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S? ic Zeit ist schnell, noch schneller ist das Schicksal;
Wer feig des einen Tages Glück versäumt:
Er holt's nicht ein und wenn ihn Blitze trügen!
Körner.
Nachdruck verboten.
Heimatlos.
Roman von E. P. Noe.
(Fortsetzung.)
Der eine Geschäftsführer, welcher jetzt den Erfolg der Durchsuchung vernahm, sagte mit großer Entrüstung und so laut, daß alle Anwesenden es hören konnten: Schutzmann, führen Sie sie fort, und die Gerechtigkeit soll ihren Lailf haben, denn wir wollen alle Unehrlichkeit ans unserem Geschäft ausrotten.
Kommen Sie, sagte der Schutzmann, indem er rauh die Hand auf ihre Schulter legte.
Wohin? fragte sie fast betäubt.
Nun, natürlich auf das Polizeibureau erwiderte er ungeduldig.
O, das kann nicht Ihre Absicht feilt.
Kommen Sie! Kommen Sie! Machen Sie keinen Unsinn und keine Geberden! Sie wußten wohl, daß die Polizei und das Gefängnis am Ende der Straße sind, die Sie eingeschlagen haben. Diebe werden immer früher oder später entdeckt! Wenn Sie sich widerspenstig zeigen, wird es nur schlimmer für Sie sein.
Kann ich — kann ich nicht ein Wort nach Hause schreiben?
O nein, jetzt nicht. Ihre Genossinnen müssen alle morgen vor Gericht erscheinen.
Sie blickte sich hilfesuchend um, aber auf jedem Gesicht sah sie nur Abscheu und Feindschaft.
Es ist alles vergeblich, murmelte sie. Es scheint, als ob die ganze Welt und Gott selbst gegen mich sei.
In verzweifelter Ergebung folgte sie dem Schutzmann hinaus in das Lampenlicht der Straße, in den wilden Märzsturm, der sie dem Gefängnis zutrieb.
Heda! Sehen Sie sich doch vor! schrie der Schutzmann einen Vorübergehenden an, welcher, den Schirm gegen den Surtm geneigt, auf den Schutzmann zurannte.
Der Schirm wurde zurückgezogen und vom Sturm den Händen Roberts entrissen. In dumpfer Betäubung blickte er in ihr weißes Gesicht.
Endlich war ein Augenblick gekommen, wo ihr seine Begegnung angenehm war.
O, Mister Atword! rief sie, sagen Sie den Meinigen zu Hause, daß ich unschuldig bin!
Was bedeutet diese Niederträchtigkeit? rief er in einem Tone, daß der Schutzmann nach, seiner Waffe griff.
Das bedeutet, daß ich Sie arretieren werde, wenn Sie sich noch mit einem Wort einmischen! Gehen Sie weiter! Kümmern Sie sich um Ihre Sachen!
Miß Howell, erklären Sie mir, sagte er ernst, ohne einen Zoll zu weichen, und die wenigen Vorübergehenden begannen sich um die Gruppe zu sammeln.
Sie dürfen nicht mit der Verhafteten hier auf der Straße sprechen, sagte der Diener des Gesetzes rauh und wenn Sie nicht aus dem Wege gehen, so wird es Ihnen leid thun!
Bitte, ziehen Sie nicht die öffentliche Aufmerksamkeit noch mehr auf mich! bat Mildred hastig. Sie können nichts thun! Ich bin falsch angeklagt worden, — sagen Sie das zu Hause.
Er stellte sich rasch auf ihre Seite und flüsterte ihr zu, sie sollte keinen Augenblick allein sein. Ich werde folgen und Ihre Unschuld beweisen. Wie ein Blitz zuckte die Szene, die er am Abend zuvor beobachtet hatte, durch feine Erinnerung.
Nun fort, rief der Schutzmann, oder —!
Aber der junge Mann war schon weiter gegangen. Er wandte sich jedv'ch bald wieder um und folgte Mildred, bis sie durch die Thür des Polizeibureaus eingetreten war. Der Sturm war so heftig, daß niemand seinem Beispiel folgte. Er war jetzt ruhiger. Nachdem der Schutzmann, der die Verhaftung vorgenommen hatte, das Bureau wieder verlassen hatte, trat Robert ein und wandte sich an den Sergeanten hinter dem langen Schreibtisch.
Ich bin ein Freund von Fräulein Howell, sagte er sehr höflich, der Dame, welche soeben verhaftet worden ist. Ich möchte nichts thun, was der Vorschrift widerspricht, aber wenn es möglich wäre, möchte ich sie sprechen und für ihre Bequemlichkeit sorgen, soweit es angeht. Wollen Sie so freundlich sein, mir zu erklären, wie weit das erlaubt ist?
Nun, es ist ein ernster Fall, und der Beweis ist überzeugend. Die gestohleiien Waren sind bei ihr gefunden worden, und die Geschäftsinhaber verlangen, daß mit aller Strenge verfahren werde.
Die Geschäftsinhaber können nicht wünschen, daß sie grausam behandelt werde, und wenn auch, so haben Sie doch nicht die Wünsche dieser Leute auszuführen, bemerkte Robert. Ihre Freunde bitten nur um gute Behandlung und Gerechtigkeit innerhalb der Grenzen der Vorschriften. Außerdem haben wir Mittel, ihre Unschuld zu beweisen, und ich erlaube mir, Ihnen zu versichern, daß sie von Geburt und Erziehung eine Dame ist, obgleich ihre Familie verarmt ist. Sie hat einflußreiche Freunde.


