Ausgabe 
26.4.1900
 
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Oberkiefer sowohl wie Unterkiefer, schmerzt. Bei Cocaini- sierung der wunden Stelle im Naseninnern hört der Kopf- schrnerz sofort auf und wird dauernd beseitigt, wenn es gelingt, das ursächliche Nasenleiden zu beheben.

Aehnlich liegt die Sache bei Verletzungen des Ohres als Ursache von Kopsschmerzen. Anders dagegen steht es, wenn Nervenäste oder Partieen des Gehirns mit den Nervenscheiden oder der Hirnhaut durch bindegewebige Ver­wachsungen oder Verkalkungen verbunden sind und bei der geringsten Reizung und Schwankung des Blutdruckes ge­zerrt werden und zu schmerzen beginnen. Gemütsbeweg­ungen, Alkoholgenuß, geringe Anstrengungen, Verdauungs­störungen rufen hier sofort den Anfall hervor. Eine Heilung läßt sich bei solchen Zuständen am ehesten noch durch Trinken einer Jodquelle erzielen, weil das Jod die Eigenschaft besitzt, derartige Verwachsungen und kalkige Ablagerungen aufzulösen.

Ein Rheumatismus der dünnen Muskelschichte der Kopfhaut oder anderer Kopfmuskeln ist oft geeignet, echten Kopfschmerz vorzutäuschen, ist aber Lurch eine Einreibung etwa mit Chloroform oder mit Pain-Expeller, oder durch Warmhalten des Kopfes und Schwitzen leicht zu beheben.

Wie so viele andere Leiden kann auch der Kopfschmerz aus dem Magen kommen, der bei vielen Personen das empfindlichste Barometer des Wohlbefindens ist. Dabei ist es nicht nur Las Uebermaß von Speisen und Getränken, welches in vielen Fällen schädlich wird, sondern häufig auch die Qualität des Gerichts. Zahlreiche Personen leiden nämlich an ausgesprochenen Idiosynkrasie gegen irgend ein Nahrungs- und Genußmittel, welches sonst ihrem Gau­men vielleicht sehr zusagt, dessen Genuß aber jedesmal mit Schmerzen und Leiden bezahlt werden muß. Hier hilft nur Enthaltsamkeit; wer diese übrigens nicht besitzt, möge sich damit trösten, daß diese fatale Disposition zu Kopf­schmerzen um so schwächer sich geltend macht, je älter man wird.

Das Umgekehrte gilt von gichtischen Kopfschmerzen) welche mit zunehmenden Lebensjahren immer ärger und anhaltender werden, und deren Heilung natürlich eine anti­gichtische Lebensweise und den Genuß alkalischer Sauer­brunnen zur Voraussetzung hat.

Besondere Aufmerksamkeit hat man in den letzten Jahren den Kopfschmerzen der Schulkinder geschenkt. In den Mädchenschulen in Christiania waren 40 Prozent der Kinder von Kopfschmerzen geplagt, und in den Knaben­schulen dort und anderswo sieht es nicht viel besser aus. Natürlich wirken hier alle vorangeführten Ursachen eben­falls mit; dazu kommen aber noch eine Anzahl Umstände, welche der Kinderwelt und der Schule eigentümlich sind. Kinder kauen in der Regel die Nahrung schlecht, was zu Störungen in der Verdauung führt. Die Kinder werden zu nachtschlafender Zeit geweckt, damit dieselben irrt Winter um 8 Uhr gewaschen, gekämmt und angekleidet in der Schule sind. Dazu kommt namentlich in großen Städten die Zusammendrängung der Unterrichtsstunden auf den Vormittag, damit nachmittags der Unterricht ausfallen kann. Wenn dazu noch schlechte Heizung und ungenügende Beleuchtung kommen, so ist es kein Wunder, wenn der zarte kindliche Organismus angegriffen wird und mit Kopf­schmerzen reagiert. Dazu kommt die skrophulöse Konsti­tution vieler Kinder, welche durch Wucherungen im Nasen­rachenraums in ganz gleicher Weise gequält werden, wie dies oben bei dem reflektorischen Nasenkopfschmerz geschil­dert worden ist. Endlich ist auch das Elternhaus nicht ganz von Versündigungen freizusprechen. Kinder, welchen an Nahrung und Pflege zwar nichts abgeht, die nach zahl­reichen Schulstunden aber dringend ruhe- und erholungs­bedürftig sind, werden statt auszuruhen oder sich im Spiel zu ersrischen, der lieben Eitelkeit wegen ans Klavier gesetzt,, für das ja ohnehin kaum der Zehnte die rratürlichen An­lagen hat, oder mit dem Unterricht in fremden Sprachen geistig noch weiter belastet. Hoffart muß Zwang leiden, und wenn der Erwachsene sich aus Gründen der Eitelkeit freiwillig neue und unnötige Lasten aufbürdet, so hat er das mit sich selber abzumachen. Die Kinder können sich für die ihnen von Geburt an anhaftende Nervenschwäche ohnehin schon bei jenen bedanken, die keiner gesundheits­

festen Generation das Leben zu geben int stände waren Wenn ihnen nun noch von feiten der Familie Extraaus­gaben gestellt werden, die sie nur mit vieler Mühe bewäl­tigen können, so ist dies ein großer Mißgriff seitens der Eltern und Erzieher, für den kaum eine Entschuldigung gefunden werden kann.

