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Daß die minder dauerhaften Tinten während der letzten Jahrhunderte in Ausnahme gekommen sind, liegt aber Zweifellos vornehmlich daran, daß man zum Schreiben Farbstoffe anzuwenden wünschte, die sich dünnflüssig genug erhielten, um leicht und schnell mit der Feder über das Papier dahineilen zu können.
Die Tinten der Alten sollen, wie Vitruv, Plinius und andere berichteten, aus Ruß. oder Lampenschwarz und einer zähen Flüssigkeit bestanden haben, der bisweilen noch -etwas Farbe zugesetzt wurde. Es erscheint nun kaum .zweifelhaft, daß die Beständigkeit der alten Schriften auf die Verwendung per Kohle zurückzuführen ist; denn als man gegen Ende des Mittelalters diesen Farbstoff als ungeeignet bei der Tintenfabrikation ausschloß, verblaßten auch die Manuskripte immer schneller. Vor Jahren wurde in dem aufgegrabenen Herkulanum ein Behälter mit einer geringen Quantität Tinte ausgefunden, die, wie sich bei näherer Untersuchung ergab, aus einer Mischung bon, Lampenruß und einem dicken Oel bestand. Es ist die Tinte, wie sie zurzeit der Verschüttung der Stadt zum Schreiben auf Papyrus benutzt wurde. Gewiß mußte diese Substanz häufig genug umgerührt werden, um sie flüssig .zu erhalten. Auch wurde die Schrift wahrscheinlich mitj seinen Pinseln ausgeführt. Für den modernen Menschen, der das Schreiben nicht als Kunst betreibt, wie die Mönche -des Mittelalters, wäre aber eine zähe, verdickende Flüssigkeit völlig ungeeignet, und diesem Umstande verdankt die dünnflüssige Gallustinte ihren Weltruf und ihre Verbreitung.
. Die Gallusäpseltinte, welche aus einer Lösung von Eisenvitriol in einem wässerigen Extrakt von Eisengalläpfeln besteht, war schon vor Jahrhunderten in Gebrauch, doch setzte man anfangs dieser Mischung auch Ruß oder Lampenschwarz zu. Durch Lösung des Eisenvitriols, eines mattgrünen Salzes, in Wasser erhält man eine fast farblose Flüssigkeit, die nun mit dem hellbraunen Galläpfelextrakt gemischt wird. Der schwarze Farbstoff der Tinte -entsteht jedoch erst unter Einwirkung der Lust, welche eine Oxydation des Eisenvitriols bewirkt. Steht nun aber die Tinte dauernd mit der Luft .in Berührung, so bildet sich' ein unlöslicher schwarzer Körper, der sich, im Tintejnfaß miederschlägt und den unangenehmen Satz desselben' bildet. Durch Zusetzen von arabischem Gummi kann man das Miederschlagen dieser Farbsubstanz verhindern, nur wird die Tinte dann wieder für unsere Schnellschirift zu dickflüssig und träge. Man ist daher zu einem anderen Hilfs- rnittel übergegangen. Setzt man der Flüssigkeit nämlich ein wenig Schwefelsäure zu, so wird das Eisenvitriol in der Luft nicht verändert, und die Tinte bleibt blaß und dünnflüssig. Wenn chir mit dieser Flüssigkeit schreibens so wird sie durch die in unserem Papier enthaltene Thon-" erde und Soda wieder neutral, und es bildet sich durch die oxydierende Wirkung der Luft der schwarze Farbstoff. Um nun aber diese Tinte auch schon im Glase, wie wir es nun einmal gewöhnt sind, schwarz oder farbig erscheinen zu lassen, setzt man der Flüssigkeit etwas Indigo oder einen -anderen Farbstoff zu, der aber mit der eigentlichen dauerhaften Wirkung der Tinte auf dem Papier nichts zu thun hat.
Auch farbige Tinten, die wahrscheinlich aus Pflanzen- extrakt bestanden, waren den Alten bekannt. Das soge- wannte Sacrum Encaustum war eine purpurfarbene Tinte, während die -grüne Tinte von den Griechen für Staatsdokumente Vorbehalten blieb. Unsere jetzigen farbigen Tinten sind häufig einfache Lösungen von Anilinfarben, doch auch Campecheholz und andere Pflanzenfarben wer-? den in bedeutenden Men'gen für diese Zwecke verbraucht. Ein besonders bemerkenswertes Produkt unseres Zeitalters ist die feuerfeste Tinte, deren Hauptbestandteil ein Pla- iinasalz bildet, und die in Verbindung mit einem feuerfesten, hauptsächlich aus Asbest bestehenden Papier Anwendung findet.
