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Dienstag den 29. Mai.^M
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JsM as Leben soll die Erde sein,
Darin die Weisheit Wurzel schlägt, jS*® Und pflanzt ihr drin den Kern nicht ein,
Wächst euch kein Baum, der Früchte trägt.
Badenstedt.
(Nachdruck verboten.)
„Es sah eine Linde ins tiefe Thal."
Novelle von R. Litten.
(Fortsetzung.)
Tiefsinnig starrte er dabei auf das weiße niedliche Händchen neben sich, welches so zierlich die silberne Gabel zum Munde führte, aber plötzlich sprang er auf, schlug an sein Glas und erklärte der aufhorchenden Tischgesellschaft, daß man sich unverantwortlich gegen seine Nachbarin, die Baronesse Elisabeth von Wehdau, benehme, daß sich die arme junge Dame, welche als Großstädterin ein doppeltes Anrecht auf Zerstreuung habe, entschieden zu langweilen beginne — Beweis ihr stilles, gedrücktes Wesen — und daß man nur durchs ein Waldfest großen Stiles dieses Unrecht gut machen könne. Wer sich mit ihm in dieser Ansicht eins fühle, erhebe sein Glas auf das Wohl und das Vergnügen der genannten, tief beklagenswerten jungen Dame.
Jubelnder Beifall, lustiges Gläserklirren, durcheinanderschwirrende Vorschläge und Pläne. Im Nu war Schreibmaterial zur Stelle, die Namen der Eingeladenen bezeichnet, und ein herrlicher Buchenwald mit daranstoßendem See zum Festplatz ausersehen. Aber wenn Jupiter Pluvius sich launenhaft zeigt? Auch dafür wußte Heiking Rat.
< „In dem Falle bitte ich, den Schauplatz des Festes in den Tanzsaal meines Hauses verlegen zu dürfen", meinte er. Leise, nur für seine Nachbarin verständlich, fügte er hinzu: „Er ist seit Jahren nicht benutzt worden, und ich würde es für ein glückliches Omen ansehen, wenn gerade Ihre Füßchen ihn, seiner Bestimmung wiedergeben".
Wie hübsch die Kleine aussieht, wenn sie errötet. Wie Rosenglut huscht es über ihr Gesichtchen, selbst die kleinen Ohren, der runde weiße Hals bleiben nicht davon verschont. Nicht zu ihrem Schaden, mußte der Baron noch nach ein paar Stunden, als er neben Professor Volkmann heimwärts ritt, immer wieder daran denken. Er lächelte dabei und gab seinem Genossen zerstreute Antworten aus dessen Fragen.
Am nächsten Vormittag trat er in das Zimmer seines Gastes und warf die Reitpeitsche, die er in der Hand hielt, ärgerlich auf den Tische „Fatal! Will eben nach Welting-
hausen, um den Damen persönlich die Einladung zu unserem Feste zu überbringen, da läßt sich natürlich Loewenthal melden. Er kommt des Weizens wegen, wir haben lange Abrechnungen miteinander; möchte dem armen Kerl nicht zum zweiten Male den weiten Weg zumuten. Was thun?" ~
Der Professor erhob sich von seinem Schaukelstuhl int bi legte die Zeitung auf die Marmorplatte des danebenstdhen- den Tischchens.
„Sehr einfach, Baron, Sie nehmen mich als Abge- sandten! Ich kenne ja bereits den Weg, und eine Wänder- ung durch den Wald erscheint mir sehr verlockend. Nicht minder freilich solch improvisiertes Plauderstündchen mit Ihrer schönen Nachbarin", fügte er lächelnd hinzu.
Heiking reichte ihm dankbar die Hand. „Das ist brav, Professor, und wenn es Ihnen in Mellinghausen gefällt, denken Sie, bitte, daran, daß ich keineswegs zu der liebenswürdigen Gattung von Wirten gehöre, welche ihren unglücklichen Gästen am liebsten ein Band um den Fuß schlingen möchten, um sie nur ja jederzeit in ihren Käfig zurücEzupfen zu können. Meine Empfehlung den Santen! Wenn Loewenthal glücklich überwunden, folge ich Ihnen wahrscheinlich".
Thür schloß sich hinter dem eilig Hinausschreitenden, und der Gelehrte vertauschte seinen bequemen Morgenanzug mit einem besuchsmäßigeren Gewände, nahm den weichen Filzhut vom Ständer, warf einen flüchtigen Blick in den Spiegel und trat seine Waüderung an. Mellinghausen stieß "fast unmittelbar an die Besitzung seines Gastfreundes, in einer kleinen Stunde sah er das Schloß vor sich liegen. Aber von einer anderen als der bereits bekannten Seite erblickte er es, er war doch wohl vom gestern eingeschlagenen Wege abgewichen.
Rasch sich orientierend, durchschritt er den prächtig gehaltenen Park, der ihn von seinem Ziele trennte, und stieg die bequemen Terrassenstufen des <Ähloßberges hinan. Oben aber blieb er wie festgebannt stehen und schaute mit entzückten Blicken auf das Bild, welches sich ihm hier so überraschend bot. Man hatte an dieser Seite die Spitze des Hügels abgetragen und ein Stückchen Eden darauf geschaffen. Eine Fülle von seltenen köstlichen Blumen, duftenden Gebüschen, schattigen Bäumen, von großblumigen, schwebende Guirlanden bildenden Schlinggewächsen, flatternden, um zierliche Lauben spielenden Ranken, und dazwischen lockend, winkend, mit weißen, geheimnisvollen Gesichtern aus dem Grün lugend, zahlreiche weiße Steingebilde.
Am Eingang eines luftigen Pavillons bemerkte der Professor auf schön gemeißeltem Granitsockel eine besonders anmutige Gestalt aus edlem Marmor. Er wollte aus dieselbe zuschreiten, blieb aber plötzlich hinter der hochstäm-


