Ausgabe 
27.5.1900
 
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Zu sehen hoffte", entgegnete Dr. Ruhland, Privatdvzent an der Universität Erlangen.

Mir? Verzeih, aber' das ist ein Irrtum! Ich habe seit Jahr und Tag nichts mehr von Dir gehört!"

Wir haben Dir doch vorgestern eine Ansichtspost­karte von der Wartburg geschickt: meine Braut, deren Schwester und ich."

Braut? Du bist also verlobt? Mit wem denn? Ich w» von nichts!"

Seit acht Tagen mit Irene von Gilsach aus C. Ich wollte Dir die Nachricht mündlich bringen, deshalb schrieb ich Dir aus der Karte nichts davon."

Ach höre auf! Ich habe keine Ansichtspostkarte von Dir bekommen; dafür aber allerdings eine von zwei Fräu­leins von Gilsach."

Um des Himmels willen, was habe ich in meiner unglückseligen Zerstreutheit da wieder angerichtet! Jetzt entsinne ich mich deutlich, daß ich vergessen, meinen Namen hinzuzufügen. Wenn das Irene erfährt!"

Damit sah sich der junge Gelehrte aügstvoll in dem großen Saale um.

Ich! bitte darum, daß sie es erfährt", entgegnete Eckhard ernst.Du bist mir das schuldig, liebster Freund! Denn, daß ich es offen gestehe: ich habe mich von den Damen zurückgezogen, da ich sie für die Urheber eines schlechten Scherzes hielt. Nun, da ich weiß, daß sie ahnungslos in dieses Mißverständnis verstrickt wurden, möchte ich ihnen gerne eine entschuldigende Erklärung geben. Führe mich zu ihnen und bitte sie, mir ein milder Richter zu sein."

Einen peinlicheren Augenblick hatte Eckhard von Boden­heim wohl selten erlebt, als jetzt, wo er als Büßender seine Verteidigungsrede stammelte.

Aber es mußte ihm doch nicht allzu schwer gewesen sein. Verzeihung zu erlangen denn kaum eine Viertel­stunde später saß das Brautpaar mit Hertha und Eckhard vergnügt an einem der kleinen Tische, die auf der Kur- terasse standen, und Dr. Ruhland erging sich noch einmal in Selbstvorwürfen über seine grenzenlose Zerstreutheit, die ihm einen so üblen Streick) gespielt hatte.

Nun höre auf davon, alter Junge!" unterbrach ihn der Leutnant. Du warst freilich der Sünder. Aber wer will mit Dir rechten, wenn er weiß, unter welchen Um­ständen sich das Geschehnis abspielte. Seit drei Tagen verlobt, an der Seite der reizendsten Braut" hier ver­neigte er sich galant gegen Irene und überdieszwischen Jasmin und Flieder... ich glaube bestimmt, daß es mir auch passieren würde", vollendete er, indem er Hertha tief und fragend in die Augen blickte.

Sie errötete bis herauf zur schneeweißen Stirn. Und sie duldete den leichten Druck seiner Hand, die ihre schmalen, schlanken Finger suchten und fanden.

Einen Augenblick war es still in dem kleinen Kreise, den die vier glücklichen Menschenkinder hier bildeten. Denn das leise Geflüster der Elfen vernahmen sie nicht, die neckisch an dem lauen Lenzesabend ringsum ihr Spiel trieben und sich zuraunten, daß schon an einem der nächsten Tage zwischenJasmin und Flieder", der überall hier duftete und blühte, zwei Herzen den Bund fürs Leben schließen würden

GsMHZnnNtziges.

