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stich denken, der damals sehr beliebt war und viel gekauft wurde, und ich sagte mir: wenn man diesen Menschen in die Tracht dieser Frau kleidete, so würde man glauben, er sei das Modell dazu gewesen. Und nun lassen (Sie mich sehen, ob ich ihn finde." Der Antiquar betrachtete das Gruppenbild und brauchte nicht lange zu suchen. Dieser hier ist's und kein anderer", bemerkte er und legte den Finger auf Grotjan."

Also wirklich der alte Verbündete Wippachs!" ries Dpktor Gerth- dessen Auge unverwandt an den Lippen des Detektivs gehangen hatte.Ich muß staunen, zu welchen Resultaten ein nicht abgelieserter Brief Sie geführt hat, und nehme meine vorlaute Bemerkung, daß Sie einem einfachen Versehen zu viel Gewicht beigelegt haben könnten, reumütig zurück."

Jedenfalls ist die Wahrscheinlichkeit vorhanden", sagte Allram,daß die Ermordung Georgis auf eine gemein- same^,Aktion seines Neffen und Grotjans zurückzuführen rst. Gab Grotjan sich einst zum Hehler Wippachs her, so kann er sich auch zu dessen Mordgesellen hergegeben haben. Er hat die That vollbracht, mit dem unbequemen Briefe an Therese Zeidler in der Tasche, als er am 17. Februar morgens zwischen acht und neun im Hause wax. Welchen Lohn für diesen blutigen Dienst er sich von dem Enterbten versprechen konnte, welchen Gewinn dieser selbst für sich erhoffte, das bleibt dunkel. Ich muß diese Burschen finden, den einen wie den anderen, und sollte ich. sie am Nordpol suchen!"

Allram erhob sich.

Doktor Gerth versah ihn, vorläufig nur zur Kosten- deckung, wie er hinzufügte, mit einer größeren Anweisung auf seinen Bankier, und fand nicht Worte genug, ihm für die bereits erzielten Erfolge seinen Dans auszudrücken.

Er führte dann den Detektiv in der Anstalt umher. Es war nicht überflüssig, daß ich zu meinem Besuche diese Maste genommen habe", äußerte Allram, als beide eben eine mit freundlichen Gartenanlagen versehene Abteilung besichtigt hatten, in welcher sich nur Kranke höherer und bemittelter Stande befanden,ich bemerkte da -eine alte Bekannte, die sich meiner aus der Zeit, wo ich geheimer Kriminalkommissar war, wohl noch erinnern dürfte, denn ich habe wiederholt mit ihr zu thun gehabt." Mehr sagte er nicht, aber der Irrenarzt gab durch ein verständnis­volles Lächeln zu erkennen, daß er diese Anspielung auf eine sehr vornehme Dame bezog, welche wegenunheil­barer Kleptomanie" von ihrem unglücklichen Gatten schon zum dritten Male hier hatte untergebracht werden müssen.

Auch durch den mit Gras bewachsenen, von Kasta­nienbäumen überschatteten Hof, wo die schwerkranken fünf­zig Weiber sich ergingen, führte Gerth seinen Gast. Er brauchte ihn nicht erst auf den Gegenstand seiner Bemüh­ungen und Nachforschungen aufmerksam zu machen: es gab nur eine einzige hier, die es sein konnte und die wie ein trauernder Engel sich durch diese Horde stumpfsinniger oder ungeberdiger Geschöpfe bewegte. Ein teilnahmsvoller Blick auf die Arme und ein leises Kopfnicken verriet dem jungen Arzte, daß Allram Konstanze sofort herausgefun­den hatte. Keine der anwesenden Wärterinnen soltte be­merken, daß der Fremde der Epileptikerin mehr Aufmerk­samkeit schenkte als den übrigen. Konstanze Herbronn sah den alten Herrn an der Seite des Arztes wieder ver­schwinden, ohne die geristgste Ahnung, daß jener die Fäden ihres Schicksals in der Hand hielt.

Gerth versäumte nicht, einigen seiner Kollegen, denen man aus diesem Rundgange begegnete, den Doktor Hauser als Irrenarzt aus einer Heilanstalt der Schweiz vvrzu- stellen. Die Zeremonie wurde stets rasch abgethan: nur! der Direktor von St. Rochus hätte sfch mit dem Schweizer Kollegen gern länger unterhalten und lud ihn ein, zum Diner zu bleiben, was Doktor Hauser jedoch dankend ab­lehnte, da er mit dem nächsten Zuge weiter müsse; viel- lercht aber werde er auf seiner Rückreise noch- einmal vor­sprechen.

Der heutige Tag hatte eine schwere Last von Gerths Herzen gewälzt. Welches Geheimnis auch Konshanzes Mund verschließen mochte, von jener Art, wie er. geargwöhnt hatte, konnte es nicht sein, wenn der Detektiv auf der rechten Spur war.

