Ausgabe 
27.1.1900
 
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Maskenkostüme.

Don E. Würffel, Kiel.

Nachdruck verboten.

Zu den bevorstehenden Maskenfesten wird die Be­schreibung einiger Kostüme gewiß manchen Leserinnen will- koinmen sein. Ich nenne zuerst das Kostüm:

Laune.

Die Laune? nicht wahr, ein sonderbarer Gedanke? Aber warum soll eine Frau, welcher doch von bösen Zungen so oft die Launenhaftigkeit nachgesagt wird, nicht einmal wirklich die Laune haben, die Laune zu repräsentieren! Wenn jene vorerwähnten Zungen recht haben, so kann die naturgetreue Darstellung derselben in Wort und Gebühren den Frauen nicht schwer fallen, und das Kostüm? ei,nun, ich denke es mir folgendermaßen: Die Laune oder wechselnde Stimmung ist in ein rosa Gewand gekleidet, über welches schwarzer, durchsichtiger Spitzenstoff fällt. Die Taille umschließt eine rosa Schärpe, deren Enden mit schwarzen Spitzen garniert sind. Das schwarze lieber» gewand zeigt unten mehrfache Einschnitte, aus welchen rosa Falten hervorblitzen. Im Haar trägt die Laune zwei zierliche Wetterfahnen als Symbol ihrer wetterwendischen Stimmung. Eine ebensolche Wetterfahne hängt am rosa Atlasbande um den Hals. Der herzförmige Halsausschnitt endigt vorn mit einer Schleife aus schwarzem Tüll und rosa Band.

Die launenhafte Stimmung noch deutlicher vor Augen zu führen, hatDie Laune" die rechte Hand mit einem rosaseidenen, die linke Hand mit einem schwarzseidenen Handschuh bekleidet. Ein rosa Fächer mit schwarzen Spitzen läßt sich vorzüglich bei dieser Rolle verwerten. Wie gefällt Dir meineLaune", geschätzte Leserin? Willst Du es ein­mal mit ihr versuchen?

Regenbogen.

Das Gewand ist aus duftigem, grauem Stoff herge­stellt, wolkig, gebauscht und unten abgeschlossen durch sieben schmale übereinander genähte seidene Bänder in den Farben des Regenbogens (rot, orange, gelb, grün, hell­blau, dunkelblau, violett). Eine gleiche siebensarbige Borde begrenzt den Halsausschnitt, die Aermel und Handschuhe. Das ganze Gewand ist mit länglichen Glasperlen Regen­tropfen darstellend benäht. Den Kopf ziert ein sieben­farbiger Reifen, von dem hochgebauscht grauer Gaze­stoff über den Rücken niederwallt. Das Haar ist mit großen Glasperlen bestreut, natürlich nur scheinbar, in Wahrheit halten kleine Haarnadeln die klaren Tropfen fest. Die Schuhe, grau überzogen, sind mit einer bunten Rosette geschmückt.

Das Schneeglöckchen.

Hierzu gehört ein weißes, unten ausgezacktes Gewand. Die Taille umschließt ein zartgrüner Miedergürtel. Der ganze Anzug ist mit Schneeflocken aus Watte bestreut. Die Watteflocken werden mit Gummi leicht bestrichen und mit Diamantine bestäubt. Auch kleine Schneeglöckchen­sträuße sind hin und wieder nach Geschmack angebracht. Den Kopsputz bildet ein großes Schneeglöckchen, etwas schief auf das silbergepuderte Haar gedrückt. Man schneidet die Form aus Pappe aus, überzieht sie mit weißem Atlas und befestigt statt der Kelchblätter eine zartgrüne Schleife. Eine ebensolche mattgrüne Schleife, einen Schneeglöckchenstrairß umschließend, füllt lang von der linken Schulter herab. Die Schuhe sind mit weißem Atlas bezogen unb mit einer zartgrünen Schleife geschmückt.

Dies Kostüm eignet sich vorzüglich für ein junges Mädchen.

Krieg unb Frieden.

Zwei hübsche Masken sindKrieg und Friede n". Dieselben eignen sich für ein Brautpaar, Ehepaar oder für* Bruder und Schwester. Der Herr stellt natürlich den Krieg dar; er ist in Wehr und Waffen. Der Helm, welcher den Kopf bedeckt, ist mit einem Lorbeerkranze geschmückt. Von Zeit zu Zeit stößt er in die Kriegstrompete. Neben ihm wandelt der liebliche Frieden. Die Dame, welche denselben darstellt, ist in ein langes, weißes Gewand aus feinem, weichen Wollstoff in griechischem Schnitte, gehüllt. Die

Taille umschließt ein weißes Seidenband, das in tanger Schleife an einer Seite niederfällt. Ein Palmzweig, als Zeichen des Friedens, reicht von der rechten Schulter quer über die Brust bis zur Schleife, welche den Stiel bedeckt. Weite, griechische Aermel fallen lose von der Schulter nieder. Auf dem Kopfe flattern kleine, zierliche Miniatur­fähnchen, die weißen Friedenssahnen; eine größere mit der Aufschrift:Frieden" wird in der Hand gehalten.

