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Damenkaffee, als ihr die fünfzehnte Tasse eingeschenkt wird, meint: „aber das ist ganz gewiß die vorletzte".
In sehr bekannter Weise äußert sich Brillat-Savarin, also der erste Sachverständige in der Kunst des Genießens über die verschiedenen Abstufungen des Durstes mit folgenden Worten: „Der stille oder gewöhnliche Durst besteht in jenem unmerklichen Verlangen, das Flüssigkeits- gcwicht herzustellen, da jeder Atemzug eine Quantität Flüssigkeit entführt. Dieser Durst ladet ohne Schmerzgefühl ein, beim Essen zu trinken, und ihm verdanken wir es, daß wir beinahe zu jeder Zeit zu trinken vermögen. Dieser Durst begleitet uns überall und macht in gewisser Hinsicht einen Teil unseres Wesens aus. Der künstliche Durst ist dem Menscheu eigentümlich und entstammt jenem angeborenen Instinkt, der uns in den Getränken eine Kraft suchen läßt, die die Natur nicht hineingelegt hat, und welche nur durch die Gärung erzeugt wird. Dieser Durst ist eher ein künstlicher Genuß als ein natürliches Bedürfnis und in Wahrheit unauslöschlich-, weil die Getränke, mit denen man ihn zu stillen wünscht, ihn unfehlbar stets aufs neue erzeugen. Wenn er schließlich zur Gewohnheit wird, bringt er die Trunkenbolde aller Länder hervor, und bei diesen nimmt beinahe immer das Trinken erst dann ein Ende, wenn entweder das Getränk fehlt oder wenn dieses den Trinker besiegt und unter den Tisch gestreckt hat. Wunderbar ist es, daß derjenige, der seinen Durst mit reinem Wasser stillt, das dessen natürliches Stillungsmittel zu sein scheint, nie einen Schluck über das Bedürfnis trinkt. Der brennende Durst entsteht durch die Steigerung des Bedürfnisses und durch die Unmöglichkeit, den stillen Durst zu löschen. Man nennt ihn brennend, weil er von einem brennenden Gefühle auf der Zunge, Trockenheit des Gaumens und verzehrender Glut im ganzen Körper begleitet ist."
Die Frage wie viel einer trinken soll, kann nicht mit bestimmenden Maßen und Zahlen beantwortet werden. Klima, Jahreszeit, Art der Beschäftigung und vor allem natürlich die angeborene Konstitution des Individuums find hier die maßgebenden Faktoren, und diese können sich so verschieden gestalten, daß allerdings außerordentlichverschiedene Resultate herauskommen. Die Brauknechte der großen süddeutschen und österreichischen Brauereien bekommen täglich 6 bis 8 Liter Freibier als Deputat und trinken außerdem, da sie es um einen sehr billigen Preis erhalten, häufig noch weitere 8 bis 10 Liter. Sie befinden sich bei der von ihnen geleisteten schweren Arbeit trotz dreses kolossalen Flüssigkeitskonsums ganz wohl, höchstens zieht sich der oder jener eine Herzverdickung zu, welche bei seiner auch im übrigen sehr kräftigen Lebensweise selten schlimme Folgen hat, während ein armseliges schwaches Schreiberlein vielleicht von einem Liter umgeworsen wird. Den besten Maßstab zur Beurteilung des Wievieis giebt vielleicht nachstehende, auf einem thatsächlichen Vorfall beruhende Anekdote. Einem an der Majorsecke stehenden Hauptmann schrieb sein Bataillonskommandeur in die Konduite „Trinkt viel"; der wohlwollende und mit den Verhältnissen vertraute Oberst, welcher die Bemerkung des I gehässigen Majors nicht wohl annullieren konnte, machte den Zusatz: „Verträgt auch viel", und der ebenfalls dem Hauptmann gewogene Brigadier fügte noch hinzu: „Bezahlt es auch". Nur derjenige, der mehr trinkt, als er vertragen und bezahlen kann, ist ein Säufer und noch etwas schlimmeres als dieser, und der berühmteste Mann Deutschlands, dessen irdisches Teil unter den Eschen des Sachsenwaldes ruht, käme herzlich schlecht weg, wenn man seinen Durst, dessen Befriedigung ihn nicht gehindert hat, den Bau des deutschen Reiches zurechtzuzimmern, nach dem kleinlichen Maßstabe Zuckerwasser trinkender Philister messen wollte.
