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mahnt. Noch sicht da» erwartungsvolle Auge über der en gen Pforte den militärischen Posten stehen, dann legen mir uns flugs zurück in das Boot, der Fährmann _beugt sich tief hernieder, faßt mit beiden Händen den Felsen oben und schiebt so den Kahn durch die von brausenden Wellen fast ganz verschlossene Enge.
Ah! O! I! Herrlich, wundervoll, himmlisch! Ein Verwundern in allen Sprächen! Wir fahren im unglaubliche märchenhaften Blau der Grotte von Capri!
Es ist ein Unikum der Lichtwirkung. Man könnte das Blau der Grvtta Azzurra als eine besondere — aber freilich nicht reproduzierbare und unnachahmliche — Farbe aufführen. Es ist ein ganz eigenartiger Anblick, wenn sich vom Bootrande oder von den glitzernden Felsstusen im dunklen Hintergründe der Grotte aus eine nackte Gestalt in die leuchtende Flut hineinstürzt, wenn diese Flut wie Silberschaum aufwogt und die Tropfen wie leuchtende Perlen und fließendes Metall aufsprühen. Es ist bekannt, daß der Körper des im Wasser der Grotte Befindlichen dein Zuschauenden wie von Silber erscheint. Aber auch der Badende selber hat wie Dr. R. Schoener bezeugt — die Empfindung einer seltsamen Licht- und Farbeneinwirkung. Man atmet Bläue ein; der ganze Körper fühlt das magische Licht; es ist, als würde man von außerirdischen Elementen umfangen und durchdrungen. An schmeichelnder Phantastik mögen wenige Eindrücke dem Michkommen, den man empfindet, wenn man einsam in diesem Gewässer umherschwimmt. Man würde nicht im mindesten erstaunt sein, wenn Meergötter und Nymphen herauftauchen, Fabelwesen-unter den Felswölbungen sich regten und Tritonenmusik sich! hören ließe.
Aengstlich wohl wird mir wie der entzückten Gefährtin meines Schiffleins, zu Mute, wie in dem blauen Halbdunkel ko viele Kähne durcheinandertreiben. Aber die Neugier, das Staunen siegt. Wir alle möchten wohl ein festum- rissenes Bild der 'Wundergrotte mit uns in unseren Seelen tragen. Aber — unaufhörlich weiß mit der Grazie eines galanten Banditen der Fährmann vom „Trinkgeld" zu schreien, landesüblich nennt er dieses — „maeearoni". „Ich werde heute Abend viele Maeearoni auf Ihr Wohl verspeisen" — ist die endlose, schlau bemessene Phrase. Das Schiff schaukelt bedenklich. Dieser Moment erzeugt eine neue Erpressung: „S'ist sehr gefährlich — aber ich habe viele Sorge für Sie!" Herr Gott, was kostet eine Ohrfeige auf Capri? Freilich -- ich würde mich hüten, hier eine auszuteilen!
Und ringsum das.zaubervollste Licht, das die Schönheit sich entzündet! Und der schmutzige arme Kerl schreit „Maeearoni!"
Wenn ich wieder gen Capri fahre, nehme ich mir vom, Mand chus ein eigenes Mietsboot und befehle dem Lenker, in der blauen Grotte zu schweigen.
Reckst hat, wer da sagt: Die blaue Grotte läßt sich leider weder mit dem Pinsel, noch mit Worten schildern. Um M eine richtige Vorstellung von dem herrlichen Phänomen zu machen, mjuß man bei ruhigem Meere an einem sonnenhellen Sommermittag aus der blendenden Atmosphäre, die draußen über der herrlich- umrahmten glanzvollen Wasserfläche zittert, durch die niedrige Felsenöffnung in das kühle Halbdunkel der magischen Grotte hineingeschlüpft sein, um dann, sich umwendend, das zauberhafte phosphoreszierende, zartblaue Licht wie eine wunderbare, nie gesehene Substanz das Wasser und die Luft erfüllen, alle Gegenstände gleichsam durchdringen zu selben.
Die Grotte ist gegen 50 Meter lang und 30 Meter breit. Die größte Wassertiefe beträgt 1.6 Meter; die Wölbung erhebt sich bis 15 Meter über dem jetzigen Wasserspiegel.
