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Sandhüg! en Schaffe
psychischen Erziehung legen beim heiteren Spiel im Kinder- ätminer._ „Baby" schon oft gezeigt, wie niemand, anders so vorzüglich geeignet ist zur Erziehung der Kinder tote die Mutter. Sie, welche Mit ihrem Herzblut das Kind genährt, versteht es ganz und voll in seinen geheimsten Regungen, und wird in so manchem den eigenen Charalrer, den des Gatten wieder erkennen. Ihrem aufmerksamen Auge wird es nicht entgehen, wo sie ^le jungen Triebe zu fördern, wo einzudämmen hat, um den Charakter §u Jeftt» gen und zu stählen für die Fahrt auf den oft stürmischen SSellen des Lebens.
Haben wir so den besten Keim für die Grundstimmung der Seele gelegt, ist unsere nächste, vornehmste Aufgabe, unsere lieben Kleinen gesund zu erhalten, wozu eine vernünftige Abhärtung gar viel beiträgt. Mein Wahl- jpru ) 'ft h^en Aerzte in der Welt
Trotz aller Neider, aller Hasser, Es sind im Bunde treu gesellt Diät, Bewegung, Licht, Luft, Wasser.
fordern. Wie oft habe ich gehört, daß Unart den Kmbenr verboten und ihnen zur Belohnung Geld gegeben werd. Die Kinder sind oft so daran gewöhnt; wo sie einen Automaten sehen, müssen sie etwas haben, und quälen so lange, bis die schwache Mutter, um sie los zu werden, die Börse zieht. Glaubt nicht, liebe Leserinnen, den Kindern mich diesem Versprechen und Nachgeben gut zu thun. Erstens verdirbt es Magen und Zähne, und zweitens wird das Kind immer lüsterner danach, quält auch öfter und fucht ich selbst in Besitz von Geld zu bringen, um heimlich der Gewohnheit zu huldigen. Es lernt nichts weniger, als sich beherrschen, diese im Leben so notwendige Eigenschaft. Der gegebene Raum ist zu beschränkt, um astf alle Gefahren hin- zuweisen, die ihr dem sich bildenden Charakter zufugeu könntet. „ , _ . ., ,.
Glaube auch nicht etwa, liebe Leserm, daß ich die Kinder in spartanischer Enthaltsamkeit erzogen wünschte. Gar oft kommt des Sonntags ein gehörig großer Pudding auf den Tisch von Mondamin, Gries u. s. w. mit schöner Obstsauce oder gar des Abends Chokolade. Da sollst Du die Kleinen essen sehen, und hast den Vorteil des großen Nährwerts. Erhalten sie vom Besuch Düten, so war ich es von meiner eigenen Jugend gewöhnt, sie abzugeben und erhielt des Mittags nach Tisch und beim Zubettgehen einige Stückchen daraus. So sparen wir den verdorbenen Magen, der die Kleinen verdrießlich macht, und die Freude
iver ^gegebene Raum drängt zum Schluß dieses schier unerschöpflichen Themas. Doch einiges kann ich nicht unterlassen, noch hinzuzufügen. Die HSuptbedingung der Erziehung sei Konsequenz! Was heute verboten ist, darf > weder morgen noch übermorgen, noch später erlaubt sein, und nie erlaube Du etwas, was Dein Gatte verboten, suche nie die Strafen, die er verhängt, in irgend einer Weise abzuschwächen, selbst wenn sie Dir zu hart erscheinen, mache ihm auch nie einen Vorwurf darüber in Gegenwart der Kinder. Sie sind so schlau, die Kleinen, daß sie sofort unsere schwachen Seiten erkennen, und diese zu benutzen verstehen; bald mit Schineicheln, bald mit Thränen suchen sie ihren Willen durchzusetzen. — So schlecht unsere heutigen Dienstboten zum Teil auch sind, flöße stets den Kleinen Respekt und Achtung vor ihnen ein, und suche zu vermeiden, daß sie irgend welche Zurechtweisung mit anhören. — Für sehr gut halte ick es, den Kindern ein kleines .Amt aufzutragen, um ihr Pflichtbewußtsein zu wecken und zu stählen, so z. B. das Tischdecken. Dafür erhalten fte dann noch wöchentlich einen Groschen in die Sparbüchse, und kaufen von diesem Geld Papa und Mama „Ettvas" zum Geburtstag, das sie aber selbst im Geschäft aussuchen, am liebsten etwas, das viel gebraucht wird, und oft hörst Du ihr stolzes: „Das habe ich Papa geschenkt". Das macht viel mehr Freude, als das Bewußtsein, so und so viel auf der Sparkasse zu haben, wovon sie im Grunde nichts verstehen, und auch lange nichts verstehen sollen. Ein anderes Amt ist, für den täglichen Tisch die Petersilie zu besorgen. So findest Du Gelegenheit, die Liebe zur Natur nicht nur auf dem Spaziergang, sondern in der Praxis zu pflegen. Das Säen und Pflegen dieses schmackhaften Gewürzes in Zigarrenkästen oder Töpfen erfordert Aufmerksamkeit, tägliches Nachdenken und Gewissenhaftigkeit. Stolz bringt unser Liebling am Mittag das behutsam gepflückte Sträußchen eigener Kultur und ist ganz beglückt, darf er es später, noch waschen und wiegen.