Der Sternenhimmel.

Hierzu gehört ein blaues Gewand von Atlas oder Mull in der Farbe des nächtlichen Himmels. Eine weiße Tiill- schärpe, (die Milchstraße darstellend) wird auf der linken Schulter mit drei Goldsternen befestigt und fällt dann, leicht über der rechten Hälfte geschürzt, nieder. Das ganze Kostüm wird mit Goldsternen in Form der verschiedenen Sternbilder benäht. Der große Bär muß deutlich hervor­treten, außerdem die Krone, Kassiopeja (in Form des W), der kleine Bär, Orion ic.

Als Kopfschmuck dient ein Diadem in der Form eines Mondviertels. Der Halsausschnitt ist ringsum mit Sternen geziert, ebenso die Handschuhe und die Fußbe­kleidung. Um den Hals ist ein blaues Atlasband, mit Sternchen benäht, geschlungen.

Die Brieftaube.

Dazu gehört ein weißes Gewand mit spitzem Halsaus­schnitt, Miedergürtel und langen, griechischen, Aermeln, Flügel darstellend. Der untere Saum des Gewandes, der Halsausschnitt und die Aermel sind mit weißem Schwan oder weißen Federn besetzt, ebenso die Handschuhe. Unten rings um den Kleiderrock, etwas über dem Schwanbesatz, läuft eine Bordüre von einzelnen Briesen. Weiße Papier- kouverts mit rotem Siegel in der Mitte werden zu dem Zwecke mit schmalen Silberborden beklebt; auf diese Weise heben sie sich besser von dem weißen Untergründe ab. Der Halsschmuck besteht aus kleinen zierlichen Miniatur- briefchen, die, an ein rotes Atlasband genäht, ein Collier bilden. In dem hochfrisierten Haar ist ein Diadem ange­bracht, auf welchem eine ausgestopfte, weiße Taube graziös ruht. Kanu man eine solche nicht haben, so genügt auch ein mit weißem Schwan garniertes Barett, an dem zwei Taubenflügel befestigt sind.

Das Glück.

Das Glück, das holde, lachende erscheint in duftigem Gewände von rosa oder weißem Mull. (Tüll, Tarlatau.) Eine Rosenguirlande fällt von der linken Schulter bis zur rechten Hüfte schräg herab, und rankt sich über dem Kleider­rock anmutig weiter. Rosen bekränzen auch das Haar; einzelne Rosen sind hin und wieder über dem Gewand verstreut. Aber das schnell enteilende Glück hat auch Flügel, tändelnd eilt es von einem zum andern. Reizend machen sich zwei schneeweiße Taubenflügel, die am Rücken befestigt werden. Wer sich keine naturgetreuen Flügel ver­schaffen kann, der schneide solche aus Pappe, und überziehe sie mit silberdurchwirktem Stoff. In der Hand trägt das Glück ein Füllhorn, aus welchem es seine Gaben nach Laune austeilt. Als Inhalt können in diesem Falle dienen: Knallbonbons mit Devisen, Briefe humoristischen Inhalts, Lose, kleine Sträuße 2c. Und nunG l ü ck" auf den Weg!

Die Glockenblume.

Die den Frühling einläutende Glockenblume läßt sich recht hübsch zum Maskenkostüm verwenden. Der Rock aus helllila Atlas oder Seide endigt unten in großen, etwas länglichen Zacken. Unter dem Miedergürtel hängen Zacken von zartgrünem Atlas heraus, die Kelchblätter darstellen. Die mattgrüne Taille ist am Halsausschnitt ebenfalls zackig ausgenäht. Die Aermel, wieder helllila, reichen bis zum Ellbogen und endigen dort in Zacken, auf diese Weise eine Glocke bildend. Beim Einsatz der Aermel in die Schulter sind wieder kleinere, grüne Kelchblätter von Atlas mit eingenäht. Um den Hals ist ein zartgrünes Band ge­schlungen, das im Nacken mit einer langen Schleife endigt, es ist am Hälfe mit künstlichen Glockenblumen garniert Als Kopfputz dient eine große Glockenblume, deren Form aus Pappe hergestellt, und dann mit Atlas überzogen ist. Lila Strümpfe und grüne Atlasschuhe gehören zum Kostüm.

UniversttätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.

Redaknan: E. Burkbardt. Druck und Verlag der Brühl'schen