Ausgabe 
27.1.1900
 
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fällig habe ich ihn auf einem Dampfer gefunden, als man ihn eben ins Hospital senden wollte.

O Gott, bringen Sie ihn! Schnell! schnell!

Fassen Sie Mut! Durch gute Pflege wird das Schlimmste verhütet werden!

Robert sandte Frau Willow hinauf zu Frau Howell. Daun trug er den Kranken mit Hilfe des Arztes in das Zimmer und legte ihn auf ein Bett.

O Martin, wie verändert! O Gott, er ist am Sterben!

Wir wollen das Beste hoffen, sagte der Arzt.

Würden Sie nicht wünschen, daß Bella und Mildred hier wären? fragte Robert.

Ja, gewiß, er ist am Sterben, sie müssen hier sein!

Dann gehen Sie auch zu Doktor Benton in der drei- undzwanzigsten Avenue! rief der Arzt. Er ist ein Freund von mir und hat große Erfahrung.

Robert nahm eine Droschke und fuhr zu Doktor Benton und von dort nach dem Laden, in welchem Bella angestellt war. Der Weihnachtsabend war nahe, und der Laden war überfüllt mit Käufern der letzten Stunde. Die dunklen Linien unter Bellas Augen und die teilnahmslosen Blicke zeigten, wie erschöpft sie war. Als Robert erschien, hellte ihr Gesicht sich auf, beim Anblick seiner ernsten Miene aber erbleichte sie wieder.

Was giebt es? fragte sie.

Erschrecken Sie nicht! Kommen Sie schnell mit mir, ich werde es verantworten!

Bella, sagte er, als sie am Wagen standen, Sie müssen standhaft sein, Ihr Vater ist zu Hause und sehr krank, vielleicht hängt sein Leben davon ab, daß alle Aufregungen ferngehalten werden. Doktor Benton, ein erfahrener Arzt, ist im Wagen und wird mit uns fahren. Sie müssen es Ihrer Schwester sagen, ich kann es nicht.

Bella weinte heftig und vermochte sich nicht so weit zu fassen, um in den Laden zu treten, wo Mildred stand. Diese schwere Aufgabe fiel Robert zu.

Man war im Begriff, den Laden zu schließen, und die Disziplin des Geschäfts war vorüber. Eine zornige Röte stieg auf Mildreds Wangen, und ihre Augen glühten. Sie war augenscheinlich sehr entrüstet, während die anderen Mädchen sehr" belustigt schienen. Als sie Robert erblickte, verstärkte sich noch die Röte auf ihrem Gesicht, ihre Stirn faltete sich, und sie setzte ihre Arbeit, die Waren weg zu räumen, fort, als ob sie ihn nicht gesehen hätte.

Sehen Sie, da haben Sie ja noch einen Verehrer, flüsterte eines der Mädchen ihr zu, als sie vorüberging. Dieser sieht ganz hübsch aus, und Sie werden ihn nicht so grausam behandeln.

Sie achtete nicht darauf, aber sein ernstes Gesicht fiel ihr auf.

Fräulein Howell, begann Robert wieder leise, fassen Sie Mut! Ihr Vater ist zurückgekommen, und sehr krank. Bella und ein Arzt erwarten Sie draußen im Wagen!

Einen Augenblick später stand sie am Wagen. Als er sie hineinhob, sagte er, Doktor Benton werde ihr alles erklären.

Robert! rief Bella, aber er sprang auf den Bock, und nach kurzer Zeit hielten sie vor der Thüre des alten Hauses.

Er stirbt! rief Mildred, als sie ihren Vater erblickte.

O, warum habe ich ihn allein reisen lassen! rief die Mutter.

Die Aerzte untersuchten den Kranken. Doktor Benton schlug ihm die Aermel zurück und deutete auf viele kleine Punkte an seinem Arm. Der jüngere Arzt schien ihn zu verstehen. Das ist schlimmer und besser, als ich fürchtete, bemerkte er.

Schlimmer! Schlimmer! brummte Doktor Bentou. Was meinen Sie damit? fragte Frau Howell, mehr tot als lebendig.

Meine Dame, begann Doktor Benton sehr ernst, haben Sie nie gesehen, daß Ihr Herr Gemahl ein kleines Instru­ment, wie dieses hier benutzt hat? Dabei zog er eine kleine Spritze aus der Tasche.

Nein, antwortete sie verwundert.

.Der Arzt lächelte satirisch und bemerkte leise: Ich hoffe, das Gift hat nicht die ganze Familie angefressen! In solchen Fällen ist es ganz unmöglich, die Wahrheit zu erfahren.

