1900.
«KZ
IW
ii®w8?S ifaanH
fi: M
SM , Hwf
^yvSw1' n i'kOQ
W
»iS
M -=■
Mch kenne einen wunderbaren Baum, E Der doppcllebig ist, er heißt die Reue;
> Die dunkle Wurzel fußt int Höllenrauin
Und heißt die Schuld. Jedoch in Himmelsbläue, Die Sterne küßend, hebt mit edlem Schwung Der Wipfel sich: er heißt die Besserung.
Dahn.
(Nachdruck verboten.)
Geächtet.
Roman von LotharBrenkendors.
(Fortsetzung.)
„Es gab für mitfi, zunächst keine andere Zuflucht, Elisabeth, als den Weg in dies Haus. Die Verfolger müssen mir ja bereits auf den Fersen sein. Und wohin ich mich auch für den Augenblick gerettet hätte, in meine eigene Wohnung oder in die Wohnung irgend eines Freundes, überall hätten sie mich, sicherlich schon entdeckt und ergriffen. Hier aber, unter dem Dache des Generals von Marschall, vermuten sie mich gewiß zuletzt. Bis sie auch hierher kommen, kannst Du rnir eine Verkleidung verschafft haben, die es mir ermöglichst, unbehelligt die Thor- wache zu passieren. Bin ich erst' einmal außerhalb« der Stadt, will ich mir mit Hilfe eines in der Nähe wohnenden Freundes schon weiter helfen bis über die sächsische Grenze."
Elisabeth dachte eine kleine Weile nach; dann aber schüttelte sie traurig den Kopf.
„Es geht nicht, Franz! So wenig es sein mag, was Du da von mir verlangst, es ist doch mehr, als ich leisten kann. Ich habe nichts als meine eigenen Kleider, und ivas sollten sie Dir nützen?"
Röcknitz machte eine ungeduldig abwehrende Bewegung. „Es handelt sich freilich nicht um einen Fastnachtsscherz, daß ich mich als Frauenzimmer vermummen dürfte. Aber Du wirst mir doch einen Anzug Eures Dieners besorgen können, oder, was noch besser wäre, irgend eine Uniform."
Mit s chwerem Herzen mußte ihm Elisabeth antworten, daß ihr das eine so unmöglich« sei wie das andere. Auch toenit sie sich dem Bedienten «hätte anvertrauen wollen, ein Wagnis, das bei der Denkungsart des alten, seinem Herrn blindlings ergebenen Mannes nicht ohne große Gefahr gewesen wäre, würde damit kaum etwas gewonnen gewesen sein. Denn Christoph war von kleiner, dicker Gestalt, und nicht ein einziges seiner Kleidungsstücke hätte
dem hageren, lang aufgeschossenen Franz auch nur annähernd gepaßt. Wie aber sollte sie nun gar zu einer Uniform gelangen! Der Gedanke an einen Anzug ihres! Vaters war von vornherein ausgeschlossen, und es wäre offenbarer Wahnwitz gewesen, wenn sie sich einem der im Hause anwesenden Offiziere oder gar «einem gemeinen Soldaten hätte entdecken wollen. Vergebens zerbrach sie sich den Kopf, irgend einen rettenden Ausweg zu finden. Was auch« immer der unglückliche Flüchtling in seiner von Minute zu Minute wachsenden Verzweiflung vorschlug, sie konnte ihm auf alles doch stets nur dieselben trostlosen Worte erwidern: „Es geht nicht, Franz! — Es kann nicht sein — es ist ganz und gar unmöglich!"
Da warf er sich zuletzt gleich einem Rasenden auf den Fußboden nieder, drückte die Stirn gegen die Dielen und erging sich in den entsetzlichsten Verwünschungen gegen sein Schicksal. Nicht lebendig wollte er dies Zimmer verlassen, erklärte er mit dem wilden Trotz eines Menschen, der jeden Weg zur Rettung versperrt sieht. Sie möge nur gehen, um ihre;: Vater zu benachrichtigen, oder noch besser gleich die Polizeidiener zu holen; denn nun sei ja doch alles verloren, und je eher diese Qual ein Ende habe, desto willkommener solle es ihm sein.
Umsonst mahnte Elisabeth ihn zu männlicher Fassung und Ergebung. Die wahnsinnige Todesangst machte ihn taub gegen alle ihre Vorstellungen und Bitten. Er klagte sich selber der jämmerlichsten Feigheit an, weil er noch nicht den Mut finden könne, die Pistole gegen seine Schläfe abzudrücken, und dann flehte er aufs neue unter Weinen und Schluchzen, sie möge ihn nicht seinen erbarmungslosen Henkern überlassen. Alles, was noch von halb verblichenen Erinnerungen an gemeinsam erlebte Freuden! und Leiden der Kinderzeit in seinem Gedächtnis haftete, beschwor er in herzbewegenden Worten herauf, um sie zu rühren, vor keiner Demütigung schreckte er zurück, um das Mitleid Elisabeths bis zu selbstvergessener Opserwillig- keit zu steigern.
Da ging es zuletzt denn wirklich über ihre Kraft, diese qualvolle Scene länger zu ertragen. Als er wieder das fahle, verzerrte Antlitz zu ihr erhob und dabei mit zitternden Fingern nach dem Kolben der Pistole tastete, wurde ein Gedanke, den sie während der letzten Viertelstunde in ihrer Seele schon hundertmal verworfen und doch immer aufs neue erwogen hatte, plötzlich zum festen Entschluß.
„Wohlan, Franz, ich will versuchen, Dich zu retten, wenn die Möglichkeit einer Flucht wirklich Rettung für Dich bedeutet. Ob es mir gelingen wird, weiß ich freilich nicht. Aber da Du Dir selber nicht mehr zu helfen vermagst, ist ja auch im schlimmsten Falle nichts damit verloren. Erwarte mich hier, und versprich mir, bis zu meiner Rückkehr keine neue Uebereilung zu begehn."