Die Rute komme im Kinderzimmer selten zur Anwendung; ein Verbot in strengem Ton genügt meist, und dann mild hinzugefügt: sieh wenn Du das thust, hast Du den und den Schaden. Dieser Appell an den Verstand hilft meist mehr als alle Ruten; das Kind gewöhnt sich ans Nachdenken, und sieht die Eltern als liebende Erzieher an und nicht als strenge. Tyrannen, die nur ihren Willen durchsetzen wollen. Mache es überhaupt den Kmdern uie zu bequem, gelvöhne sie en stetes Ueberlegen und Denken; der Verstand muß ebenso geübt werden, tote die Geschicklichkeit der Hände nur durch Uebung Glanzt wird. Em Mensch, der gewöhnt ist, sich über sich ftlbst wie über tue Dinge der Außenwelt Rechenschaft ^u geben, wird stets ein klarer Kopf sein, und auch die Willenskraft besitzen, das Erkannte durchzuführen. _
Drum fasse ich alles so zusammen: seid „rechte."
Die körperliche und seelische Erziehung muß von der ersten Stunde nach der Geburt Hand in Hand gehen. Hören wir unser jüngstes Familienglied schreien, und hat das Schreien nicht seine Ursache int Naß-Liegen oder Hunger, so lassen wir es schreien. Dies ist ja die einzige Bewegung, die sich unser Mäuschen verschaffen kann, und gönnen wir sie ihm und seinen Lungen von ganzem Herzen. Die Mahlzeiten und auch der Schlaf erfordern von uns die größte Aufmerksamkeit und Regelmäßigkeit. Und bald werden wir durch unsere Konsequenz die Freude haben, daß wir nicht Tag und Nacht in Bewegung zu sem brauchen, sondern mit unserem Herzblatt die nötige nervenstärkende Ruhe finden. Und Jung gewohnt, Alt gethan . Nach zehn Tagen hatte meine sehr vernünftige Wärterin meinen Liebling so gezogen, haß er nur alle drei Stunden Hunger hatte, und nachts sechs Stunden glatt durchschlief. Im Gegensatz zu all meinen Freundinnen habe ich mein Kind in der Nacht niemals und auch am Tag nur wenig getragen, und habe den Erfolg, daß es mit zwölf Monaten in seinem abge- grenzten Reich - dem so beliebten trausportabeln Gitter — und mit dreizehn Monaten allein lief und bei aller sonstigen Lebhaftigkeit am Tage von abends 7 oder 8 Uhr bis früh 6 nach früher Gewohnheit schläft.
Meine lieben Leserinnen werden gut thun, ntdjt zu lebhaft mit dem Kindchen zu sein, vielmehr seinem kleinen Hirn im ersten Jahre möglichst viel Ruhe zu gönnen, bet der Ausfahrt die lebhaften Straßen zu vermeiden; denn je ruhiger sich das fo stark arbeitende Hirn man beachte die stark arbeitenden Fontanellen — entwickeln kann, um so mehr werdet Ihr der so gefürchteten Nervosität entgegenwirken. „ ,„ ,,, „ f
Ganz besonders günstig wirkt natürlich möglichst viel Aufenthalt im Freien. Wo es angängig ist, verschaffe man den Kleinen ein Gartenplätzchen oder gar einen Sandhügel. Ihr selbst werdet Freude finden an dem eifrigen Schaffen der kleinen Arbeiter und ihrer Erfindungsgabe. Während die Kleinen Kuchen backen, bauen die Größeren voll Feiier- eifer Burgen mit Wällen und Besestigungsrnauern. Die liebe Leserin in Berlin denkt sich dabei einen Weg im Tiergarten und erinnert sich mit mir der mächtigen Hohlen und Sandbauwerke, und das Jauchzen über gelungene Arbeit tönt ihr vielleicht immer noch im Ohr. So mancher spätere Baumeister mag bei diesem Spiel die erste Neigung zum Fach erlangt haben. Um eins möchte ich da aber noch im Namen der Kleinen bitten: zieht sie nicht zu fem an! Ein Spielkittel aus grauem Seinen, Aermel daran, das ganze Kleid bedeckend, im heißen Sommer auch mal ohne Kleid zu verwenden, ist das Beste. Und dann hinaus in Hof und Garten, ihr lieben Kleinen, und kommt ihr auch arg beschmutzt wieder ins Haus, Mama schilt nicht. Denn ' lieber giebt sie mehr Geld für Seife aus und hat gesunde Kinder, die sich auf der Erde herumkugeln, als solch arme -.Treibhauspflänzchen, für welche alljährlich Doktor und Apotheker größere Summen fordern.
Ja Luft und Bewegung und dann die Diät! Mir ganz ' verwerflich halte ich es, den Kindern ab und zu Geld zu geben, um sich Chokolade oder bergt, zu holen, wozu die Automaten ja leider in ganz gefährlicher Weise heraus-