Die Dauerhaftigkeit der Schrift hängt aber in hohem Maße von der Beschaffenheit des Papiers ab. Die Pergamenthäute, auf welchen früher geschrieben wurde, waren hinsichtlich der Dauerhaftigkeit einer Urkunde unserem heutigen Papier weit überlegen. Besser als dieses war in dieser Hinsicht auch, sogar das alte ungebleichte Papier;
denn gerade die geringen Mengen von Chlor und Kalk, welche nach der Bleiche immer im Papier zurückbleiben, üben im Laufe der Zeit einen zersetzenden Einfluß auf dieses, wie auf die Tinte aus. Auch kann man die Folge der Verwendung von Holzstoff zur Papierfabrikation schon, heute bei vielen Büchern erkennen. Das Papier ist braun gefärbt und so spröde, daß man es durch bloßes Zerknüllen in der Hand in kleine Stückchen zerbrechen kann. Das ist anderseits auch ein Trost; denn bei der heutigen ungeheuren Bücherproduktion wäre schließlich für neue Werke kaum noch Raum, wenn nicht die alten der Vernichtung anheimsielen.
Aber wie das Papier eine vernichtende Wirkung auf die Schrift ausübt, so auch die Tinte auf die Feder, da Stahl den Fehler hat, sich selbst in verdünnter Schwefelsäure aufzulösen. Es scheint fast, als ob man gar kein besseres chemisches Produkt zur Vernichtung der Stahlfedern hätte erzeugen können als schwarze Tinte. Es ist sicher, daß die Stahlfederfabrikanten den Tinten-Chemi- kern nicht grollen, und daß sie weit davon entfernt sind,, ihren Federn eine unbegrenzte Haltbarkeit zu geben.
F. Hd.
Gemeinnütziges.
Waschbare Stoffe sollten nicht in geblautem und gestärktem Zustande für den Winter fortgepackt werden — geblaut werden sie gelb, gestärkt mürbe — auch neue Stoffe nicht, wenn sie fleckig oder sehr schmutzig sind. Farbige Waschstosse müssen vor der ersten Wäsche gebeizt werden, damit sie nicht ausgehen und.manchmal muß man das Verfahren nach einigen Wäschen wiederholen. Die beste Beize, besonders sür alle Arten Rosa und Grün, ist starkes Salzwasser, worin man die Gegenstände aus 12 bis 24 Stunden legt, und dann sofort In die Wäsche thut, ehe das Salz darin eintrocknet. Für Blau und Braun ist starkes Alaunwasser besser, aber es muß nach jeder dritten Wäsche wiederholt werden. Pensee, Lila und Gelb lassen sich, nur in Wasser, dem etwas grüner Vitriol beigefügt ist, beizen (8 bis 10 Stunden). Bei letzterem ist jedoch Vorsicht nötig, da es giftig ist. E. O. K., New-Orl.
(„Prakt. Wegw.")
Petroleum aus einem Billardtuch verschwinden zu machen, ohne daß das letztere von der Unterlage abgenommen wird, gelingt so ziemlich, wenn man Kartoffelmehl fingerdick über den Fleck breitet und einige Stunden darauf liegen läßt; oder wenn man den Fleck mit Löschpapier bedeckt und dieses recht heiß überbügelt. Das Löschpapier muß. sehr ost gewechselt, und das Bügeln wiederholt werden.
Wie geschieht das Wasserdichtmachen der Sackleinwand? Nimm gleiche Gewichtsteile von Alaun und Bleizucker (essigsaures Blei), löse beide unter Um» rühren in heißem Wasser aus, vermenge hierauf diese Lösungen, versetze sie dann mit warmem Wasser und lege in diese Mischung die Leinwand 24 Stunden lang ein; schließlich trockne die Leinwand. — Oder: man koche 50 Gramm Hausenblase so lange mit weichem Wasser, bis sie völlig aufgelöst ist, löse darauf 100 Gramm Alaun in 3 Liter Wasser und 30 Gramm weiße Seife in 1,5 bis 2 Liter Wasser, menge sodann die Filtra und trage die Mischung in stark erwärmtem Zustande mittelst Bürste aus das Zeug auf.
Wie sind Fässer wasserdicht zu machen? In drei Teilen frischen, heftig geschlagenen Blutes werden vier Teile zu Staub gelöschten Kalkes gethan und dieser Mischung etwas Alaun hinzugefügt. Die so erlangte dünn- klebrige Masse kann sofort zum Ärstrich verwendet werden. Je nach dem gewünschten Grade der Dichtigkeit wird der Anstrich zwei- oder dreimal wiederholt.
Leimen pon Holz auf Metall. Zu diesem Zwecke rauht man die betreffende Metallseite durch unverdünnte Schwefelsäure. Sobald das Metall trocken abgewischt ist, verleimt man dasselbe mit bestem Tischlerleim, dem eine kleine Menge Glyzerin und Galläpfelabkochung zugesetzt ist. Das Verfahren eignet sich, nicht nur zum Leimen kleiner Plättchen, sondern auch größerer, doch


