermühler Verlag. Preis geh. Mk. 1.50.

Wennschon die chinesischen Wirren, obgleich sie uns weit näher an­gehen, bei uns nicht entfernt der Teilnahme begegnen, welcher sich der Burenkrieg vornehmlich in seiner ersten Hälfte zu erfreuen hatte, so regt doch die neuerliche leidige Berühmtheit der bezopften Söhne des Reiches »er Mitte manchen an, sich mit der Geschichte ihres Reiches und Volkes

vertraut zu machen. Die vorliegende Heiglffche Schrift, ein Sondep- abdruck aus des Verfassers größerem Werke:Die Religion und Kultur Chinas", will diese Kenntnis vermitteln. Wir müssen unumwunden zngeben, selten auf so beschränktem Raume soviel Interessantes und Wissenswertes in klarer und übersichtlicher Weise zusammengedrängt gesehen zu haben, und können nur jedem, der an der Geschichte jenes einstigen Trägers hoher Kultur Anteil nimmt, raten, sich den Inhalt gedachter Schrift zu eigen zu machen. Wer ein Volk verstehen will, der muß mit ihm leben; dazu bildet Heigls verdienstvolle Arbeit die goldene Brücke. Möchte sie nicht vergebens geschlagen sein. Bdt.

Mein Himmelreich. Bekenntnisse, Geständnisse und Erfahrungen aus dem religiösen Leben von Peter Rosegger. 26 Bogen 8°, broschiert Mk. 4., geb. Mk. 5.. L. Staackmann, Verlag, Leipzig.

Das Eingreifen des steirischen Dichters in die religiöse Bewegung seines Landes ist so bekannt, hat weit über die Grenzen Oesterreichs hinaus so viel Aufsehen erregt, daß die Herausgabe dieses Buches förmlich eine Notwendigkeit geworden ist. Man findet in ihm in klaren, eindrucks­vollen Worten die intimsten Gedanken Roseggers über die verschiedensten Probleme des religiösen Lebens niedcrgelegt, und der Freimut, mit dem hier manches gesagt wird, was wohl bisher noch niemand offen aus­gesprochen hat, dürfte in evangelischen wie katholischen Kreisen überall berechtigtes Aufsehen, das gleiche tiefgehende Interesse, erregen. Für den Gebildeten, der von einem Buche nickt nur Unterhaltung, sondern auch Anregung und Erhebung des Geistes verlangt, wird es in diesem Jahre kaum ein wer tvolleres Weihnachtsbnch geben, wie das einzig dastehende neue Werk Peter Roseggers.

DieNeue Musik-Zeitung", illustriertes Familienblatt (Ver­lag von Carl Grüninger Stuttgart), erfreut sich seit lange der gleichen ungewöhnlichen Verbreitung unter dem gebildeten kunstsinnigen Publi­kum überhaupt, wie in den fachmännischen Keifen. Diese volkstümliche Beliebtheit in der ganzen musikalischen Welt erklärt sich in der unver­gleichlichen Reichhaltigkeit und Gediegenheit deffen, was sie an belehren­dem und anziehendem Stoff jeder Art und in jeder Form beständig zu bieten weiß. Für diese ihre altbewährten Vorzüge bildet auch ihr letztes Quartal (das dritte des XXL Jahrgangs) aufs neue die beste Probe. Dasselbe bringt wieder neben einer Reihe fachwissenschaftlicher Abhand­lungen und kritischer Besprechungen über Neuerscheinungen auf den ver­schiedensten musikalischen und litterarischen Gebieten in reichster Fülle biographische Skizzen und Gedenkbätter nebst getreuen Porträts, allge­mein interessierende Studien und Aufsätze, wie über Beethovens Charak­ter, I. S. Bach als Erzieher, über den musikalischen Teil deS Ober­ammergauer Passionsspiels, die Kunst auf der Pariser Weltausstellung, New Dorker Straßenmusik, Münchner Theaterverhältniffe vor hundert Jahren, Musik und Politik etc., ferner einen bisher unveröffentlichten Brief von Richard Wagner im Faksimile, eine fortlaufende Novelle von L. Habicht, reizvolle Plaudereien und Skizzen, eine Menge Notizen, sowie allerlei Feuilletonistisches aus der Musik- und Theaterwelt, künstlerisch ausgeführte Illustrationen, einen bunten Strauß gewählter Texte für Liederkomponisten, endlich 24 Seiten Musikbeilagen bestehend aus Klavier­stücken (darunter ein Rondo des 13jährigen Beethoven), feinsinnigen Liedern, Duos für Violine oder Cello und Klavier von namhaften Komponisten. Letztere repräsentieren allein den mehrfachen Betrag des Abonnementspreises von nur 1 Mark pro Vierteljahr (8 Nummern). Erwähnt sei auch der von jeher besonders geschätzte und in weitestem Umfang in Anspruch genommene Briefkasten der Redaktion, der u. a. auch den angehenden Komponisten und Schriftstellern unter den Abon­nenten förderlich fein will. Probenummern versendet an Jntereffen- ten jede Buch- und Musikalienhandlung, sowie der Verlag selbst auf Verlangen kostenfrei.

Zifferblatträtsel.

Nachdruck verboten.

I II III IV V VI VII VIII IX X XI XII

An Stelle der Ziffern des Zifferblattes sind die Buchstaben AA, DD, EEE, K, L, NN, R derart zu fetzen, daß die Zeiger bei ihrer Umdrehung Wörter von folgender Bedeutung ergeben:

13 altjüdischer Stamm.

14 Ausdruck der Erkenntlichkeit.

26 Teil der Schiffsausrüstung.

47 Teil der Frucht.

58 weiblicher Vorname.

711 kleines Instrument.

811 Stand.

812 weiblicher Vorname.

112 Gestalt der griechischen Sage.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Kreuzrätsels in voriger Nummer:

In der Ha be

Inder, Hader, Hain, Habe, Bein.

Redaktion: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brthl'schen Universitätk-Buch- und Tteindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.