Ausgabe 
29.11.1900
 
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micfi verloren? Es qiebt eine Stimme in Ihrem Herzen, Aür mich spricht? 0, M b-W»S« Sie, I°i-» S.° aufrichtig gegen mich! An Ihren Lippen hangt rn diesem Augenblick vielleicht die Entscherdung über mehr als ern Menschensch^ i.^^^are Seelenangst war es gewesen, die I Margareten jene letzten Worte erpreßt hatte. S«hatte aewik nicht die Absicht gehabt, ihm rrgend welche Ver- Evreckunaen zu machen; denn unter all den widerstreiten- I ken Gedankt und Empfindungen, die in ihrer Mngen Seele um die Herrschaft kämpften, war dre stärkste doch I noch immer ein unbezwingliches Grauen vor der Leiden- I schäft dieses Mannes. , . I

Nun aber hatte er sie mit einer klug berechneten I Wendung wieder an den eigentlichen Zweck ihres Hier- I seins an die schreckliche Verantwortung erinnert, I sie mit einer verneinenden Erwiderung aus sich> nahm. Mit einer furchtbaren Deutlichkeit sah sie das! Bild' ihres unalücklichen Bruders vor sich, wie er mit durchschossener I Stirn leblos am Boden lag ; und dann ^erinnerte sie sich an die kummervolle Falte, die sie Heute morgen 1 Iwiicken ihres Vaters Augenbrauen gesehen; sw dachte I an den bitteren Schmerz, der ihm bereits durch! den I tückischen Verrat seines ehemaligen Freundes Msugt I worden war und es stand plötzlich als eine unumstößliche sein dürfe, um den neuen, härteren Schlag von fernem nicht in tiefer llng-wißh-ii.

Margarete!" drängte Sandory von neuern. "Sw haben gehört, daß ich alle meine Hoffnungen begraben, daß ick jeden vermessenen Gedanken -an Ihren Besitz aust aeaeben hatte Darum wecken Sie nicht aus fluchtigem Mitleid in mir eine beglückende Zuversicht' dw üchspater abermals als Täuschung erweisen konnte Zum zweiten maTe das schwöre ich Ihnen konnte ich sotM Täusckunq nicht überwinden. Wenn Sie Mich, jetzt auf­fordern zu bleiben, so werde ich Sie überhaupt nw mehr verlassen denn durch eine solche Aufforderung hatten Sie sich mir für immer zu eigen gegeben. Darum frage ich noch einmal, Margarete.soll ich gehen

Er hielt noch immer ihre Hande fest, und es war ihr als ob von dort aus ein Glutstrom durch rhren Korper riesele. Sie drehte den Kopf zür Selle, um chm ihr (äcHcbt nicht zeigen zu müssen, und ihre Kindesliebe gab ihr den Mut, das entscheidungsschwere Wort aus- Eusvrecken bei dessen Klang sie zusammenzuckte, als wäre es nicht von ihren eigenen, sondern von fremden

tM>r'TX'in der «fr* nicht, ob -- « '""schassen"Siduns nicht viel unnütze Worte machen", wehrte Sandory kurz und fast befehlend ab.Das - schäft muß innerhalb der nächsten vierundzwanzig ^tun den erledigt sein - hören Pie? Es muß erledigt sem. Was soll es also helfen, dös langen und breiten dar- Uberjit Bankierstberflog das Verzeichnis der Wertpapiere und verwahrte es in einem Fach JenteS Schrmbtstch Es war eine stumme Erklärung des Einverstandinss , die dem anderen vollkommen zu genügen schwn.; ,°e>m er betrachtete den Gegenstand ihres bisherigen Gespf d) nunmehr offenbar als abgethan. Sich em wenig m seinen Stuhl zurücklehnend und Franz Norrenberg st^ I ins Gesicht blickend, sagte er plötzlich m scharfem, MM

seligem Tone:Und nun zu etwas Persönlichem.

I haben hinter meinem Rücken irgend eine Schurkere

konnte. « @ie mit Zeit!" flehte sie leiseNur noch ein paar Tage, damit ich mich in dies alles hineinfmden I kann. Ich werde es Ihnen ganz gewiß sagen, wenn der

meine süße, kleine Herrin! Wer Du wirst meme heiße | Sehnsucht nicht allzü hart auf die Probe stellen nicht toa^r linb mein Bruder? Sie werden seinen Fehltritt nun I-in-m M-nschsn mch- verraten - a,n innigste» ««««

Ul nicht ans Waldenbecg fortgehe, bin ich glücklicherweise nicht mehr d«M gezwungen, ^ch^de Bruder ^sein^Das^ häßliche^Geheimnis aber bleibt zwischen uns dreien begraben".

