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„Sie wollen mir nur einen „Grenze", einen Fragonard und eine Skizzenmappe von David abtreten".
„Aber gnädigste Frau, das sind ja Schätze!"
„Meinen Sie?"
Charles Dupin hätte vielleicht seine Ansicht über die Maler des. Längeren entwickelt, wenn nicht in demselben Augenblick Klotilde liebreizend und frisch wie ein Heckenröschen ins Zimmer gekommen wäre.
„Ei! Ei!" sagte sich der Maler, „was den „Greuze" anbelangt, so scheint mir dies ein lebendiger „Greuze", der alle Werke des berühmten Meisters in den Scharten stellt".
Die Gegenwart des jungen Mädchens bestimmte Frau Vermans, das Erbschaftsgesprstch, das ihr ein so willkommener Vorwand gewesen war, abzubrechen. Aber Charles Dupin war auf dem Gebiet der Kunst viel zu beschlagen, um das Thema fallen zu lassen. Mit einer geschickten Schwenkung kam er wieder daraus zurück rmd sprach mit einer wahren Begeisterung von den großen Malern.
Frau Vermanns dachte: „Langero hat recht! Der junge Mann ist wirklich äußerst redegewandt, wenn er das auf einem ihm doch fremden Gebiete vermag, muß er ja in seinem Fach alles für sich! gewinnen!"
Klotilde hörte ihrerseits mit größtem Vergnügen das, was Charles Dupin sprach, und in ihrer Naivetät huschte sie sogar hinaus und holte einige ihrer Aquarelle, um sie zu zeigen; natürlich war Dupin ganz entzückt davon.
„Gnädiges Fräulein sind ja eine Künstlerin!" ries er, und mit allen technischen Ausdrücken hob er Klotildes Eigenart der Pinselführung hervor.
„Malen Sie denn auch?" fragte das junge Mädchen.
„Ein wenig", antwortete Dupin, den die Frage verwunderte.
„Ach! Das ist ja beizend!" rief Klotilde, die als schlaues Evatöchterlein wohl verstanden hatte, welche Motive den Fremden in ihr Haus führten, und die gleich bemerkt hatte, daß er einen prächtigen schwarzen Schnurrbart besaß.
„Und Ihre arme Frau Tante? . . ." fragte Frau Vermans voller Interesse, „wie geht es ihr?"
„Gnädige Frau meinen wohl den Onkel . . . immer im Gange trotz seines Gebrechens!"
„Im Gange? . . . Ich glaubte, er sei gelähmt!"
„Blind, leider Gottes . . . aber sonst doch noch ganz rüstig".
„Hektor ist doch immer derselbe", dachte Frau Vermans, „den Onkel hält er für eine Tante und einen Blinden für einen Gelähmten! . . . aber der junge Mann gefällt mir wirkliche.
Der Gast verabschiedete sich'.
„Wir haben doch? hoffentlich! das Vergnügen, Sie wiederzusehen", sagte Frau Vermans und reichte Charles Dupin die Hand zum Abschied.
Der stand vor einem Rätsel; warum hatte man ihn denn eigentlich kommen lassen? Was wollte die Dame von ihm? So viel stand jedenfalls fest, daß! man ihn aufgefordert hatte, feinen Besuch! zu wiederholen, und da ihm das die Möglichkeit bot, den lebenden „Greuze" wiederzusehen, der es ihm entschieden angethan hatte, so antwortete er denn mit größter Ueberzeugung:
„Aber sehr gern, gnädige Frau. . . wann ist Ihnen mein Kommen genehm?"
„Wann es Ihnen beliebt, Herr Dupin, Sie sind uns immer willkommen!"
„Wie wäre es denn mit morgen", meinte Klotilde. —
Vielleicht vierzehn Tage nach jenem Gespräch', das Herr Langero mit seiner Schwägerin gehabt hatte, begegnete er in feiner Hast Herrn Jules Dupin, dem Juristen, der sehr kühl ujnd gemessen war.
„Ich warte noch immer", sagte der junge Mann in gekränktem Ton.
„Sie warten? Auf was?" antwortete Langero freundlich lächelnd.
