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Post in Frankreich, einrichtete, zu seinen eigenen Post- Beamten so geringes Vertrauen, daß er gleichzeitig eine zweite Behörde schuf, deren Aufgabe es war, die von den königlichen Post-Beamten beförderten Briefe auf deren Staatsgefährlichkeit zu untersuchen.
Aus diesen Anfängen erwuchsen in Frankreich die „cabinets noirs", welche namentlich unter Richelieu und Biazarin zur Bekämpfung des Protestantismus im eigenen Lande, aber auch gegen die drohende Gefahr einer habsburgischen Weltmonarchie Verwendung fanden. Ihre Glanzzeit hatten sie indes unter Ludwig XV., der nicht weniger als 300 000 Franks alljährlich für sie verwendete und damit nicht nur staatsgefährliche.Umtriebe auskundschaften, sondern auch von der chronique scandaleuse der oberen Zehntausend unterrichtet sein wollte.
Napoleon I. hob den Etat des cabinet noir auf 600 000 Franks. Seine Späher saßen nicht nur in den französischen großen Städten, sondern in Madrid, Mailand, Rom, Neapel, ebenso wie in Augsburg, Nürnberg, Frankfurt rc., und es kam sehr häufig vor, daß dieselben Leute, welche als Logisten in österreichischem Interesse die von der Nhurn- und Taxis'schen Post beförderten Briefe durchstöberten, gleichzeitig auch Bonaparte bedienten und von ihin dafür auch angemessen bezahlt wurden.
Was von Napoleon III. und der dritten französischen Republik in diesem Punkte gesündigt wurde, gehört der Geschichte der Gegenwart an und ist genugsam bekannt. Aber ein von der „Kölnischen Zeitung" zur Zeit des Drey- fusprozesses erzähltes Geschichtchen ist zu amüsant, um hier nicht wiedergegeben zu werden. Ein Deputierter, der von einem anderen 100 Franks entliehen hatte, wollte diese seinem Freunde eines Tages zurücksenden, vergaß aber in seiner Zerstreutheit, in den Begleitbrief die "bewußten 100 Franks hineinzulegen. Am nächsten Tage sandte er dieselben mit einem Entschuldigungsbrief nach. Der Adressat hatte aber schon in dem ersten Brief 100 Frs. vorgefunden, obwohl der Absender auf keinen Fall die Note hineingethan haben konnte. Die Lösung des Rätsels war die, daß das schwarze Kabinett den Brief geöffnet hatte, der dann durch verschiedene §änbc gewandert war. Als man nun das Fehlen der darin erwähnten 100 Franks entdeckte, konnte der Verdacht der Unterschlagung nur auf die manipulierenden Beamten fallen, und da man mit einer Untersuchung nur die im geheimen wirkende Behörde blosgestellt Hütte, zog man es vor, die 100 Franks zu ersetzen, die thatsächlich nicht beigelegen hatten. In Oesterreich wurde schon unter Karl V. die Brieferöffnung in großem Maßstabe betrieben. Natürlich richtete sich diese Spionage in Seit Zeiten der Reformation vorzugsweise gegen die protestantischen Fürsten, deren Pläne und Verabredungen dem Kaiser meist eher bekannt waren, als den Empfängern der betreffenden Briefe. Als später durch kaiserliche Verordnung das Postregal im Reiche der Familie Thurn und Taxis übertragen wurde, lag es nur im Interesse der habsburgischen Politik, die Posten in Oesterreich sich selber vorzubehalten und durch den Grafen Taar organisieren zu lassen. Man behielt dadurch die Post im Jn- lande in eigener Hand, und daß die Thurn- und Taxissche Postkutsche nicht zum Nachteil des Kaisers durch Deutsch- lands Gauen wackelte, dafür sorgten schon die jeweiligen Herren und späteren Fürsten dieses Hauses, welche der gleichzeitig im Dienste Roms arbeitenden Sache des Kaisers blind ergeben waren. Denn in den Mittelpunkten dieses Verkehrsnetzes schuf man die geheimnisvollen Brieflogen, deren ausschließliche Aufgabe die Brieferöffnung war, und welche alles für die österreichische Politik Wissenswerte an ihre Mutteranstalt, das schwarze Kabinett in Wien meldeten.
Dieses Wiener schwarze Kabinett, welches auch in der Wallensteinischen Tragödie wie überhaupt im dreißigjährigen Kriege tüchtige Arbeit leistete, war namentlich Friedrich dem Großen ein Dorn im Auge. Es war ihm nämlich geradezu unmöglich, seinem Wiener Gesandten einen Bries zukommen zu lassen, ohne daß Fürst Kaunitz, der österreichische Hof- und Staatskanzler, schon vorher um dessen Inhalt gevoußt hätte.
Daß auch unter Metternich das schwarze Kabinett intensiv gearbeitet hat, ist schon oben angedeutet worden. In Lemberg, aber auch in Venedig, Mailand und Verona hat die Thätigkeit dieser Anstalten manches Komplott der der Fremdherrschaft widerstrebenden Bevölkerung enthüllt, aber auch manchen relativ unschuldigen Mann, der sich nur etwas unvorsichtig äußerte, ohne ein Verschwörer zu sein, langjähriger Kerkerhaft überliefert.
Wie stand und steht es nun im benachbarten Rußland? Daß die geheimnisvolle dritte Abteilung des Ministeriums des Innern nichts anderes war, als die höchste Spitze einer Geheimpolizei, die in dem absolutistisch regierten Riesenreich vor dem Briefgeheimnis nicht Halt machte, ist bekannt. Von einem wirksamen Schutze desselben kann dort überhaupt nicht die Rede sein, so lange man das Recht beansprucht und ausübt, harmlose Bücher und Zeitungen, die der Reisende in der Tasche über die Grenze nimmt, dem verblüfften Ausländer wegzunehmen, der das heilige Ruß- land auf irgend einer Eisenbahngrenzstation betritt. Der Eingeborene mag sich aber dort damit trösten, daß der russische Zeitgeist eben hinter dem des westlichen Europa um mindestens ein Jahrhundert nachhinkt, wie man sich ja dort auch nicht hat entschließen können, jetzt an der Jahrhundertwende, dem dafür günstigsten Zeitpunkt, die lästige Kalenderdifferenz, die jetzt wiederum um einen Tag wächst, aus der Welt zu schaffen.
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Redaktion: ®. Burkhardt. - »ruck und Verlag der Brühl'schen Univerfitiits-Buch. und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Bietzen.


