Ausgabe 
28.10.1900
 
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Ich erhob mnch denn auch möglichst kaltblütig und stand nun Herrn Athanassio, Auge in Auge, stramm gegen­über.Was soll das?" sage ich zu ihm. Mit einer ge­wissen ruhigen Freundlichkeit erwiderte der Herr:

Es ist nur der elenden Kellner wegen. Sie sind so neugierig diese Kerls, und bei dem, was ich mit Ihnen zu sprechen habe, möchte ich gern ungestört sein."

Sie dürften sich irren, Herr Athanassio wir sind fertig miteinander."

Meinen Sie? Ich war soeben bei meinem Rechts­anwalt?"

Aha! Nun, da wissen Sie ja wohl"

Alles weiß ich. Aber Sie wissen noch nicht alles. Ter Advokat hat seinen Lohn dahin ich habe ihn vor einer Stunde über den Haufen geschossen!"

Allmächtiger Gott!" entfuhr es mir, und entsetzt wich ich ein paar Schritte zurück. Athanassio aber erhob wie beschwichtigend die Hand gegen mich dann fuhr er fort:

Bleiben Sie ganz ruhig, Herr Römer! Sie werde ich nicht erschießen; denn Sie haben nur Ihre Pflicht gethan. Aber dieser Elende er hat den Rest meines Depots an die Gerichte ausgeliefert und nun bin ich ein Bettelmann!"

Ich hatte trotz meiner Jugend schon eine ganze Menge Dinge von großer Ernsthaftigkeit erlebt, aber einem Mörder stand ich jetzt zum ersten Mal gegenüber; war's da ein Wunder, daß mir's einmal übers andere kalt über den Rücken lief?

Athanassio das ist doch Ihr Ernst nicht?" So fragte ich nach qualvoller Pause.

Es ist die Wahrheit, Herr Römer da ist nichts mehr zu ändern daran."

Aber das ist ja gräßlich, Mann!"

Gräßlich oder nicht davon ist nicht die Rede jetzt. Die Hauptsache ist: ich will fort; denn ich glaube bemerkt zu haben, daß man mir schon auf den Fersen ist. Aber ich habe kein Geld, Herr Römer. Geben Sie mir welches, und wenn's auch nur hundert Franken sind!"

Herr Athanassio, ich weiß nicht, ob ich soviel"

Dann geben Sie, was Sie haben! Nur schnell! schnell!"

lieber meinen Geist war's mit einem Male wie eine Art Verwirrung gekommen, und ich wußte kaum mehr klar, was ich thun und lassen sollte. Nach einem Moment halben Besinnens ging ich aber schließlich doch nach meinem Koffer, um die darin verborgenen fünfzig Franken zu holen. Aber noch ehe der Koffer geöffnet war, hörte ich vom Korridor her hastige, sich rasch nähernde Tritte, dann wurde plötzlich sehr stark von außen an die Thüre geklopft Athanassio erschrak heftig und entfärbte sich stark.

Im Namen des Gesetzes, öffnen Sie, mein Herr!" rief draußen eine Stimme.

Was soll ich thun?" fragte ich leise Athanassio.

Oeffnen!" erwiderte er kurz und kalt, indem er mir zugleich den Thürschlüssel gab.Die Jäger sind schneller gewesen als das Wild."

Mit hundert widerstreitenden Empfindungen schritt ich zur Thüre und öffnete sie. Der Hotelier und ein Kriminal­beamter standen draußen.

Sie wünschen?" fragte ich.

Den Herrn dort!" erwiderte der Beamte, indem er auf Athanassio deutete und ins Zimmer trat.

Unwillkürlich wandte icb> mich nach Athanassio um. Aber noch ehe das geschehen war, dröhnte ein Schuß durchs Zimmer. Ein schwerer Körper fiel zur Erde. . aus dem Mörder Athanassio war nun auch noch ein Selbstmörder geworden.

Man trug ihn blutüberströmt hinaus....

Gemeinnütziges.

Frikan,dellen. Fleischüberreste werden mit Zwie­beln oder Petersilie recht fein gehackt, dann einige Eier, Salz, Nelken oder Muskat, etwas abgeriebenes, in Butter- gelb gemachtes Weißbrot nebst Braten oder Fleischbrühe damit verarbeitet und längliche Klöße daraus geformt, die man in den feingestoßenen Krusten umdreht, und in Butter gelb brät.