„Nun, auf die Aufforderung von Frau Vermans!"
„Machen Sie doch keine schlechten Scherze, bester
Freund. Ich weiß doch, daß Sie jeden Tag bei meiner Schwägerin sind. Daß mein Nich^lMN ihr Herz an Sie verloren hat, und daß nächsten Dienstag Verlobung gefeiert werden soll. . . leider bin ich so fabelhaft in Anspruch genommen gewesen, daß ich bei keinem Ihrer Besuche zugegen sein konnte . . . aber nächsten Dienstag komme ich wenn ich irgend kann!"
„Die schlechten Scherze scheinen von Ihnen auszugehen, Herr Langero", sagte Herr Dupin sehr gemessen, „ich wiederhole, daß ich von Frau Vermans keine Aufforderung erhalten und nicht mit einem Schritt bei ihr gewesen bin^
„Ja. . . aber. . ." sagte Herr Langero.
Doch mitten im Satze unterbrach er sich selbst, denn es kam ihm der Gedanke: „Ach, du meine Güte, sollte ich mich> vielleicht geirrt haben?" und laut fuhr er fort:
„Wo wohnen Sie doch?"
„123 Boulevard St. Antoine".
„Oh, oh! . . . und ich habe geglaubt, „Boulevard St. Michel", da hat mir mein Gedächtnis mal wieder einen Streich gespielt . . . verzeihen Sie mir, liebster, bester Freund! . . . Ich bin heute sehr eilig! . . . Wir sprechen noch ausführlicher darüber! ... In den allernächsten Tagen komme ich zu Ihnen . . ."
Und Herr Langero drückte sich; denn die Sache war ihm höchst ungemütlich.
Er stürzte zu seiner Schwägerin, wo sich! das Quipro- quo, über das sich keiner der Beteiligten beklagte, längst aufgeklärt hatte.
Die Damen waren nicht allein, als Herr Langero hastig in das Zimmer kam: Herr Charles Dupin (123 Boulevard St. Michel) war dort in zärtlichstem Gespräch! mit seiner Braut.
„Diesmal verzeihe ich Ihnen noch, lieber Schwager", sagte Frau Vermans.
, ,Ja, Onkelchen, und Du sollst sogar einen Extrakuß haben", rief Klotilde und sah Charles Dupin vielversprechend an, bevor sie die rosigen Lippen auf die Wange des Onkels drückte.
„Na", sagte Herr Langero, „Du wirst doch wenigstens trotz allem Frau Dupin! . . . Was den andern Dupin anbetrifst, so werde ist ihm eben eine andere Braut suchen sobald ich Zeit dazu habe! . . . Uebrigens werde noch! — sobald ich Zeit dazu habe — mich bei der Post beschweren. Wie kommt der Bote dazu, Herrn Charles Dupin einen Bries auszuhändigen, der für Herrn Jules Dupin bestimmt war?"
Gemeinnütziges
Die Unannehmlichkeiten der heißen Jahreszeit machen sich! für niemand empfindlicher bemerkbar, 'als für die arme geplagte Hausfrau, besonders in kleinen Landstädten uni): Dörfern, im Gebirge und auf Reisen, wo der Küche Haupterfordernis, nämlich frisches Fleischs üicht immer zu haben ist. Unschätzbare Dienste leistet ihr dann zur Herstellung einer guten Fleischbrühe und zur Kräftigung der meisten Speisen Liebigs Fleisch- Extrakt, das sich! unverändert bei jedem Thermometerstande und jedem Klima hält.
Skataufgabe.
(Bei französischen Karten gilt Treff gleich Eichel, Pique gleich Grün, Coeur gleich Rot, Carreau gleich Schellen.)
im
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Griin(Pique)-Solo, verliert jedoch, obwohl ein Wenzel und ein Aß im Skat liegen; Mittelhand hat sechs Augen mehr in ihren Karten a($ Hinterhand. Wie war die Kartenverteilung und der Spielgang?
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Versteckrätsels in voriger Nummer:
Morgenstunde hat Gold im Munde.
Rtbalhen: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Uuiversitst<«Buch< und Steindruckerei (Pietsch Erbe») in Gieße»«