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In das Haus, worin Titus Allram wohnte, trat eine Dame. Sie ging langsam, eher gemächlich, als zögernd. Sie legte für alles, was sie in dem Hause sah, ein leb­haftes, fast neugieriges Interesse an den Tag: für den Gräupner, der in der Hausflur seinen Verkaufsstand hatte, für die Erbsen, Linsen, Fadennudeln, Apfelsinen und ge­dörrten Aepfel und Zwetschen in den offenen Säcken und Kistchen, musterte jede Person, welcho ihr auf der Treppe begegnete, und blickte, im ersten Stock angelangt, aufmerk­sam umher, obwohl dort nichts zu sehen war, als zwei Thüren, von denen die eine in das Kontor des Bank­geschäfts, die andere in Allrams Wohnung führte. Eben als sie, um an die letztere anzuklopfen, die in einem tadel­losen Glacehandschuh steckende Hand erhob, wurde die Thür so plötzlich von innen geöffnet und fo unversehens stand die Gestalt eines Mannes vor der Dame, daß sie, was sehr natürlich war, erschrocken zurücksprang.

Der Heraustretende war Allram. Er hatte einen hell­grauen Sommerüberzieher über die Schultern geworfen und diesen am Halse zugeknöpft; es war dies seine Ge- wohnheit, wie er auch den breitrandigen Filzhut von gleich hellgrauer Farbe, der seinen Kopf bedeckte, tief in die Stirn gedrückt zu tragen Pflegte. Unter dem Arme hielt er einen starken, gewundenen Spazierstock, in der Hand ein kleines braunes Lederköffercheu.

Seinen Hut lüftend, entschuldigte er sich wegen heD der Dame bereiteten Schrecks.

Wollten Sie zu mir?" frug er.

Wenn Sie Herr Mram selbst sind, ja", war die Antwort.

Er zog die Uhr, denn er stand im Begriffe, zu ver­reisen. Da er noch ein halbes Stündchen übrig hatte, so ließ er die Dame..eintreten, wies ihr den üblichen Platz vor dem großen Mstden Tische an und nahm seinen ge­wohnten Sitz aMWem fchwarzledernen Fauteuil -ein.

Die Fremde, Nne nicht übel aussehende Frau in der Mitte der Dreißigf war von kleiner Gestalt und von be­weglichem Wesen und sehr elegant gekleidet. Der fastüber- reiche Schmuck, den sie trug, ließ auf Wohlhabenheit schlie­ßen, vielleicht auch auf das Bestteben, darin nicht unter­schätzt zu werden.

Sie nannte ihren Namen nicht, und Allram frug nicht danach; er wollte immer erst hören, was man von ihm verlangte.

Die Dame setzte nun die Angelegenheit, in welcher sie sich an ihn wandte, ziemlich weitschweifig auseinander, wo­bei sie sich über Nebenumstände verbreitete, die gar nicht zur Sache gehörten. Wenn sie mit besonderem Nachdruck sprach, begleitete sie ihre Worte mit -einem herben Lächeln, und dann legte sich zugleich ein schlauer Zug um ihren Mund. In dem Blick ihrer hellbraunen Augen lag etwas! berechnendes. Dasselbe lebhafte Interesse, welches sie schon beim Heraufgehen den Personen und Gegenständen! dieses Hauses gewidmet hatte, übertrug sie auch auf ihre jetzige Umgebung, nur hatte sich hier ihre Neugier mit flinkeren Blicken bewaffnet, da ihr weniger Muße dazu gelassen war. Mitten in der Rede rückte sie plötzlich mit ihrem Stuhle hastig zur Seite und frug, ob das Ding ge­laden sei; denn sie hatte unter den Nippsachen, welche den großen runden Tisch bedeckten, den Revolver bemerkt, und da Allram der Waffe schweigend eine andere Lage gab, sodaß die Mündung der Besucherin abgekehrt war, so schien sie daraus zu schließen, daß mit dem Dinge nicht zu spaßen! sei und wandte kaum noch das Auge davon ab.

Der Kern ihrer umständlichen Auseinandersetzungen war folgender: Sie war vor anderthalb Jahren Witwe geworden, hatte vor kurzem wieder geheiratet, mit ihrem zweiten Gatten aber eine sehr üble Erfahrung gemacht und wollte nun gegen denselben die diskreten Dienste des De­tektivs in Anspruch nehmen.

Allram kannte die wunden Punkte unglücklicher Ehen, Fast keine Woche verging, wo ihm nicht, bald von Frauen, bald von Männern, ein solcher Fall zu Gehör gebrach-t und seinediskreten Dienste" angerufen worden wären. Was er stets darauf erwiderte, gab er auch jetzt zur Antwort: Wenn Sie Ursache zur Eifersucht haben, gnädige Frau, und ich soll Ihren Gemahl überwachen, oder wenn Sie wünschen, ihn unter meine Beobachtung zu stellen, bis er