BeiderZüchtigungderKinder beherzige man in erster Linie, daß sich weder der Kopf, am allerwenigsten! aber das Ohr zum ZüchtigungMatz eignet, weil die Folgen davon schlimme sein können. Es bedarf nämlich keines starken Schlages, um Schaden anzurichten, es genügt ost schon ein leichter Klaps. Der Vorgang ist der: Die schla­gende Hand trifft aus die Ohrmuschel und schließt so den Gehörgang aus einen Moment luftdicht ab. Hierdurch wirkt die Luftsäule im Gehörgang auf das Trommelfell ein, der Luftdruck bewirkt eine Sprengung desselben. Das geschieht meist bei nicht normalen Trommelfellen, aber auch ein vollkommen gesundes kann auf diese Weise geschädigt wer­

den. Es ist jedoch nicht schwer, ein Trommelfell mit einen: Loch zu heilen, wenn Laiemittel davon ferngehalten werden. Man steckt einen Wattpfropfen ins Ohr, und die Verletzung heilt oft schon nach einigen Tagen, doch muß starkes Schneuzen unbedingt unterlassen werden. Dabei braucht aber das Trommelfell nicht immer gerissen zu fein, und doch kann das Gehörorgan durch, einen Schlag geschädigt, ja es kann Schwerhörigkeit und Taubheit herbeigeführt werden.

Preßhefe längere Zeit aufzubewahren. Ein halbes Pfund Preßhefe zerschneidet man in ganz kleine Stücke, thut sie in eine gewöhnliche Weinflasche und gießt die Flascye voll mit Wasser. Die Hefe ist an einem frost- freien Orte aufzubewahren, da Frost sie ihrer Kraft be­raubt. Will man die Hefe benützen, so schüttle man die Flasche gut durch und nehme von dieser Flüssigkeit zum Backen so viel man braucht. Soll der Teig schneller auf­gehen, so gießt man vorsichtig von dem Wasser ab, damit die Flüssigkeit hefenhaltiger wird. So bewahrt, hält sich die Hefe immerhin 3 bis 4 Wochen.

Wachspolitur. Man mische unter 900 Gramm Wasser 200 Gramm Pottasche, erhitze es bis zum Sieden und setze nach und nach unter beständigem llmrühren 400 Gramm gelbes Wachs zu. Nach erfolgtem Aufkochen gieße man noch 900 Gramm Wasser zu und erhitze so lange, bis eine gleichartige Milch entstanden ist.

Stockflecke. Man vermischt einen Eßlöffel Kochsalz mit einem Theelöffel gepulvertem Salmiak und löst beides in zwei Eßlöffeln Wasser auf. Mit dieser Mischung be­streicht man wiederholt die Stockflecke; dann hängt man das Wäschestück einige Stunden in die frische Lust und gießt es erst dann in die Wäsche.

Preisrätsel.*) Magisches Dreieck.

(Nachdruck verboten.)

In die Felder nebenstehender Figur sollen j i j die Buchstaben a a, e e, f f, h, m rn, r

I I________ I r r r, u u derart eingetragen werden, daß

die einander entsprechenden wagerechten und ----!---senkrechten Reihen gleichlautend folgendes ergeben.

--- 1. Musikalisches Instrument.

2. Asiatischen Strom.

3. Alkoholhaltiges Getränk.

____I 4. Teil von- Frankreich.

5. Einen Buchstaben.

*) Von 1900 ab bringen wir in angemessenen Zwischenräumen in den Familienblättern Preisrätsel, an deren Lösung sich recht eifrig zu beteiligen, wir unsere geschätzten Leser bitten. Die Lösungsfrist läuft stets acht Tage nach Ausgabe der betr. Nr. ab. Unter den an die Redaktion derFamilienblätter" einzuseudenden richtigen Lösungen wird eine ausgclost, deren Einsender mit einem Preise nützliches Buch oder dergleichen bedacht wird.

Citatenrätsel.

Nachdruck verboten.

Aus jedem der folgenden Citate ist ein Wort zu nehmen,»sodass sich ein neues Citat ergiebt.

1. Was dem Manne das Leben

Nur halb erteilt, soll ganz die Nachwelt geben.

2. Ich versprach, dir einmal spanisch zu kommen.

3. Es blüht eine schöne Blume.

4. Im engen Kreis verengert sich der Sinn.

5. Ueber's Jahr, über's Jahr, wenn die Schwalben wieder kommen.

6. Alles freut sich und hoffet,

Wenn der Frühling sich erneut.

7. Der Mai ist gekommen.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer. Hall, Wall, Fall, Ball.

Ubaftten: r. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen UnisersttätS-Buch. und Steindruckerei (Pietsch Erdens in «ießen.