Gr begleitete sie bis an die alte Stadtmauer zuruck, wo ^ie "ihn dringend bat, sie jetzt zu verlassen. Die Nähe vieler Vorübergehender hinderte ihn zu ihrer namenlosen Erleichterung an jedem Versuch einer Lieb-

, koiunq, und so hastig machte sie sich von ihm los, daß ihm nicht einmal Zeit blieb, sie um ihre Einwilligung zu einem neuen Stelldichein zu befragen.

8 Rudolf Sandory aber war Mit dem Gang der Ereignisse trotzdem vollauf zufrieden, -achelnden Ant­litzes begab er sich zum Frühstuck m sem Hotel, und während er über den Marktplatz gmg, sagte er vor sich bin- Sie hat richtig während der ganzen Zell Hüller dem Fenstervorhang gestanden. Nun w^rd innerhalb der nächsten vierundzwanzig Stunden wohl so ziemlich die ganze Stadt von meiner Zusammenkunft mit der klemen Grete zu erzählen wissen".

Fünftes. Kapitel.

Das Glas Portwein, das sich Franz Nvrrenberg all­täglich zum Frühstück aus einer benachbarten Restauration in sein Kontor bringen ließ, war heute unangerührt ge­blieben. Schlaff und verfallen saß der Bankier m seinem Schreibstuhl. Auch der rastlose Arbeitstrieb, dem ferne Willenskraft bisher noch immer zürn Siege uber- bie stetig zunehmende körperliche Schwache verhalfen hatte, schien i allmählich einzuschlummern. Ein großer Teil der Morgen­post lag noch unerledigt vor ihm auf der Platte des Schreibtisches, und wenn er sich auch; von Zell auirafste um in der unterbrochenen Thatrgkell sortzu- fahren, so legte sich ihm doch jedesmal schpn nach Ver- lauf von wenig Minuten die dumpfe, lahmende Müdigkeit wieder auf Kops und Glieder.

Da wurde an die verschlossene Thur geklopft, du aus dem Kabinett auf den Treppenflur führte. Mit em m Stöbnen fuhr Franz Nvrrenberg empor. Angstvoll irrte sein Blick umher, wie wenn er halb unbewußt nach I emem Ausweg suche zur Flucht; dann aber, da der I Einlaß Heischende sein Begehren ungestümer wiederholte, I erhob er sich mühsam um zu öffnen.

Fch glaubte. Sie hätten Besuch, da Sre mich so lange warten ließen", sagte Rudolf Sandory statt des I GrußesEs ist übrigens das letztemal, daß ich hier I hinten anklopfe. Diese Geheimniskrämerei ist geradezu ^chNprechen Sie mir lieber, daß der heutige Besuch I it tiprhmiht lefeter fein foll/z, eihitb'crte 9^oneiib6T9

I nratt.Ich muß gestehen, daß ich nicht erwartet hatte. Sie noch einmal hier zu sehen. Was können Sre denn

I jetzt noch von mir wollen?" n r, ~

I 1 9 Sie sollen es gleich erfahren. Zuerst etwas Ge-

I schäftliches! Sie werden mir alle diese Effekten ab-

kaufen. Ich habe die Umrechnung bereits besorgt. Es sind nach dem gestrigen Kurse 9^auzweihundertund- vierzehntausend siebenhundert und sechzrg Mark, wünsche den ganzen Betrag m barem Gelde und zwar möglichst in Tausendmarkschemen zu erhalten .

Es ist unmöglich! Sie können sichdenken, chaß ich eine so große Barsumme nicht in Bereitschaft habe .

Sandory zog das versiegelte Paket, das er aus den Schreibtisch geworfen hatte, wieder zu srch .heran.

Fck gebe Ihnen also bis morgen Zeit, sw z beschaffen. Senden Sie einen Ihrer Buchhalter mit dem Gelde in mein Hotel! Ich werde dem kleb erbringe - dann die Effekten, deren Verzeichnis ich Ihnen hier zu

Lippen gekommen.

"Mein" teures, geliebtes Mädchen!" flüsterte er. Mein Kleinod! Meine Braut! So darf ich denn bei Deinem Vater um Dich werben?

Margarete hatte ihre Hände frei gemacht und er- alübend das Taschentuch an die Augen gedruckt; denn rL say erst jetzt, daß jemand die Straße herauskam, der sie möglicherweise schon minutenlang beobachtet haben