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Abteilung meiner nach allen Richtungen hin versprengten Leute brach zu später Abendstunde in einen einsam gelegenen Gutshof ein, verlangte drohend, wie in Kriegszeiten, Lebensmittel und Geld, und nahm schließlich mit Gewalt, was ihnen auf die bloße Forderung hin entschieden verweigert wurde. Dabei sollen der Hofbesitzer, sein Sohn und mehrere Gutsleute ernstliche Verwundungen erlitten haben. Einer dieser letzteren ist jedenfalls am Tage nach dem Uebersall gestorben."
Er brach mit versagender Stimme ab; Elisabeth aber atmete tief auf wie aus befreiter Brust.
„Das ist entsetzlich — Sie aber haben feinen Anteil an diesem Verbrechen. Man mag seine Urheber zi- Rechenschaft ziehen, nicht einen Unschuldigen, der Wed den Befehl dazu gegeben hatte, noch die Möglichkeit besaß, es zu verhindern."
Wweisend schüttelte Sixtus den Kops. „Sie irren, mein gnädiges Fräulein! Da ich nach meiner Wiederherstellung die Führung der Truppe wieder übernahm, obgleich mir jener Vorfall inzwischen bekannt geworden war, trage ich auch für diesen die Verantwortung — wenn nicht vor dem Gesetz, so doch vor meinem eigenen Gewissen. Mit Ausnahme eines einzigen verwilderten Gesellen, der mir als der Anstifter bezeichnet wurde, und den ich aus unseren Reihen ausstieß, habe ich alle Teilnehmer an der todeswürdigen Plünderung in meiner Schar behalten. Und mein Eid verpflichtet mich, zu ihnen zu stehen, wie zu
jedem anderen Mann." ,
„Aber das ist unmöglich! Es ist ein falscher Ehrbegriff, von dem Sie sich zu solcher Aufopferung bestimmen lassen. Sie stürzen sich selbst ins Verderben und erweisen niemand einen Dienst, wenn Sie Ihr kostbares Leben einsetzen für das Leben von Dieben und Räubern."
„Ich habe diesen Dieben und Räubern verziehen, Fräulein von Marschall; denn ich hatte ihre Rot gesehen,
schreiben — nein, heute noch werde ich mich aus die Reise nach Berlin begeben." -■ '
Mit einem seltsamen Blick sah er sie an, doch die
Züge seines Antlitzes blieben unbeweglich.
„Sie mögen es immerhin thun, Fräulein von Marschall, wenn Ihnen daran gelegen ist, unser Verderben zu
beschleunigen."
„Wie?" fragte sie betroffen. „Ihr Verderben zu beschleunigen? Ist das im Ernst Ihre Meinung?"
„Gewiß — int vollen Ernst! Die Schwerfälligkeit und pflichtwidrige Säumnis der Behörden allein ist es, die uns bis heute noch unser vogelfreies Dasein fristen laßt.
Nein, mein gnädiges Fräulein, auch wenn Ihr Plan ausführbar wäre, und wenn keine Rücksicht aus Ihr eigenem Wohl uns abhielte, den großherzigen Vorschlag anzunehmen, könnten wir doch den Weg nicht gehen, den ^hre Großmut uns zeigen will. Wir haben das Recht verwirkt, uns irgendwo hinzusetzen und unangefochten das Leden harmloser, friedfertiger Staatsbürger zu beginnen. Noch wissen Sie ja nicht alles, und ich empfange jetzt meme Strafe dafür, daß eine gewisse Feigheit mich gestern abhielt, Ihnen auch das letzte, das schlimmste zu offenbaren. Fch hätte eben von vornherein mit der Möglichkeit rechnen sollen daß Ihr Edelsinn aus eine Milderung unseres Loses bedacht sein würde, und ich hätte sogleich- die ganze Wahrheit sagen müssen, um Ihnen wie nur die Pem des gegenwärtigen Augenblickes zu ersparen."
„Mein Gott, Sie ängstigen mich, Herr Major! Kann es denn noch Schlimmeres geben, als ich; bereits von ^hnen ae^„3a; denn ich sprach Ihnen eigentlich; nur von dem Unrecht, das wir erlitten, nicht von dem Unrecht, das wir begangen haben. Und dieses ist leider großer als jenes Wir sind nicht nur obdachlose Vagabunden, wie Sie in Ihrem Wohlwollen annehmen, und wenn mau uns -ergriffe, würde man sich nicht damit begnügen, uns ins Gefängnis zu werfen. Nein, wir sind heute bereits wirkliche Uebelthäter, und jeden von uns erwartet der
Elisabeth schrie laut auf, und unfähig, sich zu beherrschen, erfaßte sie mit heftigem Griff seinen Arm.
