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in eine Halle geht, die Ihnen den Grund zur Klage auf Ehescheidung liefert, so sage ich Ihnen im voraus, daß ich! Ihnen meine Dienste nicht zur Verfügung stellen kann. Solche Sachen übernehme ich nicht."
Sie schwieg einige Augenblickei In meinem Falle handelt es sich um etwas ganz anderes", entgegnete sie dann, „mein Gatte hat sich heimlich! entfernt. Er ist mir durchgegangen."
„Und ich soll Ihnen vermutlich den Durchgänger wieder zurückbringen", meinte Allram.
„Nein, ich mag ihn nicht wieder zurückhaben. Er hat sich an meinem Vermögen vergriffen und eine bedeutende Geldsumme nntgenjommen; auch diese will ich! nicht zurückhaben, denn ich bin in der Lage, sie zu verschmerzen. Abev er hat außerdem auch einen Rubinschmuck mitgenommen, und diesen zurück zu erhalten, daran liegt mir alles."
„Warum wenden Sie sich nicht an die Kriminalpolizei?" frrig Allram.
Sie schüttelte ablehnend den Kopf.
„Wahrscheinliche wollen Sie Ihren Gatten schonen", bemerkte der Detektiv in einsichtsvollem Tone.
„Weniger ihn als mich", entgegnete sie, „ich möchte jeden öffentlichen Skandal vermeiden, möchte mich nicht der Lächerlichkeit Preisgeben, daß ich mich von einem Manne, dem ich, mein Vertrauen schenkte, so arg täuschen ließ."
Sie begleitete diese Worte wieder mit dem Herbert Lächeln und dem Zuge von Schlauheit, der dabei verräterisch zum Vorschein kam, und Allram vermutete, daß der Mann, von welchem diese Frau sich hintergehen ließ, sie nur durch äußere Vorzüge geblendet haben könne.
„Höchstwahrscheinlich wird sich Ihr Gatte mit seinem Raube ins Ausland begeben haben", chigte Allram. „Zu einer solchen Reise habe ich jetzt absrHrß keine Zeit. Ich bedauere daher, die Sache nicht übernehmen zu können."
Er sah nach seiner Uhr und stanKs Krft Auch die Dame erhob sich.
Sie schien unschlüssig. „Ich würde Ihre Bemühungen glänzend honorieren", suchte sie ihm zuzureden.
„Daran zweifle ich nicht", antwortete er in einem Tone, der zwar sehr verbindlich klang, aus dem aber auch herauszuhören war, daß er bei seiner Ablehnung beharrte. Gleichzeitig griff er wieder nach Stock und Reiseköfferchen.
„Mein Gott! und mir liegt so viel an dem Schmucke!" rief die Dame kummervoll, die Hände ineinanderfaltend, „der Elende wird mich mit Versprechungen ködern, ihn zurückgeben zu wollen, wird versuchen, damit neue Geldsummen von mir zu erpressen. Er weiß, daß der Schmuck einen unschätzbaren Wert für mich! hat, denn er ist ein Andenken an meine verstorbene Mutter, und es giebt nichts, was mir heiliger wäre!"
Sie hatte während dieser Worte bittend ihre Hand aus Allrams Hand gelegt, und als sie zu ihm aufblickte, sah er Thränen in rhren Augen schimmern.
(Fortsetzung folgt.)
In der blauen Grotte von Capri.
Bon Dr. Gustav Adolf Müller.
Nachdruck verboten.
Ein herrlicher Junitag und dazu in Neapel. Was kümmert uns die zärtliche Mutter Sonne, die uns schon am Morgen mit seltener Wärme beglückt? Bor uns wogt das azurne Meer und verheißt eine kühlende Brise. Laß' den verschmitzt lächelnden Kutscher drunten vor dem etwas schäbigen Hotel de Russie vergeblich heute aus uns lauern — ich will übers Meer, nach dem Paradiese des Ozeans, nach Capri!
Ein Ruderboot bringt uns hinüber nach dem Dampf- schisf. Ein italienisches Schiff, außen hui, innen pfui. Fährt stolz wie Italiens Politik hinaus aus die See und macht, wenn ein Sturm bläst, linksumkehrt' wie jene oder wie ein — erwischter Apfeldieb!
