Ausgabe 
30.9.1900
 
Einzelbild herunterladen

i S-«M IW

«b die Rosen dir verblühten, Flatternd auS des Lebens Kranz: Unter gold'nem Herbstlaub glühten Früchte auf im Purpurglanz.

Julius Lohmeyer.

(Nachdruck verboten.)

Brennende Liebe.

Eine lustige Geschichte von Alwin Römer.

(Schluß.)

III.

Es war am Mittwoch vor der geplanten Abreise des Professors, als sich Sigrid gleich nach Tisch, mit einem kleinen Spaten und einem ziemlich umfangreichen Blumem topf ausgerüstet, auf den Weg nach Falkengrund machte, um dort etliche Exemplare einer weißen Orchis, die der Professor gern daheim in der Entwickelung beobachten wollte, auszuheben und einzupflanzen.

Die warme Mittagssonne brannte ihr auf den Scheiteln Kein Lufthauch regte sich; nur das wohlige Brummen und Summen der Bienen, die im Heidekraut ihre Ernte hielten, wurde laut; dazwischen mitunter das Gehämmer eines hungrigen Spechts oder der kreischende Schrei eines auf­gescheuchten Hähers. Eine zwingende Müdigkeit überfiel sie, als sie nach langem, ziemlich beschwerlichem Marsch ihren Auftrag vollführt hatte, und herzhaft sich reckend, ließ sie sich eine Weile im halbfahlen Waldgras nieder, dicht hinter einem tannenbewachsenen Hügel, der den Wodenquellern als Hünengrab galt.

Blinzelnd verfolgte sie einen bunten SchMtterlmg, Vanessa cardui, wie sie, als echte Tochter ihres Vaters, noch im Halbschlummer konstatierte, bewunderte auch die Ueppigkeit des Wollgrases, das sich in der weiter unten etwas sumpsigen Falkenschlucht breit machte, und schloß dann die Augen. . _

Plötzlich jedoch schreckte sie empor. Irgend ein Knistern hatte sie geweckt. War es ein Reh, das hier wechselte? Oder schlich ein Fuchs durch das dichte Unterholz? Aber nun hörte sie ein leises, gemütliches Pfeifen, wie es nur von Menschenlippen kommen konnte, und wie sie darauf die Zweige des sie schützenden Tannengestrüpps vorsichtig auseinander bog, erblickte sie zu ihrem Erstaunen Herrn Wingold Hartmann, der prüfend den vor ihm liegenden Waldboden musterte. Ein jähes Herzklopfen überfiel sie. Leise, leise schob sie sich weiter vorwärts, um ihn, der rhr soeben erst wieder durch den kurzen Traum gegaukelt war, zu beobachten.

Wingold Hartmann hatte ein Kistchen bei sich, das er alsbald niedersetzte. Nun zog er ein respektables Messer aus der Tasche, klappte es auf und fing an, eine Distel auszuheben, die aus einem Geröll geprangt hatte.

Fort, werft das Scheusal in die Wolfsschlucht!" rief er halblaut, als er sie endlich aus dem Erdreich! gelöst hatte, und in einem forschen Bogen flog die Aermste von der vielleicht durch viele Generationen vererbten Scholle in die Schlucht hinab, dicht über Sigrids Haupt hin.

Darauf öffnete der merkwürdige Waldpfleger fein Paket und entnahm diesem ein Pflänzchen, das er mit vieler Sorgfalt an die Stelle der Distel setzte, das Erd­reich darumher wieder festklopfte, auch durchwein paar Hände voll. Sand alle Spuren dieser etwas gewaltsamen Boden-Reform zu verwischen trachtete, und erhob sich dann, ein hörbares Murmeln der Befriedigung von sich gebend.

Blühe, liebes Veilchen!" intonierte er, als er sein Kistchen wieder schloß und den Schauplatz seiner veredeln­den Thätigkeit sorglos verließ.

Sigrid wartete lange, ehe sie sich hinüberwagte an die Stelle, wo Wingold Hartmann, gegraben- und gepflanzt hatte. Endlich jedoch faßte sie den Mut, hinüber zu klettern.

Ihre Vermutung hatte sie nicht betrogen. Das war Maucium, was da plötzlich an die Stelle der stachlichten Distel gesetzt war. Ein triumphierendes Lächeln glitt über ihr Antlitz. Dieser tolle Betrug sollte dem Unverschämten denn doch nicht gelingen. Eine Weile überlegte sie, ob' sie die Pflanze wieder ausgraben und gleich dem Vater mit heimnehmen oder bis zur Katastrophe verbergen solle. Dann kam ihr jedoch ein dritter Gedanke, an dessen Aus­führung sie sogleich ging. Vorsichtig entnahm sie ihre Orchis-Exemplare dem Blumentopf lind packte. sie mit der Erde in Zeitungspäpier.

Dafür aber pflanzte sie den schönen, lange gesuchten nnd nun plötzlich wie vom Himmel gefallenen Hornmohn; in ihren Tops und versenkte ihn an die ihm von Hart­mann bestimmte Stelle, und zwar mit einer so arglistigen Gewissenhaftigkeit, daß weder, eine Spur des Topsrandes sichtbar blieb, noch nach irgend einer anderen Seite hip ein Verdacht aufsteigen konnte.

Ist das wohl ein Blatt von Glaucium?" fragte am Abend Wingold Hartmann zuversichtlich den Professor und reichte ihm ein silbergrau schimmerndes, akanthusartiges Blatt hin.

Lorenz sprang wie elektrisiert auf.

Wahrhaftig!" rief er,das scheint eins zu sein! Woher haben Sie es?"

Heute früh in der Falkenschlucht fand ich das. Exemplar. Aber nur ein einzrges! Lange, knotige Schotenkapseln daran, doch auch nur zwei! Ich ließ es