„Nein, um des Himmels willen, sagen Sie, daß es nicht wahr ist, daß Sie mich nur aus die Probe stellen wollten. Es würde mich ja um den Verstand bringen, wenn ich daran glauben müßte."
jedenfalls werden Sie sich nicht länger wegen unseres
Schicksals beunruhigen, nachdem Sie auch; dies noch er- ------ , „ - ,
faftr-en Wir verdienen in der Thal Ihre Teilnahme so und ich bin sicher, daß sie an jenem Unglucksabend kaum wenig als die irgend eines ehrlichen Menschen. Sagen „och wußten, was sie thaten. Damit aber bm ich auch Sie mir doch aufrichtig, Fräulein von Marschall: wenn ihresgleichen geworden und muß es. für meme Pflicht heute eine Horde arbeitsscheuen Gesindels Ihren Gutshof I erachten, ihr Schicksal zu teilen. Ob ich mich dabei von überfiele um ihn auszuplündern, und wenn Sie oder Ihre einem falschen Ehrbegriff leiten lasse, weiß ich nicht; aber Leute bei dem Versuche, Ihr Eigentum zu verteidigen, Sie begreifen, daß ich in solchen Dingen eben nur den von diesen Banditen brutale Mißhandlungen erlitten, wur- Vorschriften meines eigenen Gewissens folgen darf, den Sie bann nicht unnachsichtlich die strengste Bestrafung sollte mich und meine Leute außerhalb des Gesetzes, rudern der Schuldigen verlangen?" I ich sie in offenem Ungehorsam gegen die Ordre des Königs
»6re ruckenden Lippen versagten die Antwort. als organisierte Truppe unter meinem Befehl behielt. ,
2/ JL ■ r nTlpT rafrfver in bastigen Worten, Ohne mich wären sie vielleicht alle nach und nach zu
dieses GEnduisses auch für ihn ehrlichen, bürgerlichen Beschäftigungen zurückgekehrt. So
to« ^enn dw Eal Eses GeMttuiines augr w ^t es sich denn auch-, daß ich; meinen Teil an der Ver-
pst öu " Unb nicht erst seit heute und antwortlichkeit für ihre Uebergriffe und Verirrungen trage."
Ste™ W ..Das mag Ar- Meinung fein; di- B-Hörd-N mib
Z-- R-i»-mitt™ im -Ämter, ba $unger, di- Richte-ab™ w--d°» -S M-l^-w-,te anders ans-»-». Kälte und Krankheiten meine Soldaten dem Wahnsinn wenn sie den wahren Sachverhalt erfahren.- Nfive aebradit hatten Wir waren aus dieser Gegend, die I „Vielleicht. Doch ich werde Sorge tragen, daß e. uns nickt mehr Schutz und Nahrung genug gewährte, niemals geschieht. Keinem lebenden Wesen außer chnen fort L in die Nche von Danzig gezogen. Meine Leute werde ich je mitteilen was n dieser Angelegenheit zu
befanden fick in einem Zustande, der jeder Beschreibung meiner Rechtfertigung dienen konnte Ihnen agte ich es,
ivlttet Si hätten dama s jed , auch die schimpflichste weil ich den Wunsch hegte, mir wenigstens einen kleinen Arbeitverfühtet wenn ihnen Brot und Obdach dafür Rest Ihrer Achtung zu bewahrem An der Meinung aller gewährt worden wäre. Aber man hatte nirgends Der- I übrigen ist mir nicht das mindeste gelegen.
Wendung für die Dienste von so heruntergekommenen, ab- „So baute ich Ihnen denn boppelt für ^hr Ber- ae^ebrten unb kraftlosen Bur chen, wie es biese Unglück- trauen unb Ihr freimütiges Bekenntnis. Einmal wohl ttchen w!ren. Rauh wies man sie von allen THÜren zurück, konnte ich den rechten Augenblick versäumen beim Komg die fiunbe wurden auf sie gehetzt, und oft starrten ihnen j um Gnade für Sie zu bitten, zum zweiten Male soll e_> fc&on bei der bloßen Annäherung die Mündungen von I sicherlich nicht geschehen. Sie sagen, daß niemand außer Tfiittentäufen entgegen Da packte sie denn mit jedem I mir die Wahrheit kennt, wohlan denn, es soll genug [em, Le wilder die wütendste Verzweiflung. Nur weil ich daß ich sie fenne^ Heute noch werde ich; an den König meine ganze Autorität dafür einsetzte, und weil sie sahen, • Kutte merhe irf* mich, auf die Reise
baß ich alle ihre Entbehrungen brüderlich teilte, gehorchten sie noch meinem strengen Befehl, sich jeher Versünbigung an frembem Eigentum unb jeber Gewaltthat zu enthalten.
Vielleicht wäre es mir wirklich gelungen, sie als ehrliche Kerle burch ben grausamen Winter zu bringen. Aber bas Unglück wollte, baß ich an einer Geleukentzünbung schwer erkrankte unb wochenlang unter ber Pflege meines ehemaligen Wachtmeisters, bes treuesten Menschen auf Erben, in einem verlassenen Heuschober liegen mußte, unfähig, mich auch; nur von meiner Strohschütte zu erheben. In jenen Tagen war es, wo bas Bebauerliche geschah. Eine