„des, Yes!" Alles voll Engländerinnen und Engländer. Nach neapolitanischem Kinderglauben lauter Millionäre. Na,.für solche gelten wir auch-. Wer reist dort zu Lande und über die Alpen kommt, der hat Geld „tote Scheiterbeugen". Ein Jüngling naht mit niedlichen Erd
beerkörbchen. Die englischen Ladys betupfen die Ware, kaufen aber nicht. Erdbeeren! Ach, die haben so etwas Deutsches, so etwas Mädchenhaftes, so etwas Inniges! Und das niedliche volle Körbchen! Eine Lira. Hier ist sie. Der Schlauberger! Unter einer dünnen Schicht Beeren eine dicke, dicke Lage starker Pappe. Für kaum 15 Centesimi Erdbeeren. Und eine Lira! Die Erdbeeren sind mit ro«, mantischer Empfindung vertilgt. Die letzte ist noch nicht ganz an ihrem Reiseziel angelangt, da naht sich der pappe- begeisterte Sohn des Südens wieder. Möchte wohl ein zweites Körbchen verkaufen? Niente! — Er lächelt trotz der Absage, er ist bescheiden und will nur — das leere Körbchen. Det Jeschäft wär' richtig! — —
Zum Golf hinaus, besser: durch den Golf! Solch eine Fahrt ist kein irdischer Genuß. Königin Schönheit thront über Neapels Höhen, und Jungfrau Anmut legt ihr die demantene Kette um den schneeigen Hals. Die Seele frohlockt. Das Herz schlägt wie in jungem Glück.
Junges Glück. Wo bist Du nicht? Wo wärest Du nicht zu Hause wie der Schmerz und das Weh? Ich blicke um mich, auf dem Verdeck. Zwei Hochzeitspärchen girren wie Turteltäubchen. Oder sind es „blos" Liebespärchen? Oder gar alles beides? Ich! hab's bald heraus. Das eine der glücklichen Männchen ist ein deutscher Philologe, das andere ein deutscher Merkursjünger, jener ledern, dieser, ein Schwerenöter, den ich stark im Verdacht habe, das sei nicht seine erste — Hochzeitsreise. Die beiden jungen Dämlichkeiten trinken Cognac, Magenbitter, verziehen den liebreizenden Mund wie Megären und treiben bald an unbelauschten Orten tiefsinnige Studien über den Einfluß der Schiffsbewegungen auf das europäische Gleichgewicht. Hilflos lassen die „Herren der Schöpfung" ihre Grazien in den Händen der Würgerin ....
Links drüben hebt sich am Fuße des Vesuvs rötlich das wiedererstandene Pompeji vom grauen Boden ab. Der Dampfer steuert Sorrent zu, dem hoch und herrlich ge- legenen Felsenidyll. Dann geht es direkt in blendendem! Sonnenschein nach Capri.
Capri! Wie sie austaucht in blauer Ferne, die liedbesungene felsige Au, wie das Auge den Rauch, aufsteigen sieht von den Hütten und Klippenhöhen, da macht poetisches Empfinden aus unseren Herzen, was es mag. Wie ein lieber Traum aus Märchentagen ersteht das wundervolle Eiland vor uns; ein auf der Erde vergessen gebliebener Gedanke Gottes spricht aus ihm. Da verstummt das „Yes, Yes", da verllären sich! des deutschen Schulmeisters pedantische Züge, der Herr Commis Voyageur unterdrückt einen neuesten Kalauer, ja, die Augen der kranken Damen leuchten auf in erfreutem Bewundern ....
Diesen erhabenen Moment benutzen ein halbes Dutzend Hotelagenten, um uns für dieses ober jenes Haus zu begeistern. Von allen Seiten streckt man uns Menukarten unter die Nase. Und das bei solchem Anblick! Wenn ich. nur wüßte, was in Italien eine Ohrfeige kostet!
Nach rechts wendet sich der Kiel. Das Schiff fährt gen die blaue Grotte. Wer dieses Weltwunder schauen will, dem gönnt der Kapitän eine halbe Stunde Verweilen.
Zwar ist tote der Krater des Vesuv so auch diese herrlichste aller Meeresgrotten vom gesegneten Königreich Italien zur finanziellen Spekulation entwürdigt — „spe- culum" heißt nicht umsonst „die Höhle" — aber was kommt es, wenn man gen Capri fährt, üuf ein paar Lire an? Und was thun deutsche Schriftsteller mit dem vielen überflüssigen Gelde?
Wir sind dabei, wir machen mit!
Nicht allzuweit von dem Felsenabhang, unter welchem das azurne Heim der Nixen erstrahlt, hält das Dampfboot. Schon rudern in leichtfertig schwankenden Kähnen die zum Abholen der Besucher angestellten Schiffer herbei. Die Treppe wird hinunter gelassen. Zu Zweien und Dreien, wie es gerade sich ergiebt, Männlein und Fräulein, bekannt und unbekannt, steigt man in einen Nachen, dessen Fährmann nicht gerade so vertrauenerweckend in die Welt sieht wie ein Helgoländer Bootsmann.
Nun rudern, nein, wanken und schwanken wir dem fast unsichtbar niedrigen Eingangsloch der Grotte zu. Ein Gekreische aus edler Frauen Mund, als griffe ein Meer- centaur aus, sich ein hübsches Weiblein zu holen . . , „A basso! Niederlegen ins Boot! Duckt Euch !" Der Führer


