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nirfjt in seinen Grenzen bleibt, und sich Mit dem befaßt, waS nicht für ihn gehört, Dem ist der Himmel feiub. Euripides.

(Nachdruck verboten.)

Die Irre von Sankt Rochus.

Kriminalroman von Gustav Höcker.

(Fortsetzung.)

, Gewiß nicht", gab der Detektiv zu.Aber die Vor­namen stimmen ebenfalls überein, und es ivüre doch höchst merkwürdig, wenn während meiner Fahndung auf den Maleraehilfen Ernst Gabriel Grotjan mir dieser abhanden gekommen wäre und ein anderer Malergehilfe Ernst Ga­briel Grotjan sich mir gewissermaßen in die Hand gespielt hätte als welcher der Selbstmörder übrigens auch ailf dem Magdeburger Standesanit in der Sterbeliste einge­tragen ist. Offenbar haben wir es in diesem Grotjan mit einem Menschen zu thuii, der eine Namensfalschnng begangen hat und hierzu triftigen Grund gehabt haben inuß" Allram machte eine Pause, während welcher er vor sich auf den FUßbboden blickte. Dann hob, er den Kopf wieder lind begann von neuem:Es treffen nun zwei Momente zusammen, die wohl geeignet sind, auf, den an Georgi begangenen Mord ein neues Licht zu werfen, rci ift erstens der Neffe aus Amerika, der von der Verworfen­heit seines Charakters bereits früher einen Beweis ge­liefert hat und nun abermals aufgetaucht ist, und zwar im Fustande größter Verkommenheit. Und da ist zweitens der Merkurbrieftrüger Grotjan, der vor, Gericht eme^uge gesagt hat, die ich nicht auf, die leichte Achsel zu nehmen geneigt bin; denn ein Mensch, der sich erhängt und be- qraben wird und daun wieder unter den Lebenden erscheint, ist im höchsten Grade verdächtig. So entstand nun in mir die Frage, ob wohl diese beiden Individuen einen ge- meinsamen Anteil au dem Morde selbst haben konnten und ob vielleicht schon früher eine GemSinschaft zwischen ihnen bestanden Hab7n könnte. Das lenkte meine Gedanteu wieder auf den Bibelraub zurück, zu ivelihem Wippach sich eines Gehilfen bedient hatte. War es nicht eine imtui- gemäße Jdeenverbindung, daß ich dabei an Grotfan denken mußtet M hatte freilich meine Zweifel, ich fürchtete über das Ziel hinauszuschießen, aber "us emen möglichen Frrtum durfte mir nicht ankommen. Ob sich du Bei- ÄKS« «i w «*»

Iet8' noch werde erinnern können, ob ich selbst eine so genaue Beschreibung des Briefträgers Grotfan werde er­

halten können, um ihn einem Dritten kenntlich zu machen, und in die Erinnerung zurückzurufen, war sehr zweifel­haft. Ein hübscher, schlanker Bursche, fast zierlich, dunkle Augen, schivarzes Haar das war alles, was ich erfuhr, und mehr schien man mir auch im Bureau des Merkur nicht sagen zu können. Aber plötzlich besann sich der Bu­reauvorsteher und deutete auf eine Photographie an der Wand, ein großes Gruppenbild.Wir haben zur Feier des zehnjährigen Bestehens unseres Instituts unser Ge­samtpersonal photographisch aufnehmen lassen , erklärte er mir,Grotjaii befindet sich ebenfalls darunter/ Er nahm das Bild herab, auf welchem außer den Unterneh- mern des Merkur und dessen Oberbeamteii etwa fünfzig bis sechzig Briefträger in ihrer eigenartigen Dienstkleidung abkonterfeit waren, unigeben von der üblichen landschaft-

ilichen Staffage; die Hintere Reihe stehend, die vordere sitzend und ganz im Vordergründe ein halbes Dutzend male­risch hingestreckt - alles in allem eine Terrasse von Ge­sichtern und Gestalten. Der gefällige Bureauvorsteher, der sich ebenfalls auf dem Bilde befand und ein Buch in der Hand hielt, zwischen dessen Blätter er den Zeigefinger geklemmt hatte, fuhr mit demselben Zeigefinger ein paar- inal über die Gruppen hinweg.Da ist Grotjan", sagte er und machte bei einer der Figuren Halt, einem bart­losen, allerdings recht hübschen jungen Manne, der zu-

nächst einem Bannie stand. Das Bild mußte ich aus ein paar Tage haben, und nach einigen Schwierigkeiten gelang

! es mir, den Bureauvorsteher zu überreden. Daß ich ihm persönlich bekannt war, hätte hierzu nicht ausgereicht, aber die schönen Dinge, die ich ihm über sein Porträt, seine vornehme Haltung uni) das graziöse Spiel seiner Hand mit dem Buche sagte, wirkten Wunder. . Mit dem Bilde reiste ich nach Berlin und suchte den Antiquar auf. Er zeigte sich mir entgegenkommend; er wußte, daß ich ihm damals wegen des nicht ganz sauberen Bibelhandels llnannehin- lichkeiten hätte bereiten können uni) ihn freilich aus guten Gründen, die er nicht kannte geschont hatte. Ich legte ihm das Bild vor und frng ihn, ob er unter dieser Gruppe wohl noeh den Mann werde herausfinden können, welcher ihn, die Bibel gebracht hätte. Meine Hoffnung war natürlich gering; fünf Jahre ivaren für das Gedächt­nis eines so alten Mannes wie der Antiquar eine geraume Feit. Aber in einem lange betriebenen Geschäft scharfen und erhalten sich die Sinne, die man dazu braucht, j^hne. einen Blick auf das Bild zii werfen, brachte der Antiquar, einen älteren Kupferstich herbei, auf welchem eme histo­rische . Szene dargestellt war. Der Alte wies auf eine ich Vordergründe stehende weibliche Gestalt und sagte:

Betrachten Sie diese Frau mit dein leisen Zuge von Grau­samkeit um den Mund, welcher dem Antlitz etwas männ­liches giebt. Dieser Frau sah jener Mann ähnlich, und als er mir die Bibel brachte, mußte ich an diesen Küpser-