Der DaheiM'Kakettder für 1901 bringt unterGemein, nütziges" einen Beitrag von D. Theodor Schäfer:Stifte und Heime", der einem dringenden Bedürfnis entgegenkommt und sich als ein wahrer Schatz für alle Besitzer des Kalenders erweisen wird. Wer von uns ist nicht schon einmal in der Lage gewesen, sich für einen Verwandten oder einen Schützling nach einem Heim umzusehen, das seinen Angehörigen einen ruhigen, vor den Stürmen des Lebens gesicherten Aufenthalt gewährt! Wir wußten, daß es solche Asyle in reicher Zahl gibt, aber wie dasjenige ausfindig machen, das gerade in unserem Fall in Frage kam? Hier nun will der Aufsatz Helsen, indem er ein zuverlässiges Ver­zeichnis all der Stifte und Heime bringt, in denen gewisse Persönlich­keiten einen dauernden Aufenthalt finden können. Bei allen sind die Bedingungen angegeben, unter denen das geschehen kann. Während nämlich die einen allen Bewerbern einer gewiffen Kategorie offen stehen, sind die anderen bestimmten Bevölkerungsklassen nach Stand, Beruf, Konfession u. s. w. Vorbehalten, beanspruchen ein Eintrittsgeld oder einen Zuschuß u. s. w. Es leuchtet ein, wie wertvoll ein solches Verzeichnis sein muß. Bei der großen Zahl derartiger Heime, die es erfreulicher­weise in Deutschland gibt, haben in diesem Jahrgange allerdings nur die Anfnahme finden können, die den 28 deutschen Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern angehören. Das Verzeichnis soll aber im nächsten Jahre fortgesetzt werden. In anderer Weise sehr interessant sind die zeitgemäßen Aufsätze:Die Entstehung des preußischen König- tunis" von Professor Dr. Ed. Heyck undDie deutsche Kriegs­marine" von Heinrich Lühr. Die Erzählungen, die ebenso reich illu­striert sind wie die Aufsätze, lieferten Richard Skowronnek:Jons Raudonati s" die Erzählung spielt unter Förstern und Charlotte Niese:Der rote PatriarL und Jakob" eine Menschen- und Tiergeschichte. Der Kalender bringt außer den genannten Aufsätzen noch eine reiche Fülle von Unterhaltung nnd Belehrung in Wort und Bild sowohl in seinem allgemeinen Teil wie in den Abteilungen:Frauen- Kalender" undAllerlei Kurzweil für die Jugend". Unter den selb­ständigen Bildern haben uns besonders die zahlreichen vortrefflichen Reproduktionen nach alten Meistern, wie Raffael, van Dyck, Holbein, Dürer u. s. w. gefallen. Dr. Adolf Rosenberg hat ein vorzügliches Geleitwort zu ihnen geschrieben.

Als achter Band des neunten Jahrgangs der Veröffentlichungen desVereins der Bücherfreunde" (Geschästsleitung Alfred Schall, Hofbuchhandlung), Berlin W. 30, erschien soeben:

Unabhängig. Roman von Ant. Andrea. Umfang 23 Bogen. Preis geheftet 4 Mk., eleg. gebd. 5 Mk. Für Mitglieder desVereins der Bücherfreunde" kostet der Band nur 1 Mk. 85 Pfg. geheftet und 2 Mk. 25 Pfg. gebd.

Die bestens bekannte Schriftstellerin beschäftigt sich in vorliegendem Roman in hochinteressanter Weise mit der Frauenbewegung.

Das Streben des weiblichen Geschlechts nach Unabhängigkeit und Selbständigkeit wird in lebenswahrer Weise an verschiedenen Charakteren durchgeführt.

Der Roman ist cin Meisterstück realer Darstcllungskunst und kann dabei als sittlich reine Lektüre auf jeden deutschen Familientisch gelegt werden.

DerVerein der Bücherfreunde" schließt mit diesem hervorragenden Roman seinen 9. Jahrgang. Was dieser Verein in den 9 Jahren seines Bestehens an guter deutscher Litteratur zu wohlfeilsten Preisen dem deutschen Volke geboten hat, ist in weiteren Kreisen bekannt, und die Tausende, die sich an seinen Gaben erfreut haben, werden seinen Eintritt in den zehnten Jahrgang sicher mit Freuden begrüßen. Der Inhalt dieses Jahrgangs wird wieder ein hervorragend interessanter werden, und man hat keine Mühe gespart, um diesen Jubiläumsjahrgang beson­ders zugkräftig zu gestalten.

Mau verlange Prospekte des Vereins in der nächsten Buchhandlung oder direkt von der Geschäftsleitung (Berlin W. 30).

Kreuzrätsel.

Nachdruck verboten.

1 2 ein Volk im fernen Land

3 2 zerreißt der Freundschaft Band

3 1 ein schattiger Aufenthalt

3 4 besitzest du mannigfalt

4 1 siehst doppelt du an dir, auch hat's der Tisch und das Klavier.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer:

Nachlaßversteigerungm.

Redaktion: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen UmverfitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.