Ausgabe 
30.8.1900
 
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Wen« es nur auf mich angekommen wäre, Fräulein Charlotte, so hätte ich ihn gewiß nicht bis heute aus­geschoben. Aber es giebt verwünscht strengen Dienst bei meinem Regiment, und wer weiß, wie lange ich mich noch in unbefriedigter Sehnsucht hätte verzehren können, wenn mir nicht das Wohlwollen meines Obersten die ehrenvolle Mission verschafft hätte, in deren Ausführung ich mich jetzt hier befinde."

Es ist also nicht einmal Ihr eigener Wille, der Sie zu uns geführt hat, Herr Leutnant?"

Sie wissen, Fräulein von Menzelius, daß ein Soldat überhaupt nicht oft in der glücklichen Lage ist, einen eigenen Willen zu haben. Der Dienst nimint keine Rücksicht aus die Regungen unseres Herzens, und wir sind nach dieser Richtung hin die mitleidswürdigsten Kreaturen aus Erden"'.

Nun, es freut mich zu sehen, daß die unbefriedigte Sehnsucht wenigstens Ihrer leiblichen Gesundheit keinen Abbruch gethan hat. Wäre es übrigens unbescheiden, nach der Beschaffenheit Ihrer wichtigen Mission zu fragen?"

Sie hoffen natürlich, daß Sie Gelegenheit finden werden, sich über mich lustig zu machen, nachdem ich! es Ihnen gesagt habe. Damit aber ist es diesmal nichts; denn es handelt sich wirklich um eine Sache von großer Bedeutung. Ich befinde mich gewissermaßen auf dem Kriegsfüße, Fräulein Charlotte! Es gilt, eine Bande ge­fährlicher Marodeure aufzuheben, die hier in der Um­gegend ihr Wesen treiben soll, und ich hoffe, die Kerle werden es uns nicht allzuleicht machen. Es wäre ewig schade, wenn es dabei ohne ein paar tüchtige Scharmützel cib tritt 9

Seit wann sind Sie so schrecklich blutdürstig, Herr von Kapnist? Es wird allerdings eine gewaltige Helden- that sein, wenn Sie mit Ihren fünfhundert Kürassieren eine Handvoll Landstreicher besiegen."

Wußte ichs nicht, daß Sie nur darauf bedacht sein würden, mich zu verspotten? Aber wie in aller Welt kommen Sie aus fünfhundert Kürassiere ? Meines Wissens sind es ihrer kaum neunzig, selbst wenn ich meine eigene Wenigkeit, wie sichs gebührt, für drei zählen will. Unserer Gegner werden es nicht viel weniger sein, und sie sind jedenfalls nicht zu verachten. Lauter altgediente Soldaten, die im letzten Kriege mehr als einmal Pulver gerochen haben. Natürlich werden wir sie besiegen; ganz so rühm­los aber, wie Sie annehmen, wird dieser Sieg doch nicht sein."

Nun, ich werde nicht ermangeln, Sie zu beglück­wünschen, wenn Sie als lorbeergekrönter Held vom Schlachtfelde heimkehren. Aber Sie haben doch wohl nicht erwartet, die Räuberbande hier auf Lasdehnen zu finden und sich unter den Fenstern unseres Hauses Ihren ersten Lorbeer zu erkämpfen?" ~ ,

,Nein. Meine Einkehr auf dem Gute des Fräuleins von Marschall hat allerdings einen anderen Zweck, und Ihre Frage erinnert mich daran, daß ich zunächst meine dienstlichen Obliegenheiten zu erfüllen habe. Giebt es hier niemand, der mich bei dem gnädigen Fräulein melden kann?"

Zu seiner Verwunderung erhielt er von Charlotte nicht sogleich eine Antwort. Sie hatte sich von ihm ab­gewendet und blickte zum Fenster hinaus. Wenn ihn schon die Seltsamkeit ihres bisherigen Benehmens, das statt der alten, harmlos gutmütigen Spottlust eine herbe, ver­letzende Schärfe zeigte, stark befremdet hatte, so fand er für dieses lange Schweigen auf eine so naheliegende und un­verfängliche Frage vollends keine Erklärung. Zuletzt hielt er es für nötig, sie durch ein respektvolles Räuspern an seine Anwesenheit zu erinnern, und nun kehrte sie ihm allerdings mit einer hastigen Bewegung ihr Gesicht wieder zu.

Entschuldigen Sie, Herr von Kapnist", sagte sie in einem ganz veränderten, sehr ernsthaften Ton.Ich selbst werde sogleich Ihre Anmeldung besorgen. Aber zuvor zuvor möchte ich Ihnen noch etwas sagen. Ich bedarf Ihrer Verzeihung; denn ich habe mich einst eines großen Unrechts gegen Sie schuldig gemacht."

