Ausgabe 
29.11.1900
 
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er'mit Neid blickt über sich, Stimmt nur selber trüber sich; Leicht hält froh und munter sich, Wer hinab schaut unter sich.

Daniel Sanders.

(Nachdruck verboten.)

Unter dem Schwerte der Themis.

Roman von Reinhold Ortmann.

(Fortsetzung.)

Wer spricht von Rache, Fräulein Ruthardt! Sie haben mich schroff und bestimmt zurückgewiesen, als W Ihnen in einem unbewachten Augenblick die heißen Empfindungen meines Herzens verriet. Das war namen­los schmerzlich für mW; aber es war unzweifelhaft Ihr gutes Recht, und ich müßte ein ganz erbärmlicher Geselle sein, wenn ich den Wunsch Hütte, mW dafür an Ihnen zu rächen. Aber ich kann- nicht länger in Ihrer Nähe leben, nachdem id). weiß, daß es für mW nichts mehr zu hoffen giebt, ich kann nicht die Luft derselben Stadt mit Ihnen atmen, kann das Haus nicht sehen, unter dessen Dache Sie verweilen, ohne daß es immer aufs neue tote mit scharfen Messern in meinem Herzen wühlt. Meine Liebe zu Ihnen ist nicht von jener leichten Art, die sich mit einer Abweisung absindet wie mit einer be­liebigen anderen vereitelten Hoffnung. Ich werde an der Enttäuschung zu tragen haben bis an mein Lebensende; aber wenn ich hier bliebe, würde ich wahrscheinlich eines schönen Tages verrückt darüber werden".

Er sprach jetzt ohne alles Pathos, in einem weichen, natürlich klingenden Ton, der etwas sehr Eindringliches und Ueberzeugendes hatte. Neber Margarete ging ein Erschauern, und mächtig drängte das Blut nach ihrem Herzen. Daß er sie so lieben könnte nein, das hätte sie nimmermehr für möglich gehalten. Es war etwas Beängstigendes für sie in dem Gedanken und doch zu­gleich etwas Berauschendes, etwas, das sie insgeheim beinahe wünschen ließ,. er möchte noch weiter so zu ihr reden.

Und der schöne dunkelbärtige Mann an ihrer Seite wußte, daß jetzt der rechte Augenblick gekommen war, die so lange bewahrte Zurückhaltung aufzugeben. Als bereite es ihm ein schmerzliches Vergnügen, die frischen Wunden w seinem Herzen von neuem bluten zu machen, sprach er chr mit all' der warmen, bilderreichen Beredtsamkeit, die durch sein biegsames Organ nur um so unwider­

stehlicher wurde, fort und fort von seiner Liebe, die für ihn schon seit Wochen gleichbedeutend geworden sei mit seinem Dasein überhaupt. Nicht um seine Zuhörerin zu gewinnen; denn er schien die erlittene Zurückweisung noch immer als eine unwiderrufliche zu betrachten, son­dern als ob es ihm lediglich darum zu thun sei, die Beleidigung, die er ihr auf dem Kostümfest zugefügt, rn einem, milderen Lichte erscheinen zu lassen, schilderte er ihr die unbezwingliche Macht dieser Leidenschaft, die blitzartig über ihn gekommen sei, als er sie hier in dieser nämlichen Straße zum erstenmale gesehen, die bei jeder neuen Bewegung mächtiger in ihm aufgeflammt sei, und deren verzehrende Gluten nicht eher in ihm erlöschen würden, als mit seinem letzten Atemzuge. Um ihretwillen allein war er in Waldenberg geblieben, das er ursprünglich schon nach kurzem Aufenthalt wieder hatte verlassen wollen; um ihretwillen allein hatte er, der verwöhnte Weltmann, sich in die engen Verhältnisse der kleinen Stadt gefunden, und um ihretwillen würde er nut Freuden sein Leben hier beschlossen haben, wenn ihm das köstliche Glück zu teil geworden wäre, ihre Liebe zu gewinnen.

Margarete hatte ihn nicht unterbrochen, aber San- dory selbst schien mit einemmale zu der Erkenntnis zu kommen/ wie zwecklos das alles sei.

Verzeihen Sie mir, Fräulein Margarete!" bat er. "Ich habe mich gegen meine ursprüngliche Absicht hin- reißen lassen, von Dingen zu sprechen, die Ihnen nur peinlich sein können. Doch Sie sind nun auch für alle Zukunft davor gesichert. Ich glaube nicht, daß wir uns jemals im Leben Wiedersehen werden".

Das ist Ihr unwiderruflicher Entschluß? Und wann wollen Sie reisen?" <

Morgen. Ich würde den Anschluß an den nächsten Dampfer des ostasiatischen Lloyd sonst nicht mehr er­reichen".

Wenn ich Sie nun aber bäte, mir zu Liebe noch eine kurz? Zeit zu bleiben?"

Ihnen zu Liebe? O, Sie ahnen nicht, mein Fräu­lein, wieviel Grausamkeit gegen glich in diesen Worten ist. Was thäte ich nicht Ihnen zu Liebe! Und doch könnten Sie Ihre Macht über mich mißbrauchen, um meine Qualen zwecklos zu verlängern?"

Aber es es könnte doch vielleicht sein daß ich während dieser Zeit zu einer anderen ach, W weiß ja nicht, wie ich es Ihnen sagen soll"

Sie war in Thränep ausgebrochen. Stürmisch erfaßte Sandory ihre Hand und zog sie von dem zuckenden Gesichtchen herab. V.

Ist es denn möglich, daß ich Sie recht verstehe, Margarete? So wäre doch noch nicht alle Hoffnung für