Das Verdienst ihrer Entdeckung schreibt man gewöhnlich unferm deutschen Maler-Dichter August Koch sch aus Breslau zu. Dieser liebenswürdige Poet war nebst einem Begleiter im Jahre 1826 mit Pechfackeln versehen, schwimmend eingedrungen, und hat im Frewdenbuchc des „Albergo Pagano" eine aü schau liche Schilderung der überraschenden Erscheinung hinterlassen. Sicherlich gebührt ihm das Verdienst, die blaue Grotte und ihre Schönheit
bekannt gemocht und dafür gesorgt zu habe«, daß sie welt- berühiitt und Capri ein Reiseziel für Tausende geworden ist.
Wir wissen von Tiberius, daß er auf Capri üppige Badeszenen veranstaltet hat. Allein die an sich wohl richtige Annahme, daß der Schauplatz dieser Orgien in der „Blauen Grotte" zu suchen sei, ist schlecht gestützt durch die Meinung derer, welche einen im Hintergründe der Grotte mündenden Gang für den Verbindungsweg zwischen dem Palaste und der Grotte halten, nachdem durch eingehende Untersuchungen festgestellt ist, daß dieser — eine teilweise künstliche Bearbeitung aufweisende — Gang nichts anderes als eine natürliche Höhlung ist, wie sich deren zahlreiche im Kalkgestein der Insel finden, und daß er nie und nimmer zur Verbindung der Blauen Grotte mit einer kaiserlichen Villa gedient haben kann. Konnten auch die direkten Spuren einer Bearbeitung an den Wänden durch den Kalksinter, der dieselben mit einer dicken, schleimigen Kruste überzogen hat, unsichtbar gemacht werden, so ist doch ganz undenkbar, daß man es unterlassen hätte, die zahllosen Unebenheiten des Bodens, die Vorsprünge und Zacken der Wände und der niedrigen Decke zu beseitigen, an denen man beständig stick) zu verletzen in Gefahr ist. Die Bvrstelluiig, daß ein römischer Kaiser mit seinem Gefolge und einer Schar Oda- lisken kriechend, keuchend und schwitzend sich hier hindurch gezwängt habe, ist kaum denkbar.
Andererseits spricht für eine Benutzung der Blauen Grotte in liberianischer Zeit, sowie für ihre Zugänglichkeit von der Meerseite her außer der zweieindrittel Meter hohen künstlichen Eingangs- und DentilationsöffnUng, die vor etwa 15 Jahren erneuerte Felstreppe, die den äußeren Zugang an dieser Oeffnung bildete, und das einstige Vorhandensein einer Villa unmittelbar oberhalb der Grotte. : Da man nahezu fünf Meter über dem jetzigen Meeres- niveau an den Wänden der Grotte eine Reihe von Aushöhlungen sieht, die nur durch das Wasser hervorgebracht fein können, muß die Insel in nachantiker Zeit um fünf Meter tiefer als heute, um 11 Meter tiefer als im Altertum im Wasser gestanden und diese Lage Jahrhunderte lang behalten haben.
' Das fabelhafte blaue Dämmerlicht, das ängstlich! Kreischen und heitere Lackmen der Damen, der laute Zuruf der Herren, das Plätschern des Wassers, die auf der Felsen- platte stehenden, leuchtendeit Körper nackter Männer, die um einen Obolus sich in die Flut zu stürzen bereit sind, das alles verschmilzt sich zu einem verwirrenden Märchenbild, aus dessen Jllufivncn uns das unermübMje Betteln des Bootsmanns um „molti maeearoni" nur allzu ernüchternd herausreißt ....
Und wenn wir glücklich hinausgelailgt sind durch die enge Felsenpforte in das grelle, weißsonnige Lickst des Tages, da strecken sich uns geldgierige Hände neuerdings entgegen, uni im Namen der Grottenpächter die tarifmäßige Gebühr zu heischen. Wer Poesie in seiner Seele trägst der weiß, warum ich dies beklage. Immer klingen mir, wenn ich der „Blauen Grotte" und ihrer Wunder gedenke, die Worte „molti maeearoni" ins Ohr! . . . .
BersteckrStse».
Nachdruck ticrbotcu.
Mau suche ein Sprichwort, beffcit einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind wie die Silbe „an" in „Wanderer."
Uhrwert — Leverwurst — Schreibfehler — Polcnkönig — Willenhall — Mußbach — Adlerhorst — Schenkel — Thaler — Bohnen- salat._______________________________
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Gitterrätsel« in voriger Nummer:
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®. Burkhardt. — Brnck und Herlag der Brühl'scheu UrriderMätSi-Buch- und GteMörmkerei (Pietsch Srd ens ip. ®tc8«.


