Ausgabe 
25.12.1900
 
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1900.

Äenstag den 25. Dezember.

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WeihnaHten 1900.

Von Alwin Römer.

Nachdruck verboten.

Horch, die Weihnachtsglocken klingen Durch den Abend, tief und klar! . . . Leise fühl' ich hichtwäris dringen, Was so lang entschlummert war: Junger Jahre selig Lauschen Auf die Wonnen, Tag für Tag, Auf das Wehen und 'bdS Rauschen Von des Christkinds Flügelschlag!

Hold im Ohre tönen wieder Die vergess'nen Melodien All' der süßen Weihnachtslieder, Die zum Thron des Höchsten ziehn; 'Und durch 'heimlich 'schmale Ritzen In der Thür am Kämmerlein Seh' ich 'auch die Tanne blitzen In der Lichter Zauberschein!

Hellen Jubel hör' ich schallen . . Und aus Augen freudenheiß, Seh' ich eine Thräne fallen In der Tanne 'dunkles Reis! . . . Traum, was willst Du mich berücken 'Mit verschollner Zeiten Lust? . . . Eigner Schar den Baum zu schmucken, Füllt mit reichern: Glück die Brust! . . .

Walte, Christnacht, denn auf Erden, Weihe auch die ärmste Flur, 'Und laß allen Herzen werden

Deines Segens eine Spur, Ob sie froh im Vaterlande Um den Baum versammelt stehn, Ob sie fern an China's Strande 9h:r den Glanz .im Traume sehn! . . .

Hallet weiter, Weihnachtsglocken, Durch die hehre Wiuternacht, Und in Augen starr und trocken, Weckt der Thränen Wundermächt! Weist die Frohen zu den Thoren, Hinter denen Trübsal zagt, Daß zur Macht, da Christ geboren, Nicht e i n Herz um Liebe klagt! . . .

Ein Weihnachtsmorgen in derewigen Stadt".

Reiseskizze von P a u l P a s i g (Ilmenau)!

Nachdruck verboten.

Unser Plan war gefaßt: in der Morgenfrühe des ersten Christtages, den wir in Rom verlebten, wollten wir der Weihnachtsfeier in den altehrwürdigen, auf der Hohe des Esquilin thronenden Basilika S. Maria Maggi­ore beiwohnen. Bietet dieses Gotteshaus, die erste 'der heiligen Jungfrau in derewigen Stadt" geweihte Kirche, schon ihres Alters und ihrer glänzenden Ausstattung wegen mancherlei des Interessanten, so bildet sie gerade am Weihnachtsfeste das Ziel unzähliger Pilger wegen t'hr'es einzigartigen Schatzes: sie birgt nämlich Aeber- bleibsel der Wiege des Erlösers. Auch, die Grün­dungsgeschichte der Kirche ist in romantisches Dunkel ge­hüllt. Es wird Nämlich erzählt, dem 'Papste Liberius (352366) sei einst im Anfänge eines heißen August- mondes im Traume die Himmelskönigin erschienen und habe ihm befohlen, an der Stelle, wo er am andern Morgen frisch gefallenen Schnee bemerken werde, ihr eine Kirche zu erbauen. Während er noch über die merk­würdige Vision nachsann man denke: Schnee int August zumal in Rom! trat ein reicher Patrieier Namens Johannes ein und bat um Gehör. Er habe näm­lich, so berichtete er, in vergangener Nacht einen überaus auffälligen Traum gehabt.... Es war derselbe, den Liberias geträumt hätte! Kaum hätten sich beide von ihrem ersten Staunen erholt, als Eilboten meldeten, etwas ganz Unerhörtes sei geschehen: auf dem Esquilin sei während der Nächt frischer Schnee gefallen! Nun war an dem Wunder nicht mehr zweifeln: in dichten Scharen strömte das Volk herbei, und der Papst selbst ließ auf der weißglänzenden Schneefläche sogleich den Plan und'Grundriß einer Basilika entwerfen. Das neue Gotteshaus hieß 'ursprünglich 'Basilika Liberiana, wurde später nach dem Schneewunder S. Maria ad Nives um­getauft und erhielt erst unter Gregor XIII. (1575) seine jetzige prachtvolle Ausschmückung..... Meges Leben

herrschte bereits rings um die Kirche. Hohe Leitern lehnten an den Wänden, fahrbare Gerüste wurden um­hergerollt, und unäblässig schleppten Kirchendiener große, runde Schachteln herbei, in denen sich die Kristallkron­leuchter befanden, die in der Frühe des ersten Feier­tages dem Feste seinen äußeren Glanz verleihen sollten. Geräuschvoll und voller Unruhe verging uns die Nacht. Die Römer sind bekanntlich ein leicht erregbares Völkchen, und wenn vollends alt und jung, hoch und Niedrig sich auf eine religiöse Feierlichkeit vorbereitet, dann ist des Haftens und Schaffens und Lärmens und Drängens kein Ende, und der Unkundige möchte auf den Gedanken