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Stellung, wenn man mit einem Stein so zieht ober mit ihm so springt, baß man dem Zielfelde des Steines näher kommt. Man verschlechtert die Stellung des Gegners, wenn man einen von dessen Steinen mehr und mehr von dem Wege zum Ziele abbringt, was dadurch möglich wird, daß man den Gegner zwingt, mit diesem Steine nach der falschen Seite zu springen. Die Bewegungen der Truppen, welche die Kampfregeln zulassen, gewähren unerschöpfliche Möglichkeiten für Kriegslisten aller Art und zur Schmiedung von weit ausholenden Plänen. Dabei sind die Regeln selbst so einfach wie nur irgend möglich. Wie also einerseits das Saltaspiel von Kindern gespielt werden kann, stellt es, wenn es vollendet gehandhabt werden soll, an den Geist der virtuosen Spieler Anforderungen, die eine phänomenale Organisation der Gedanken und immense Geistesschärfe zur Bedingung haben. Die Variationsfähigkeit des Saltaspieles ist aber eine schier unendliche, uird es ist heute, wo wir noch Anfänger in diesem neuen Spiele sind, unmöglich, das Spiel durch Kombinations-Thesen zu erschöpfen. Gleich wie beim Schach würde übrigens auch das „Salta" aufhören, ein so gewaltiges Schärfungsmittel des Verstandes zu sein, wenn alle möglichen Kombinationen rubriziert würden.
Resümierend, kann ich nach alledem nicht anstehen, dem „Salta" unmittelbar hinter dem Schach seine Stellung unter den Brettspielen anzuweisen. Da die Spielregeln bedeutend einfacher sind, die Gangarten der Steine gleichmäßig und die Steine untereinander gleichwertig, wird das Hirn des Spielers zudem nicht so gemartert wie beim Schach. Salta hat aber sogar einen wesentlich anderen Vorzug vor dem Schach; es wird im Gegensatz zu diesem nicht einfach nur gewonnen oder verloren, sondern mit einer bestimmten Anzahl von Points gewonnen oder verloren. Wenn nämlich der Gewinner den letzten seiner Steine zu Platz gebracht hat, werden die Züge gezählt, die der Gegner zu machen hat, um auch seine Steine an ihre Standorte zu bringen; mit der betreffenden Zahl wird er der Schuldner des Siegers.
Hamburg, Fremdenblatt Nr. 305, 5. Beil., 30. 12. 99.
Gemeinnütziges.
Das Anschreibenlassen und säumige Bezahlen dex Rechnungen ist eine üble Gewohnheit vieler Kunden, unter der ein großer Teil unserer Gewerbetreibenden, Kaufleute und Handwerker schwer leidet; sie ist am Untergange manches redlichen Mannes mitschuldig. Einen interessanten Versuch, diese schlechte Sitte manchem abzugewöhnen, macht jetzt der sonst von der Alkoholbekämpfung her bekannte Schriftsteller Dr. Wilhelm Bode in Weimar. Er giebt im Selbstverlag, einen Brief heraus, der fast den Eindruck eines geschriebenen macht und der diesen Uebelstand nicht aufdringlich, aber eindringlich behandelt. In vorsichtiger Form wird den Empfängern nahe gelegt, selber ihre Lieferanten nicht durch blose Gedankenlosigkeit und Rücksichtslosigkeit zu schädigen und andere gleichfalls für „die geheime Gesellschaft" der pünktlichen Zahler zu gewinnen. Der Brief, den man gegen eine Zehnpfennigmarke erhalten kann, soll von gemeinnützig gesinnten Männern und Frauen und von dem unter dem Uebel leidenden Geschäftsleute verbreitet werden, auch schickt der Verfasser selbst gegen billigste Entschädigung und unter Verschwiegenheit den Brief an angegebene Adressen. In wenigen Wochen wurden 4000 Stück abgesetzt, was gewiß die Ausdehnung des Notstandes beweist. Jedenfalls ist es sehr erwünscht, daß solche Fragen der „Konsumenten-Moral" mehr auf die Tagesordnung kommen.
Kesundöettspflege.
Vorzügliches Mittel gegen aufgesprungene Hände. Eines der besten Mittel gegen aufgesprungene Hände ist Honigwasser, und zwar löst man in 1 Liter Wasser einen Eßlöffel Honig auf. Die Wirkung wird noch eher erreicht, wenn man dieser Auflösung noch einen Eßlöffel voll Glycerin zufügt. Durch das Bestreichen der Hände
Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'scheN
mit dieser Flüssigkeit wird die Haut überaus weich und geschmeidig.