Glauben Sie, daß er sterben wird? fragte sie angstvoll.

O nein, ich glaube, ivir können ihn bald wieder auf die Beine bringen. Aber es wäre besser, er würde sterben, als den Gebrauch des Morphiums fortsetzen.. Ich kann kaum begreifen, wie Sie davon nichts bemerkt haben.

Mildred stieß einen lauten Schrei aus. Jetzt begriff sie, was ihr so lange seltsam geschienen hatte. Das schreck­liche Geheimnis war nun offenbar, ihr Vater war ein Morphinist und lag jetzt nur in einer Betäubung. Als sie die Augen erhob, begegneten sie Roberts Blicken, und sie wandte sich errötend ab. So oft ich eine Demüti­gung erfahre, ist er immer Zeuge davon, dachte sie.mit Bitterkeit.

Meine Herren, ich verstehe Sie nicht, sagte Frau Ho­well, als sie sich aus ihrem ratlosen Erstaunen erholt hatte. Er hat nie etwas vor mir verborgen, und ich fürchte. Sie irren sich in Bezug auf den Zustand meines Mannes. Ihre Vermutungen scheinen mir höchst grausam und un­gerecht.

Wollen Sie uns entlassen? fragte Doktor Benton. Er war sehr geschickt, aber schroff, besonders wenn er eine beabsichtigte Täuschung vermutete. Sehen Sie, ich habe viele Fälle dieser Art gesehen; Mister Howell wird am Leben bleiben, und bald im stände sein, mit Ihnen zu sprechen. Wenn Sie ihn nur dazu bringen können, das Morphium aufzugeben, so wird er so gesund werden, wie früher.

Ich kann es nicht glauben, rief Frau Howell.

Hören Sie, junger Mann, sagte Doktor Benton zu Robert, gehen Sie in meine Wohnung und holen Sie mir einen elektrischen Apparat.

Als Robert zurückkehrte, begann Howell aus seiner tiefen Betäubung zu erwachen, und sein Zustand besserte sich rasch.

Herr Howell ist jetzt außer Gefahr, bemerkte Doktor Benton nach einiger Zeit. Aber es hängt alles von seiner künftigen Behandlung ab. Es ist nicht nötig, daß ich noch länger hier bleibe, denn der Arzt, der ihn hierher be­gleitet hat, kennt den Fall genügend. Aber Sie haben Mißtrauen gegen uns ausgedrückt und wünschen vielleicht, einen anderen Arzt rufen zu lassen. Zuvor aber muß ich Ihnen beweisen, daß ich recht habe, und daun ist meine Verantwortluhkeit zu Ende. Er ergriff Howells Weste und nahm aus einer inneren Brusttasche derselben eine kleine Spritze und ein Fläschchen mit Morphiumlösung.

Hier haben Sie die Beweise, welche meine Worte be­stätigen. Die Punkte an seinem Arm sind mit diesem kleinen Instrument gemacht und

Er wurde durch einen leisen Aufschrei der Frau unter­brochen, welche in Ohnmacht sank.

Mildred eilte herbei mit bleichem Gesicht und sagte: Ich werde diese Sachen in Verwahrung nehmen. Dann trug sie dieselben in ihr Zimmer, worauf sie sogleich zu­rückkehrte und Frau Willow half, ihre Mutter wieder zuni Bewußtsein zu bringen.

Mildred, was bedeutet das alles? fragte Bella angstvoll.

Alje Hoffnung ist verloren, erwiderte Mildred mit dumpfer Stimme. Papa liebt das Morphium mehr als Dich und mich und die hilflosen Kleinen, mehr als den Himmel und seine eigene Seele. O, hätte ich diesen Tag nie erlebt!

Fortsetzung folgt.

Genreinnütziges.

Hauswirtschaft.

Rauchende Oefen. Sehr häufig trägt die Schuld an dem schlechten Brennen der Oefen nur eine zu starke Belastung des Schornsteins mit Feuerstellen. Bei kleinen Einfamilienhäusern kommt es vor, daß der an sich schon sehr niedrige Schornstein Zug für 45 Feuerstellenschaffen soll, und das Resultat ist dann gewöhnlich, daß bei trübem Wetter einige der Oefen oder auch alle nicht brennen wollen. In solchen Fällen erzielt man eine bedeutende Verbesserung, wenn man überall dicht schließende Ofen- thüren (aus Schmiedeeisen und ohne Zuglöcher) einsetzt und vor den Aschelöchern ebenfalls dicht schließende Schieber anbringt, die, so lange der Ofen nicht geheizt