GeineinirÄtziges.

Unb sei es auch nur int kleinsten Vorgärtchen, das ihm für seine Liebhaberei zur Verfügung steht, Rosen wünscht jeder Gartenfreund zu besitzen und zu pflegen! Und die Rose ist dankbar, wenn ihr nur das gewährt wird, dessen sie zu ihrer Entfaltung bedarf! Recht zeitgemäß erinnert einer unserer tüchtigsten Rosenkenner, Pfarrer Schulz in Libbenichen, intPraktischen Ratgeber int Obst- und Gar­tenbau" gerade jetzt zur Rosenpflanzzeit daran, wie wichtig es ist, daß der Boden vor der Pflanzung gründlich und sachgemäß vorbereitet wird. Nicht nur in gutem Boden gedeihen Rosen, sondern sie entfalten sich auch Jahrzehnte lang im totesten Sande in musterhafter Ueppigkeit, wenn nur von Anfang an den Rosenwurzeln reichliche Nähr­stoffe gereicht werden. Abbildungen erläutern den lehr­reichen Aufsatz. Wer sich näher dafür interessiert, beson­ders aber, wer gerade Rosen pflanzen will, lasse sich die 9lummer desPraktischen Ratgebers" kommen, die gern umsonst vom Geschäftsamt in Frankfurt a. O. zugeschickt wird. i

Litterarisches.

Nordseebäder auf Dhll. Die Seebadedirektion hat soeben eineBeschreibung der Nordseebäder Westerland nnd Wenningstedt auf Sylt" herausgegeben, welche den Besuchern dieser Bäder einen ebenso wertvollen Führer wie Ratgeber bietet. DaS mit hübschen Illustrationen ausgestattete handliche Merkchen, in welchem sich auch Angaben über die kürzesten und bequemsten Reiscverbindungen von größeren Städten Deutschlands und Oesterreich-Ungarns befinden, dient als zuverlässiger Wegweiser in allen die Reise und den Aufenthalt aus der herrlichen Insel Sylt betreffenden Angelegenheiten und ist in allen größeren Reise­bureaus, Ausgabestellen für zusammenstellbare Fahrscheinhefte, sowie von der Seebadedirektion in Westerland gratis erhältlich.

Das kaufmännische Conto-Corrent und dessen verschiedene Methoden im Waren- und Bankgeschäft nebst Staffelrechnung und Wechsellehre für Handels- und Gewerbeschulen sowie zum Selbstunter­richt für alle Gewerbetreibende, welche mit dem Bankier verkehren. Bon Ferd. Kriegenmeyer. (Verlag von Jul. Bagcl in Mühlheim a. d. Ruhr; Preis M. 1.25.) In einem 86 Seiten starken, hübsch ausgestattetcn Groß-Oktavband legt der im praktischen kaufmännischen Leben stehende Verfasser die Grundzüge der Conto-Correntlehre sowohl im Waren- als im Bankgeschäft dar. Das Werk verfolgt einen doppelten Zweck, indem es einesteils den gänzlich Unbekannten in die Conto-Corrent- und Wechsellehre einführen will, ist es andererseits für diejenigen geschrieben, die sich zwar einige Kenntnisse darin erworben haben, dieselben aber auffrischen und erweitern wollen. Mit besonderer Ausführlichkeit ist die Anwendung der Staffelrechnung bei mehrfachem Wechsel des Zinsfußes behandelt und entgegen dem Gebrauche vieler Lehrbücher der Inhalt ein und desselben Conto-Correntes als Grundlage für alle Methoden ge­nommen worden, wodurch das Verständnis wesentlich erleichtert wird. Eine große Anzahl von praktischen Beispielen ist erläuternd beigegeben und als Anhang die Wechsellehre behandelt. Das Buch dürfte vielen ein willkommener Ratgeber sein.

Anagramm.

Nachdruck verboten.

Kranken bringe ich Stärkung, doch mach' ich oft schwach die Gesunden;

Werden zwei Zeichen verstellt, bin ich als Stadt dir bekannt. m.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Skataufgabe in voriger Nummer: (Mit a, b, c, d werden die vier Farben bezeichnet; also a --- Eichel, Treff; b Grün, Pique; o ---- Rot, Coeur; d Schellen, Carreau;

A; U Unter, Wenzel, Bube; D = Dame, Ober.)

Im Skat lagen d K und d D, Vorhand erhielt d IT, a Z, a K, a 9, a 8, a 7, c 8, c 7, d 9, d 8, Hinterhand den Rest. Verlaus des Spieles:

1. V. aZ M. aA H. oll --- 23.

2. H. bZ V. dU M. dA 23.

3. B. aL M. av H. dZ = 17.

Sa. 63.

Redaktion: ®. Burkhardt. Druck unk Verlag der Brühl'scheu UmserfitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gieße«.