Nun fiel er aus der ersten Verwunderung jäh in eine noch größere zweite.

Meiner Verzeihung Sie, Fräulein Charlotte?

Aber ich weiß wirklich nicht jedenfalls kann ich. Sie versichern, daß ich Ihnen niemals etwas übel genommen habe."

Sie können ja auch bis jetzt gar nicht ahnen, um was es sich handelt. Ich ich habe Sie einmal belogen abscheulich belogen."

Der Leutnant wurde rot, wie wenn sie die Beschul­digung nicht gegen sich selbst, sondern gegen ihn erhoben hätte.

Ach, das ist nicht Ihr Ernst. Dessen sind Sie ja gar nicht fähig."

Vielleicht könnte ich einiges zu meiner Rechtfertigung anführen, zum Beispiel, daß ich selber mich damals in einem Irrtum befunden. Aber das ist nun ganz gleich- giltig, und wenn Sie künftighin recht schlecht von mir denken wollen, so werde ich Sie nicht daran hindern. Die Hauptsache ist, daß Sie wenigstens jetzt endlich die Wahr­heit erfahren."

Aber wenn ich nur begriffe"

O, Sie begreifen es längst Sie müssen es begreifen, wenn Sie nur ein klein wenig Nachdenken wollen. Er­innern Äe sich nur des Gespräches, das wir vor einem Jahre in Küstrin miteinander führten damals, als Sie mich allein angetroffen hatten in der Garten­laube"

Meinen Sie etwa jenen Morgen, an dem Sie mich verhinderten, die größte Narrheit meines Lebens"

Nennen Sie es nicht so!" unterbrach sie ihn hastig. Zehn Jahre meines Daseins wollte ich darum geben, wenn Sie damals nicht den unglücklichen Einfall gehabt hätten, mir Ihr Vertrauen zu schenken."

Der schmerzliche, beinahe verzweifelte Klang dieses Stoßseufzers machte ihn nun doch ein wenig besorgt.

Aber was in aller Welt können Sie denn da Schlimmes gethan haben !Es war doch ohne Zweifel nur die lautere Wahrheit, als Sie mir sagten"

Nein, das war eben nicht die Wahrheit", fiel sie ungestüm ein, ohne erst das Ende des Satzes abzuwarten. Ich glaubte es freilich selbst, aber das ist keine Ent­schuldigung für meinen Leichtsinn. Und ich würde das elendeste Geschöpf unter der Sonne sein, wenn es jetzt zu spät wäre, wieder gut zu machen, was ich an jenem Tage gesündigt."

Der Leutnant starrte ziemlich fassungslos in ihr er­regtes Gesichtchen.

Ich weiß wahrhaftig nicht, was ich darauf antworten soll. Sie wollen mir doch nicht etwa die Meinung bei­bringen, daß Fräulein von Marschall meiner Werbung Gehör geschenkt haben würde?"

Fragen Sie sie selbst, dann werden Sie Gewißheit darüber erhalten."

Aber es fällt mir gar nicht ein, sie zn fragen. Ich habe nicht das geringste Interesse daran. Habe ich doch inzwischen längst eingesehen, daß jene Heiratsidee nichts als eine Thorheit gewesen."

Sie lieben Elisabeth also gar nicht mehr? Sie wollen sie verschmähen? O, das ist schrecklich schrecklich!! Und ich wollte, ich wäre tot!"

Sie schlug die Hände vor das Gesicht und begann bitterlich zu weinen. Ihre Thräneu und die augenfällige Echtheit ihres Kummers brachten den armen Kapnist vollends in Verwirrung. Er trat auf sie zu und beugte sich voll hilfloser Teilnahme zu ihr nieder.

(Fortsetzung folgt.)

Grüne Bohnen.

Gastronomische Plauderei von Th. V. G a l l.

Nachdruck verboten.

Kaum ein anderes Gemüse erfreut sich der Gunst des modernen Kulturmenschen in so hohem Grade wie die grüne Bohne. Und das mit gutem Recht; denn sie ist schmackhaft und zart, und muß, auf die richtige Weise zubereitet, wohl oder übel jedem munden. Dabei ist sie, wenigstens bei schon etwas vorgeschrittener Sommerszeit, so wohlfeil, weil häufig in Feld und Garten, daß sie auch auf den Tisch des ärmsten Haushaltes gelangen kann. Kurzum, in unseren Breitengraden darf sie gewissermaßen