Stockschnupfen. Ist derselbe sehr heftig, so halte man den offenen Mund über einen Topf kochend heißen Fliederthees, indes man den Kopf mit einem dichten Tuche verhängt. Den Gebrauch der Dämpfe wiederhole manr und bald wird man das Uebel los sein.
Würmer. Zu den wirksamsten Mitteln gegen die Spulwürmer gehört Knoblauch in Milch gekocht und letztere geseiht getrunken.
Humoristisches.
Verfehlt. Der Referendar Sauser kehrt nachts um zwei Uhr von einem schweren Gelage nach Hause zurück. Er entdeckte, daß er den Hausschlüssel vergessen hat, und muß infolgedessen den Portier herausklingeln. — Portier: „Nanu, zu wem wünschen Sie denn hier mitten in der Nacht?" — Referendar: „Fragen Sie nicht so dämlich! Erst lassen Sie mich hier eine Viertelstunde aus der Straße warten und dann machen Sie mir noch Umstände! In meine Wohnung will ich natürlich.* — Portier: „Herr, Sie wohnen doch gar nicht hier, ich kenne Sie gar nicht!"— Referendar: „Na, zum Donnerwetter, hier istdochNummer 152!" — Portier: „Nein, hier ist die Nummer 158." — Referendar: „Was? 153? Aber Sie Esel, da haben Sie mir ja ein ganz falsches Haus aufgeschlossen!!"
Nur! Sommerfrischler: „In mein Zimmer dringt das Waffer durch die Decke, die ganze Nacht hat es getropft!" — „Dös lummt nur vor, wann's regnet!"
Humor. Arzt (aus dem Krankenzimmer kommend): „Ihre Frau darf also heule kein Wort sprechen; lassen Sie das ja nicht außer acht!" — Gatte (zögernd): „Ach, mein bester Herr Doktor, möchten Sie ihr das nicht lieber selbst sagen?^
Literarisches.
Die letzt erschienene Lieferung 46 des Werkes: „Das Neun» zehnte Jahrhundert in Bildnissen", Verlag der Photographischen Gesellschaft, Berlin, enthält an erster Stelle ein schönes Porträt von Abraham Lincoln mit einer biographischen Charakteristik von Karl Federn, sodann den Physiologen D u B o i s-R e y m o n d, gemalt von Max Koner, biographisch behandelt von Julius Pagel, den Physiker Heinrich Rud. Hertz nach einer Naturausnahme, in Lebensgang und Lebenswerk geschildert von Franz Bendt, und von Musikern den oft ungerecht beurteilten Meister derOpperetteJacques Offenbach nach einer Naturaufnahme von Radar und charakterisiert von Leopold Schmidt Schließlich bringt diese Lieferung die Dichterporträts von. Berthold Auerbach, Bildnis nach der Natur, Biographie von H. A. Lier, Annette von D r o st e, nach einem Jugendbildnisse aus dem Besitze des Sohnes Schückings, mit einem biographischen Lebensbilds von Karl Werckmeister, Platen, nach der schönen Relieszeichnung von Straehuber, Biographie von Brunnhofer, und endlich E r n st von W i l d e n b r u ch, besonders nach seiner nationalen Bedeutung gewürdigt von Paul Warncke
Woerth. Von Carl Bleibtreu. Jllustriertvon Chr. Speyer. Geh. 1 Mk., geb. 2 Mk. Verlag von Carl Krabbe in Stuttgart. Erst in neuester Zeit empfing man ein richtiges Bild dieser merkwürdigen Schlacht, durch Berücksichtigung der Verhältnisse auf französischer Seite. Bleibtreu hat nun nach seiner bewährten Methode verstanden, die inneren Zustände und die äußere Entwickelung zu veranschaulichen, indem er mühelos seine dichterische, ebenso schwungvolle wie realistisch charakteristische Schilderung mit der kritisch, historischen Forschung verschmolz. Die Todesritte der französischen Kürassiere, der Untergang der 3. Zuaven sind großartig dargestcllt, ebenso viele andere Episoden, wie eingehendes Studium der historiquee (Regimentsgeschichten) sie ihm an die Hand gaben. Diese ergreifende kriegerische Tragödie wird ebenso packend entrollt, wie Bleibtreu früher die andern Hauptaktionen des großen Krieges: Gravelotte, Sedan, Paris dichterisch verarbeitete. Die Illustrationen von Chr. Speyer sind mustergiltig.
Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.
Auflösung in nächster Nummer.
Bilderrätsel
(Nachbildung verboten^.
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