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in Skandinavien. Bei den Mandayas aus den Philippinen wird diese Sitte folgendermaßen gehandhabt: Die Brautleute essen zusammen aus einer Schüssel in Wasser gekochten Reis, wobei sie sich gegenseitig die Bissen zustecken. Darauf kaut jedes eine Betelportion; die ausgekaute (die „Sapa") wird dann ausgetauscht und weiter gekaut. Diese letztere ekelhafte Sitte ist auch bei Verliebten der übrigen Malaienstämme des ostindischen Archipels im Gebrauche.
Recht wunderliche Hochzeitsgebräuche sind ferner folgende:
Die Eheschließung der Wutka in Neu-Guinea geschieht dadurch, daß sich die Verlobten gegenseitig eine Wunde an der Stirn beibringen, so daß Blut fließt. Auf den Neuhebriden ist es Sitte, den sich verheiratenden Frauen zwei Vorderzähne der oberen Zahnreihe einzuschlagen und dazu noch in sehr derber Weise; es wird nämlich ein Stock gegen dieselben gesetzt, und mit einem Stein ein kräftiger Schlag darauf geführt. In Australien werden der jungen Frau von einem alten Weibe zwei Glieder des kleinen Fingers der linken Hand abgebissen; erst dann wird sie der Aufnahme unter die verheirateten Frauen würdig erkannt. Auf Banabe, einer der mikronesischen Inseln, wird die Braut mit gewissen Zeichen tätowiert. Nach Landsdell nähm in Sibirien in alten Zeiten der Bräutigam eine Peitsche mit in die Kirche und berührte bei einer Stelle der heiligen Handlung mit derselben leicht den Rücken der Braut, zum Zeichen, daß sie ihm unterwürfig sei. Bei den Timanis in Nordwest-Afrika feilt der Schmied der Braut die Zähne und schmiedet Mann und Frau mit einem eisernen Ringe am Handgelenke zusammen. Beispiele dafür, daß der Schmied bei Verheiratungen mitwirkt, finden sich auch im Kaukasus. Bei den tunesischen Juden ist das Mädchen bereits eine Woche vor der Hochzeit das Opfer überkommener Gebräuche. Die Hauptperson der Hochzeitsfeierlichkeiten selber ist aber niemand geringerer als der
Barbier; er leitet die Festlichkeiten und giebt dem Paare gute Lehren. Bei einigen Hindustämmen vermählt man die beiden Verlobten erst je einem Baume und dann miteinander. In manchen Teilen Indiens werden Braut und Bräutigam zum Zeichen ihrer innigen Vereinigung das eine mit dem Blute des anderen besprengt.
Bei vielen Völkern wird indes die Ehe durch keinerlei Hochzeitsfeierlichkeiten eingeleitet. Die Mandingo in West- Afrika z. B., versichert Caillie, veranstalten keine Zeremonie bei Vereinigung eines Paares. Dasselbe berichtet Hutton von den Aschantis. Lavaillant wieder behauptet, daß auch manchen Hottentotten Hochzeitsgebräuche fremd seien, und nach Wood sind die Buschmänner nicht im stände, einen Unterschied zwischen einem verheirateten und einem ledigen Frauenzimmer in ihrer Sprache auszudrücken. Wie Oberst Dalton mitteilt, haben auch die Keriahs in Mittelindien in ihrer Muttersprache kein Wort für Hochzeit. Dasselbe trifft ferner nach Angabe spanischer Missionare bei den Indianern Kaliforniens zu. Aus den angeführten That- sachen folgt übrigens keineswegs, daß allen jenen Völkern, welche die Ehe in so formloser Weise abschließen, dieselbe auch als etwas sehr Gleichgiltiges erscheint. G—ck. (Aus: „Der Stein der Weisen", A. Hartlebens Verlag, Wien.)
Gemeinnütziges.
Wie soll es in der Küche aussehen? Es kommt vor, daß eine Hausfrau sehr eigen mit den Wohn- und Schlafräumen ist; da ist alles wie geleckt, aber in der Küche sieht es aus, daß einem der Appetit vergeht. Da liegt Kohlenstaub auf den blinden Blech- und Messinggeschirren, da sind die Tische schmutzig, gleichfalls die Tellertücher, da fehlt es an den notwendigen Gerätschaften, während die stilvolle Einrichtung des Salons nichts zu wünschen übrig läßt. Liebe junge Hausfrau, einen altdeutschen Krug, einen kostbaren Prunkteller, ein stilvolles Eckbrettchen weniger, aber an guten Töpfen, Kochlöffeln, sauberen Tellertüchern, scharfen, blanken Messern und großen, schneeweißen Tischen lasse es in der Küche nicht fehlen. Das fei dein Stolz.
Lttterarisches.