Das deutsche Volk vertrinkt im Jahre in Gestalt von Bier rund 1800 Millionen Mark; der konsumierte Schnaps und Branntwein hat einen Berkausswert von 700 Millionen Mark; dazu kommen noch 400 bis 500 Millionen Mark, die in Wein vertrunken werden, in Summa nahezu 3 Milliarden, welche alljährlich auf den Altären von Bacchus und Gambrinus geopfert werden. Das sind allerdings er- I
«ebalties: $. Burkhardt. — »ruck und verleg der Brühl'schen
schreckende Ziffern, an denen manches zum allgemeinen und besonderen Wohle gespart werden könnte, obwohl man mcht verkennen darf, daß das Bier doch auch bedeutende Mengen leicht assimilierbarer Nährstoffe enthält und der Alkoyol des Weines und Bieres im Körper als Brennmaterial verbraucht wird und ebenso Wärme liefert wie Zucker, Mehl und Fette.
Vielleicht stimmt es die Temperenzler milder, wenn Ire hören, daß für Kaffee und Tabak, welche beide nicht den geringsten Nährwert haben, guch recht erkleckliche Summen verausgabt werden. Deutschland verbraucht nämlich alljährlich Kaffee im Verkaufswert von rund 250 Millionen Mark und bringt ein Rauchopfer dar, welches mit eurer halben Milliarde Mark gering geschätzt!ist.- Jedenfalls rst aber so viel gewiß, daß die größten" Denker und Dichter in ihrer überwältigenden Mehrzahl einen guten Drunk wohl zu schätzen gewußt haben und nach wie vor begeht das Wort des alten Horaz zu Recht, welches in deutscher Uebertraguug lautet:
Lange währt nicht der Ruhm und das Leben solcher Gedichte Die ein Poet gereimt, der stets nur Wasser getrunken. '
GernHtMnÄtziges.
Zur Erziehung. Wenn ein zartgewebtes Netz in Unordnung geraten will, so packt der Vernünftige nicht mit plumper Hand hinein und verwirrt so das Ganze sondern man versucht mit.leichtem, vorsichtigem Finger die angehende Unordnnng zu heben. Und ein ehr zart und fern besaitetes Ding ist die.Kindesseele. E. Almsloh
Literarisches.
Frauenluxus. Unter diesem Titel veröffentlicht, das soeben erschienene Heft 21, XIII. Jahrg., der „Wiener Mode einen Aufsatz, der gewiß das Interesse der Damen in hohem Grade fesseln wird. Ebenso großen Beifall durften auch die in diesem Hefte veranschaulichten reizenden ^ulardtoiletten sowie praktischen Waschkleider und Hemd- blou;en finden, die beweisen, .daß man auch iu der „saison morte" Zweckentsprechendes schaffen kann. — Preis vierteljährlich 2.50 Mk., einzelne Hefte 45 Pf. Probeabonuements
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Magisches Quadrat.
Nachdruck verboten.
In die Felder nebenstehenden Quadrats jfintS' die Buchstaben a a a a, e e, l l, n n n, r, s, u u, $ derart einzutragen, daß die magercchtcn und senkrechten Reihen gleichlautend Folgendes ergeben:
l. Biblische Figur.
2. Weiblichen Vornamen.
3. Ein Gewicht.
4. Ortschaft in Westfalen.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Skataufgabe in voriger Nummer:
(Mit a, b, c, d werden die vier Farben bezeichnet; also a — Eichel^ Treff; b — Grün, Pique; c = Rot, Coeur; d — Schellen, Carreaux
X — Aß; II — Unter, Wenzel, Bube; D — Dame, Oberh^ßz
Mittelhand hatte a Z, a D, c Z, c K, c 8, c 7, d Z, d D, d 9, d 7 / im Skat lagen b U und d A, Hinterhand bekam die übrigen. — Verlauf des Spieles:
1. V. b9 M. dZ H. dII — — 12.
2. H. oA 58. cD M. oZ — — 24.
3- £>• aA V. a8 2R. a Z = — 21.
weiteren Spielverläufe fällt den Gegnern noch ein Trumpf-- stich: B. b 8, M. a I), H. » Q — g Augen zu, wodurch diese im ganzen 62 bekommen.
'»Auch, und Strmdruckcrci (Pietsch Erbe«) ta Steint.