Das „Neunzehnte Jahrhundert in Bildnissen", heraus, gegeben von Karl Werkmeister, Photographische Gesellschaft, Berlin, dringt in seiner neuesten Lieserung (49, wieder einmal ein ganzes Heft von Bildnissen eines einzigen Mannes, und zwar wie früher von Beethoven und Göthe, so dieses Mal von Napoleon dem I, der in den verschiedenen Phasen seines Lebens nach von Zeitgenossen herrührenden Bildnissen gegeben wird. Eines der besten Bilder Napoleons ist das von Jsabey gefertigte Porträt aus dem Museum zu Lersailles, welches den ersten Konsul in der Uniform der Gardejäger darstellt. Napoleon war von kleiner Statur mit stark entwickeltem Oberleib, ebenmäßigen Gliedern, kleinen Händen und Füßen, als General und Konsul mager, später beleibt. Das scharf geschnillene klassisch südländische Antlitz mit der Adlernase, dem vorstehenden Kinn und den nahe bei einanderstehen- den tiefblickenden stahlgrauen Augen war in seinen jungen Jahren gelblich, später fast krankhaft weiß und bleich. Aus dieser späteren Zeit erwähnen wir besonders die Zeichnung von Vigneux, die nach dem Zeugnisse seiner damals lebenden Angehörigen das ähnlichste aller Porträts gewesen sein soll, das Gemälde von David, ihn im Arbeitszimmer darstellend, und die von Calamatta nach dem Abgusse Automarchis gezeichnete wundervolle Totenmaske, welche den cäsarischen Typus des rücksichtslosen Mannes deutlich zeigt, der anderthalb Jahrzehnte lang Europa den Stempel seiner genialen Energie aufgedrückl hat. Der bekannte Napoleon-Biograph, Prosefsor August Fournier in Wien hat die ganze historische Figur des Mannes in einem ausgezeichneten Essay geschildert, der sein Können und seine Größe uneingeschränkt anerkennt, ohne seine Fehler und Gewaltthaten entschuldigen zu wollen, wie die gegenwärtig wieder aufblühende napoleonische Legende es thut. Alles in allem: ein interessantes und reichhaltiges Heft, das dem Werke sicher neue Freunde erwerben wird.
Im Verlage von Hermann Paetel in Berlin ist soeben erschienen die 21. Auflage von Haus» Gymnastik für Gesunde und Kranke Von w. Prof. Dr. E. Angcrstein und Prof. G. Eckler. Preis gebunden 3 Mark. Kein Werk auf gleichem Gebiete kann sich eines solchen Erfolges rühmen wie die Haus-Gymnastik von Angerstein und Eckler. Verfaßt von zwei Autoritäten auf dem Gebiete des Turnwesens und von der gesamten maßgebenden Presse schon längst als das beste Werk über Haus- Gymnastik anerkannt, hat dasselbe im Publikum wegen, seiner Vortrefflichkeit und praktischen Brauchbarkeit so große Verbreitung gefunden, daß im Verlaufe weniger Jahre bereits davon 21 Auflagen erforderlich wurden. Die vollständige theoretische Beherrschung des Stoffs, die dem Werke überall den Stempel einfacher Klarheit aufdrückt, die knappe und klare, stets auch dem Laien leicht verständliche Sprache, die vortreffliche Ausstattung des Werkes und endlich die zahlreichen vorzüglichen Illustrationen wirklich ausgeführter Hebungen nach photographischen Aufnahmen, das sind die wesentlichen Vorzüge, denen die Haus-Gymnastik von Angerstein und Ekler ihren großen Erfolg verdankt. Für den Hausarzt ist es eine gewisse hygienische Pflicht, das Buch in seiner Klientel einzuführen durch warme Empfehlung an Eltern und Lehrer.
Preisrätsel.* *)
Kreuzrätset.
Nachdruck verboten.
In die Felder nebenstehender Figur sind die Bnch- staben aaa a, cc, eeee e e e e, f, g, h h, i, k k, l l, m m, n n, o o o o, p p, r r r r, s s s s, t t, z z derart einzutragen, daß die wage- rechten und senkrechten Reihen
gleichlautend Folgendes ergeben:
1. Weiblichen Vornamen.
2. Warmes Kleidungsstück.
3. Giftige Tiere.
*) Von 1900 ab bringen wir in angemessenen Zwischenräumen in den Familienblättern Preisrütsel, an deren Lösung sich recht eifrig zu beteiligen, wir unsere geschätzten Leser bitten. Die Lösungsfrist läuft stets acht Tage nach Ausgabe der betr. Nr. ab. Unter den an die Redaktion der,,Familienblätter" einzusendenden richtigen Lösungen wird eine ausgelost, deren Einsender mit einem Preise — nützliches Buch oder dergleichen bedacht wird.
Auflösung des Anagramms in voriger Nummer. Wein, Wien.
«edaktiou: ®. Burkhardt. — Druck und «erlag der Brühl'schm Umversttits-Buch. und Eteindruckerei (Pietsch Erdens in «iehen.


